Die Sache mit dem Internetanschluss

Hast Du Dir schon mal eine Wohnungsanzeige angeschaut? Wahrscheinlich schon. In Regel wird darin angeben, wieviele Zimmer eine Wohnung oder ein Haus hat. Natürlich bekommt man auch Infos darüber, auf wieviel Quadratmeter Wohnfläche sich diese Zimmer verteilen und wie die Wohnung sonst so ausgestattet ist. Also Balkon, Terrasse, Garage, Keller und so weiter und so weiter. Alles wichtige Informationen und soweit auch nicht ungewöhnlich.

Aber dann folgt in der Regel eine Info, für die wir Deutschen in vielen Ländern ausgelacht werden. Nämlich die Information, ob es in der Wohnung Breitbandinternet gibt oder ob die Daten auf ISDN Niveau aus der Leitung “tröpfeln”. Und würde diese Info nicht in der Anzeige stehen, spätestens bei der Wohnungsbesichtung würden wir nach der Geschwindigkeit des hoffentlich vorhandenen Internetanschlusses fragen. In Deutschland ist das vollkommen normal so. Aber wie gesagt: In vielen anderen Ländern werden wir dafür ausgelacht. Zumindest mehr oder wenig.

Verfügt die Wohung auch über fliesendes Wasser?

Aber warum ist das so? Nun. In den meisten Ländern Europas und in vielen anderen Ländern der Welt stellt sich diese Frage einfach so nicht. Dort hat die Frage nach dem vorhandensein eines Breitband Internetanschlusses ungefähr den gleichen Stellenwert, als ob man danach fragt, ob die Wohnung über fliesendes Wasser verfügt. Wir würden ja auch blöde schauen, wenn uns jemand fragt, ob eine Wohnung fliesendes Wasser hat.

Aber hier in Deutschland klappt das irgendwie nicht. Während es in anderen Ländern schon lange Gigabit Internet gibt, gibt es in Deutschland ganze Landstriche und eine ganze Reihe Orte, die quasi in der Internet ISDN Steinzeit leben. Und selbst in Gegenden wo es tatsächlich Breitband Internet gibt, kommt man oft nicht über eine 50-100Mbit Leitung hinaus. Und das auch oft nur, weil die Netzbetreiber mit DSL Vectoring “tricksen”. Selbst im kleinen Luxemburg bekommt man einen Internet Vertrag mit Gigabit Anschluss. Nur in Deutschland ist das Internet halt scheinbar irgendwie doch noch immer Neuland. Für eine Industrienation und ein angebliches HighTech Land wie Deutschland ist das schon ziemlich peinlich.

Rosinenpickerei hat Deutschland langsam gemacht

Woran das liegt? Rosinenpickerei lautet hier das Stichwort. Die Netzbetreiber und Provider wollen mit möglichst wenig finanziellen Einsatz maximalen Gewinn einfahren. Das heisst, dass jahrelang erstmal die deutschen Ballungszentren mit Breitband Internet versorgt wurden. Notwendige Investitionen in die Infrastruktur haben sich hier mehr gelohnt, da hier letztlich mehr zahlende Kunden zu erwarten waren. Auf dem platten Land hat sich das weniger gelohnt. Also hat man es einfach gelassen. Und oft hat man auch nicht in zukunftssichere Glasfaserleitungen investiert, sondern versuchte durch DSL Vectoring das letzte bissl Leistung aus den ollen Kupferkabeln rauszuquetschen. Allerdings in den Bereich eines Gigabit Internets kommt man damit auch nicht. Nicht einmal ansatzweise.

Der Markt hat es eben nicht gerichtet

Die Bundesdeutsche Breitbandversorgungslage ist somit das beste Beispiel, dass das wirtschaftsliberale Mantra vom Markt, der alles richtet, schlicht nicht stimmt. Hier hat er gar nichts gerichtet. Hier hätte der Staat die Netzbetreiber viel mehr in die Pflicht nehmen müssen. So wie das in anderen Ländern der Fall war. Dann würde auch Deutschland zu den Ländern mit flächendeckendem, schnellen Internet gehören.

Speichere in deinen Favoriten diesen permalink.

Über Andreas Rabe

IT Spezialist, Blogger und Hesse. > Ich habe keine Lösung, aber ich bewundere das Problem. Wenn bereits der Ansatz falsch ist, so führt strenge Logik unweigerlich zum falschen Ergebnis. Nur Unlogik gibt Dir jetzt noch die Chance, wenigstens zufällig richtig zu liegen.

Eine Antwort zu Die Sache mit dem Internetanschluss

  1. Ein guter Artikel. Gelungen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.