Smart Home von überall steuern klingt heute selbstverständlich. Licht aus dem Urlaub einschalten, Heizungen unterwegs regeln oder kurz nachsehen, ob alle Türen zu sind – genau dafür ist Home Assistant gemacht. Die Realität sieht aber oft so aus: Portfreigaben, DynDNS, Cloud-Zwang, unsichere Konfigurationen. Und plötzlich hängt das eigene Smart Home offen im Internet.
Dabei geht es deutlich eleganter und vor allem sicherer. Mit einem aktuellen Telekom Speedport Smart 4, integriertem WireGuard-VPN und der Home Assistant App auf deinem Smartphone baust du dir deinen eigenen, komplett privaten Fernzugriff – ohne Cloud, ohne offene Ports, ohne Sicherheitskompromisse. Dieser Artikel zeigt dir Schritt für Schritt, wie die Architektur dahinter funktioniert, warum sie sicherer ist als klassische Lösungen und wie du sie stabil betreibst.
Du brauchst dafür keine exotische Hardware. Ein lokaler Home-Assistant-Server, ein Speedport Smart 4, ein Pixel-Smartphone und etwas Netzwerkverständnis reichen aus. Der Rest ist saubere Struktur.
Warum Fernzugriff auf Home Assistant überhaupt ein Problem ist

Viele Home-Assistant-Installationen starten lokal. Der Server läuft im Heimnetz, erreichbar über eine interne IP wie 192.168.x.x und Port 8123. Solange du im WLAN bist, funktioniert alles problemlos. Sobald du das Haus verlässt, endet diese Komfortzone.
Der typische Weg ins Internet führt über Portweiterleitungen im Router. Dabei wird der Home-Assistant-Port öffentlich erreichbar gemacht und über DynDNS mit einer Domain verknüpft. Das funktioniert, ist aber sicherheitstechnisch immer ein Risiko. Jede offene Verbindung ins Internet erhöht die Angriffsfläche. Selbst mit HTTPS, Passwort und Zwei-Faktor-Authentifizierung bleibt ein öffentlich erreichbarer Dienst ein potenzielles Ziel.
Alternativ greifen viele auf Cloudlösungen zurück, etwa Nabu Casa. Das ist komfortabel, aber nicht jeder möchte sein Smart Home über externe Server erreichbar machen oder dauerhaft dafür bezahlen.
Genau hier kommt WireGuard ins Spiel.
Der Paradigmenwechsel: VPN statt Portfreigabe
Anstatt Home Assistant ins Internet zu hängen, wird das Prinzip umgedreht. Dein Smartphone kommt nicht mehr von außen ins Heimnetz, sondern wird virtuell Teil davon. Das geschieht über ein VPN, in diesem Fall WireGuard.
WireGuard ist ein modernes VPN-Protokoll mit sehr effizienter Kryptographie, geringem Overhead und hoher Stabilität auf mobilen Geräten. Es baut einen verschlüsselten Tunnel zwischen Smartphone und Heimnetz auf. Für dein Telefon fühlt es sich danach so an, als wärst du im WLAN zuhause.
Der große Vorteil: Home Assistant bleibt komplett lokal. Es gibt keinen offenen Port, keine öffentlich erreichbare Oberfläche und keine Cloud-Weiterleitung. Der Router übernimmt die Rolle des Sicherheitstors.
Mit einem aktuellen Speedport Smart 4 wird genau das möglich, denn er kann inzwischen selbst WireGuard und DynDNS bereitstellen.
Zielarchitektur: dein privates Smart-Home-Netz von überall
Die ideale Struktur ist simpel und gleichzeitig extrem robust. Der Speedport stellt den VPN-Server bereit. Home Assistant läuft weiterhin lokal im Heimnetz. Dein Smartphone verbindet sich von unterwegs per WireGuard mit dem Router. Sobald die Verbindung steht, nutzt die Home Assistant App einfach die interne IP des Servers.
Kein öffentlicher Zugriff, kein Reverse Proxy, keine Zusatzdienste.
Der Router wird zum zentralen Zugangspunkt. Alle Geräte bleiben hinter der Firewall. Der Fernzugriff erfolgt ausschließlich über eine authentifizierte VPN-Verbindung.
Diese Architektur entspricht exakt dem, was man in professionellen IT-Umgebungen als sicheren Remote-Zugang nutzt.
Die Rolle des Speedport Smart 4

Der entscheidende Unterschied zu älteren Setups ist die Verlagerung des VPN-Servers. Früher lief WireGuard häufig direkt auf dem Home-Assistant-System oder einem Raspberry Pi. Das funktionierte, machte aber den HA-Server zu einem sicherheitskritischen Baustein.
