Einordnung: Warum die Magcore 87 etwas Besonderes ist
Der Markt für mechanische Tastaturen ist in den letzten Jahren regelrecht explodiert. Neben klassischen mechanischen Switches von Cherry, Gateron oder Kailh haben sich immer mehr alternative Technologien etabliert: optische Switches, Low‑Profile‑Varianten, Silent‑Konzepte – und zuletzt magnetische bzw. induktive Switches. Genau hier positioniert sich die EPOMAKER Magcore 87. Ganz günstig ist die Tastatur nicht. Aktuell werden hier Preise um die 180€ aufgerufen.

Mit der Magcore 87 will Epomaker nicht einfach nur eine weitere gut verarbeitete TKL‑Tastatur liefern, sondern ein Produkt für Enthusiasten und Gamer, die maximale Präzision, extrem geringe Latenz und ein sehr fein einstellbares Tipp‑ und Gaming‑Erlebnis suchen. In diesem Review schaue ich mir die Tastatur detailliert an: von Verarbeitung und Ausstattung über Switch‑Technik und Software bis hin zu Praxis‑Erfahrungen beim Schreiben und Spielen.
Technische Daten im Überblick
- Layout: TKL (87 Tasten) ANSI
- Gehäuse: CNC‑gefrästes Aluminium
- Montage: Gasket Mount
- Switches: Kailh Inductive (magnetisch / induktiv)
- Hot‑Swap: Ja (nur induktive Switches)
- Polling‑Rate: bis zu 8000 Hz (USB)
- Anschluss: USB‑C (kabelgebunden)
- Keycaps: PBT Double‑Shot, Cherry‑Profil
- RGB: Per‑Key RGB, south‑facing
- Dämpfung: Mehrschichtige Dämmung (Silikon, IXPE, EVA)
- Software: Epomaker Driver (Windows)
Design & Verarbeitung: Massiv, minimalistisch, hochwertig
Schon beim Auspacken wird klar: Die Magcore 87 ist keine leichte Plastik‑Tastatur für den Massenmarkt. Das Aluminiumgehäuse bringt ordentlich Gewicht auf die Waage und sorgt für eine sehr stabile Basis auf dem Schreibtisch. Nichts knarzt, nichts verwindet sich – selbst bei starkem Druck bleibt das Gehäuse komplett ruhig.
Das Design ist bewusst zurückhaltend gehalten. Keine aggressiven Gaming‑Akzente, keine unnötigen Logos, sondern klare Linien und ein insgesamt sehr erwachsener Look. Damit passt die Magcore 87 nicht nur auf einen RGB‑Gaming‑Desk, sondern auch problemlos in ein minimalistisches oder sogar professionelles Setup.
Die Oberflächen sind sauber verarbeitet, die Kanten gut gefräst und gleichmäßig eloxiert. Besonders positiv fällt auf, dass Epomaker hier nicht am Material gespart hat – das fühlt sich eher nach Custom‑Keyboard als nach Serienprodukt an.
Layout & Ergonomie: TKL als guter Mittelweg
Das Tenkeyless‑Layout ist für viele Nutzer der ideale Kompromiss: Du bekommst alle wichtigen Tasten inklusive Funktionstasten und Pfeilblock, sparst aber Platz auf dem Schreibtisch und hast mehr Raum für die Maus – gerade beim Gaming ein klarer Vorteil.
Die Tastenabstände sind klassisch, es gibt keine Experimente mit ungewöhnlichen Größen oder Positionen. Wer schon einmal eine TKL‑Tastatur genutzt hat, findet sich sofort zurecht. Auch für Vielschreiber ist das Layout absolut alltagstauglich.
Ein kleiner Nachteil: Es gibt keinen integrierten Drehregler oder zusätzliche Mediatasten. Das ist kein Muss, aber in dieser Preisklasse wäre ein dezenter Lautstärkeregler ein nettes Extra gewesen.
Die Switches: Induktive Technik statt mechanischer Kontakte

Der größte Unterschied zur klassischen mechanischen Tastatur liegt bei der Switch‑Technologie. Die Magcore 87 setzt auf induktive Switches von Kailh, die über magnetische Sensoren arbeiten.
Was bedeutet das konkret?
- Kein physischer Kontaktpunkt: Der Tastendruck wird über die Veränderung eines Magnetfelds erkannt.
- Kein Prellen, kein Kontaktverschleiß: Dadurch extrem langlebig.
- Sehr präzise Auslösung: Besonders interessant für kompetitives Gaming.
Im Gegensatz zu klassischen mechanischen Switches gibt es hier keinen festen Auslösepunkt. Stattdessen kann der Actuation Point softwareseitig angepasst werden. Du kannst also festlegen, wie tief eine Taste gedrückt werden muss, bevor sie auslöst.
Tippgefühl
Das Tippgefühl ist ungewöhnlich – im positiven Sinne. Der Anschlag ist sehr gleichmäßig, glatt und kontrolliert. Es gibt keinen klassischen „Bump“ wie bei taktilen Switches, aber auch kein kratziges Gefühl. Wer lineare Switches mag, wird sich hier schnell wohlfühlen.
Dank der guten Dämmung wirkt der Klang angenehm dumpf und nicht metallisch. Für eine Aluminium‑Tastatur ist die Akustik überraschend ruhig.
Hot‑Swap – aber mit Einschränkung
Die Magcore 87 ist hot‑swappable, allerdings ausschließlich für induktive Switches. Klassische 3‑ oder 5‑Pin‑mechanische Switches sind nicht kompatibel.
Das ist technisch bedingt und kein echter Nachteil – aber du solltest es wissen, bevor du die Tastatur kaufst. Wer gerne zwischen verschiedenen mechanischen Switch‑Typen experimentiert, ist hier eingeschränkt. Wer sich bewusst für magnetische Switches entscheidet, wird das allerdings akzeptieren.
RGB‑Beleuchtung: Funktional statt verspielt