Mit integriertem WireGuard im Speedport verschiebt sich diese Verantwortung auf den Router. Das hat mehrere Vorteile.
Der Router ist dauerhaft aktiv und speziell dafür gebaut, Netzwerkzugriffe zu verwalten. Updates und Sicherheitsmechanismen greifen zentral. Home Assistant bleibt ein reiner Smart-Home-Server und muss sich nicht um VPN-Verbindungen kümmern.
Gleichzeitig reduziert sich die Komplexität enorm. Keine Container, keine Zusatzdienste, keine manuelle Schlüsselverwaltung auf mehreren Geräten.
DynDNS: die Grundlage für stabilen Fernzugriff
Die meisten Internetanschlüsse in Deutschland haben keine feste öffentliche IP-Adresse. Sie ändert sich regelmäßig. Damit dein Smartphone den Router trotzdem erreicht, braucht es eine feste Adresse. Genau das erledigt DynDNS.
Der Speedport aktualisiert automatisch eine Domain, sobald sich deine IP ändert. Dein WireGuard-Client verbindet sich immer mit derselben Adresse, etwa mein-zuhause.ddns.net, unabhängig davon, welche IP aktuell vergeben ist.
Das ist eine unsichtbare, aber essenzielle Komponente. Ohne DynDNS müsstest du jedes Mal die aktuelle IP kennen.
Einrichtung des WireGuard-Zugangs im Router
Die Konfiguration selbst ist überraschend unkompliziert. Im Speedport aktivierst du den WireGuard-Server, legst ein neues Gerät an und erhältst direkt eine Konfigurationsdatei oder einen QR-Code. Dieser enthält alle notwendigen Schlüssel und Verbindungsparameter.
Auf dem Pixel-Smartphone installierst du die WireGuard-App und importierst die Konfiguration. Danach reicht ein einziger Tipp, um die VPN-Verbindung zu aktivieren.
Im Hintergrund entsteht ein verschlüsselter Tunnel zwischen Telefon und Router. Für Apps auf dem Smartphone wirkt es, als wären sie direkt im Heimnetz.
Genau an dieser Stelle wird die Home Assistant App relevant.
Home Assistant App richtig konfigurieren
Der größte Denkfehler passiert hier. Viele tragen in der App weiterhin die DynDNS-Adresse ein oder versuchen HTTPS-Zugriffe von außen. Das ist nicht notwendig und sogar kontraproduktiv.
Sobald das VPN aktiv ist, nutzt die App einfach die interne Adresse des Servers, also zum Beispiel http://192.168.2.50:8123. Mehr nicht.
Die Verbindung läuft komplett im Tunnel. Für Home Assistant fühlt es sich an, als würdest du im heimischen WLAN sitzen.
Damit verschwinden eine ganze Reihe typischer Probleme automatisch. Zertifikate, Reverse Proxies, Cloud-Weiterleitungen und komplizierte Sicherheitsregeln sind schlicht nicht mehr nötig.
Sicherheit: warum dieses Setup überlegen ist
Die größte Stärke dieser Architektur ist ihre Reduktion. Home Assistant ist nicht mehr öffentlich erreichbar. Es existiert kein offener Port im Internet, der gescannt oder angegriffen werden kann.
Der einzige Zugriffspunkt ist der VPN-Server im Router. Und der akzeptiert ausschließlich Verbindungen mit gültigen Schlüsseln. Selbst wenn jemand deine DynDNS-Adresse kennt, bringt ihm das nichts ohne den passenden WireGuard-Client.
Dazu kommt die starke Verschlüsselung von WireGuard, die aktuell zu den modernsten im Consumer-Bereich gehört. Mobile Geräte profitieren besonders von der Effizienz des Protokolls, da es stabil bleibt und wenig Akku verbraucht.
Für den praktischen Betrieb bedeutet das: maximale Sicherheit bei minimalem Wartungsaufwand.
Split-Tunnel: Internet bleibt schnell, Smart Home bleibt lokal
Ein weiterer Vorteil ist die Möglichkeit des sogenannten Split-Tunnelings. Dabei wird nicht der gesamte Internetverkehr durch das VPN geleitet, sondern nur der Zugriff auf dein Heimnetz.
Dein Smartphone nutzt weiterhin die mobile Datenverbindung für Web, Streaming und Apps. Nur Home Assistant und andere lokale Geräte laufen durch den verschlüsselten Tunnel.