Die per‑Key‑RGB‑Beleuchtung ist south‑facing, was besonders für Cherry‑Profil‑Keycaps wichtig ist. Dadurch gibt es keine unschönen Schatten oder Inkompatibilitäten.
Die Farben sind kräftig, gleichmäßig und gut steuerbar. Epomaker setzt hier auf klassische Effekte: statisch, Wellen, und Reaktiv‑Effekte.
RGB‑Fans werden zufrieden sein, Puristen können die Beleuchtung problemlos deaktivieren – die Tastatur sieht auch ohne RGB sehr gut aus.
Software & Anpassung
Die Epomaker‑Software ist funktional, wenn auch optisch kein Highlight. Dafür bietet sie genau das, was man bei einer Tastatur wie der Magcore 87 erwartet:
- Anpassung des Auslösepunktes pro Taste
- Mehrere Profile
- Makros
- RGB‑Konfiguration
- Key‑Remapping
Gerade die Feinjustierung der Actuation Points ist das Killer‑Feature. Für Gaming kannst du extrem kurze Auslösewege einstellen, während du für das Schreiben bewusst etwas mehr Weg lässt, um Fehleingaben zu vermeiden.
Die Software läuft stabil unter Windows. Eine native macOS‑Version wäre wünschenswert, ist aktuell aber nicht vorhanden.
Gaming‑Praxis: Extrem schnell und präzise
Im Gaming‑Einsatz spielt die Magcore 87 ihre Stärken voll aus. Die Polling‑Rate von bis zu 8000 Hz sorgt für minimale Eingabelatenz, die in der Praxis zwar nicht bewusst spürbar, aber messbar vorhanden ist.
In schnellen Shootern oder kompetitiven Spielen fühlt sich jede Eingabe sofort an. Besonders das schnelle Antippen von Movement‑Tasten profitiert vom einstellbaren Auslösepunkt.
Wer aus dem E‑Sport‑Umfeld kommt oder sehr sensibel auf Eingabelatenz reagiert, wird hier definitiv einen Unterschied zu klassischen mechanischen Tastaturen feststellen.
Schreiben & Alltag: Auch für Vieltipper geeignet
Trotz klarer Gaming‑Ausrichtung ist die Magcore 87 auch für längere Schreibsessions sehr gut geeignet. Der gleichmäßige Tastenhub und die gute Dämmung sorgen dafür, dass die Tastatur nicht ermüdet.
Gerade Entwickler, Autoren oder IT‑Profis, die viele Stunden am Tag tippen, werden die Präzision und Ruhe zu schätzen wissen – vorausgesetzt, man kommt mit linearen Switches klar.
Vergleich zu klassischen mechanischen Tastaturen
Im direkten Vergleich zu hochwertigen mechanischen TKL‑Tastaturen fällt auf:
Vorteile der Magcore 87:
- Extrem präzise Eingabe
- Anpassbarer Auslösepunkt
- Sehr geringe Latenz
- Hohe Verarbeitungsqualität
Nachteile:
- Höherer Preis
- Weniger Switch‑Auswahl
- Software nur unter Windows
Preis‑Leistungs‑Bewertung
Die EPOMAKER Magcore 87 ist keine günstige Tastatur. Sie richtet sich klar an Enthusiasten und Gamer, die bewusst in neue Technologie investieren wollen.
Der Preis ist durch das Aluminiumgehäuse, die induktiven Switches und die Performance technisch gerechtfertigt – allerdings nicht für jeden sinnvoll.
Fazit: Für wen lohnt sich die EPOMAKER Magcore 87?

Die Magcore 87 ist eine High‑End‑TKL‑Tastatur für Nutzer, die maximale Präzision, modernste Switch‑Technologie und hochwertige Verarbeitung suchen.
Empfohlen für:
- Kompetitive Gamer
- Technik‑Enthusiasten
- Nutzer, die magnetische Switches ausprobieren möchten
Weniger geeignet für:
- Preisbewusste Käufer
- Fans klassischer Clicky‑ oder taktiler Switches
Wenn du bereit bist, dich auf eine neue Art von Tastatur einzulassen, bekommst du mit der EPOMAKER Magcore 87 ein extrem spannendes und zukunftsorientiertes Eingabegerät.