Das sorgt für bessere Performance und spart Akku, während dein Smart Home weiterhin geschützt erreichbar bleibt.
Lokale Dienste automatisch von unterwegs erreichbar
Sobald WireGuard aktiv ist, öffnet sich ein ganzes Ökosystem. Nicht nur Home Assistant, sondern auch NAS-Systeme, Drucker, Kameras oder interne Weboberflächen werden erreichbar.
Das Smartphone ist technisch gesehen Teil deines Heimnetzes. Du kannst lokale IP-Adressen direkt aufrufen oder sogar interne DNS-Namen verwenden.
Für IT-affine Nutzer entsteht damit ein vollständiger Remote-Zugang zum eigenen Netzwerk – ohne separate Lösungen für jedes Gerät.
Integration des SwitchBot AI Hub

Der SwitchBot AI Hub bleibt in diesem Szenario komplett unverändert. Er kommuniziert weiterhin lokal mit Home Assistant. Der Fernzugriff erfolgt indirekt über die HA-App.
Das ist ein wichtiger Punkt. Viele Smart-Home-Hubs bieten eigene Cloud-Anbindungen, die nicht zwingend nötig sind. Wenn Home Assistant zentral gesteuert wird und der Zugriff über VPN erfolgt, bleiben diese Geräte im lokalen Netz isoliert und sicher.
Du baust dir damit ein echtes lokales Smart-Home-System, das nicht von externen Plattformen abhängig ist.
Typische Fehler und wie du sie vermeidest
Die meisten Probleme entstehen durch falsche Erwartungen an das System. Wenn die Home Assistant App weiterhin über eine externe Domain zugreifen soll, kollidiert das mit dem VPN-Konzept. Die interne IP ist der Schlüssel.
Ebenso wichtig ist eine feste lokale IP für den HA-Server. Ändert sich diese durch DHCP, findet die App ihn nicht mehr.
Ein weiterer Punkt ist die Aktivierung des VPN im heimischen WLAN. Manche Router blockieren interne VPN-Verbindungen standardmäßig. Eine entsprechende Einstellung verhindert später Verwirrung.
Sobald diese Grundlagen stimmen, läuft das Setup erstaunlich stabil.
Wartung und Betrieb im Alltag
Der laufende Betrieb erfordert kaum Pflege. WireGuard verbindet sich schnell, stabil und unauffällig. Updates erfolgen über Router-Firmware und Home-Assistant-Updates wie gewohnt.
Neue Geräte lassen sich jederzeit hinzufügen, indem du im Speedport zusätzliche VPN-Clients anlegst. Jeder bekommt eigene Schlüssel und kann unabhängig verwaltet werden.
Auch Familienmitglieder können so sicheren Zugriff erhalten, ohne dass du Home Assistant öffentlich freigeben musst.
Warum dieses Setup langfristig sinnvoll ist
Smart Home entwickelt sich immer stärker Richtung lokale Automatisierung. Datenschutz, Ausfallsicherheit und Unabhängigkeit von Cloud-Anbietern werden wichtiger. Ein VPN-basierter Zugriff passt perfekt in diese Entwicklung.
Du behältst die volle Kontrolle über deine Infrastruktur. Der Zugriff ist schnell, sicher und nicht von externen Diensten abhängig. Gleichzeitig bleibt das System flexibel erweiterbar.
Für IT-Interessierte ist es zudem ein idealer Einstieg in saubere Netzwerkarchitekturen. Der Aufbau entspricht dem, was auch in professionellen Umgebungen eingesetzt wird – nur in kleinerem Maßstab.
Fazit: deine eigene private Smart-Home-Cloud
Mit einem Speedport Smart 4, integriertem WireGuard und Home Assistant lässt sich ein Fernzugriff realisieren, der gleichzeitig komfortabel und hochsicher ist. Statt Home Assistant ins Internet zu stellen, bringst du dein Smartphone ins Heimnetz.
Das reduziert Risiken, vereinfacht die Konfiguration und macht dein Setup langfristig stabiler. Der Router wird zum zentralen Sicherheitsanker, während Home Assistant lokal bleibt und genau das tut, wofür er gedacht ist: dein Smart Home steuern.
Wer einmal erlebt hat, wie nahtlos dieses Modell funktioniert, möchte keine Portfreigaben und Cloud-Brücken mehr anfassen. Es ist die sauberste Lösung für alle, die ihr Smart Home ernst nehmen.
Und das Beste daran: Die benötigte Hardware steht oft schon zuhause.
