Es war kurz nach Mitternacht. Ich starte einen Druck, den ich tagsüber vorbereitet hatte – ein Gehäuse für ein kleines IoT-Projekt, PETG, sollte etwa vier Stunden dauern. Ich leg mich kurz aufs Sofa, Podcast läuft im Hintergrund, alles entspannt.
Zwei Stunden später weckt mich ein Geräusch.
Kein lautes Knallen – eher ein leises, gleichmäßiges Zischen und Knistern, das nicht da sein sollte. Ich steh auf, schau auf den Drucker. Das Druckbild sieht aus wie ein Faden, der durch eine Waschmaschine gezogen wurde: fadenziehend, porös, mit kleinen Blasen übersät. Und der Geruch – leicht verbrannt, fast suppig.
Feuchtes Filament. Natürlich.
Ich hatte die PETG-Rolle seit Wochen offen auf dem Drucker liegen. Der Raum ist nicht besonders trocken, gerade im Herbst und Winter. Und ich hatte – wie wohl die meisten am Anfang – gedacht: Ach, das merkt man schon, wenn’s wirklich schlimm ist.
Man merkt es tatsächlich. Nur meistens dann, wenn der Druck schon vermurkst ist.
Warum Filament überhaupt Feuchtigkeit aufnimmt

Bevor wir zu den Lösungen kommen, kurz zur Theorie – weil ich es damals selbst nicht verstanden hatte und deshalb immer wieder die gleichen Fehler gemacht hab.
Die meisten FDM-Filamente sind aus Polymeren gefertigt, die hygroskopisch sind. Das bedeutet: Sie saugen aktiv Wassermoleküle aus der Umgebungsluft auf – nicht nur bei Lagerung, sondern auch während des Drucks. PLA macht das eher gemächlich. Nylon (PA) hingegen ist ein Extremfall: Eine offene Rolle PA kann innerhalb weniger Stunden messbaren Feuchtigkeitsgehalt aufbauen.
Das Problem entsteht beim Drucken. Im Hotend herrschen Temperaturen von 200–300°C. Wenn feuchtes Filament durch diese Zone läuft, verdampft das eingelagerte Wasser schlagartig. Das erzeugt kleine Dampfblasen im Schmelzfluss – und genau die führen zu:
- porösem, blasigem Druckbild
- unregelmäßigen Extrusionen und Stringing
- hörbarem Knacken, Zischen oder Blubbern beim Druck
- matten, stumpfen Oberflächen statt des typischen Glanzes
- geschwächter Schichthaftung und spröden Teilen
Das Frustrierende: All das sieht auf den ersten Blick wie ein Einstellungsproblem aus. Temperatur zu hoch? Retrakt falsch konfiguriert? Ich hab damals Stunden damit verbracht, Druckprofile zu tunen – bis mir jemand im Forum schlicht schrieb: „Trockne erst mal das Filament.“
Filament Feuchtigkeit erkennen – so erkennst du das Problem sicher
Das frühzeitige Erkennen von Feuchtigkeit im Filament ist eigentlich gar nicht so schwer, wenn du weißt, worauf du achtest.
Das Knacken ist das deutlichste Zeichen. Wenn du beim Drucken ein leises, regelmäßiges Knistern oder Blubbern hörst – vor allem bei PETG, PA oder TPU – ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass dein Filament Feuchtigkeit gezogen hat. Dieses Geräusch entsteht buchstäblich durch Dampfblasen im Schmelzkanal.
Visuell: Stringing und Oozing. Feuchtes Filament neigt dazu, deutlich mehr Fäden zwischen Druckteilen zu ziehen als trockenes. Wenn du bei einem Material, das du eigentlich im Griff hast, plötzlich mehr Stringing siehst, sollte Feuchtigkeit dein erster Verdacht sein.
Der manuelle Test. Zieh ein paar Zentimeter Filament manuell aus dem Bowden-Schlauch und erhitze die Nozzle auf normale Drucktemperatur. Halte das Filament vors Hotend und lass etwas Material austreten – ohne aktiv zu drücken. Wenn das Material gleichmäßig, glänzend und ohne Geräusche fließt: gut. Wenn es blubbert, schäumt oder unregelmäßig austritt: trocknen.
Oberflächenstruktur der Rolle. Ich hab mir angewöhnt, neue Rollen kurz zu befühlen, bevor ich sie einsetze. Feuchtes Filament fühlt sich manchmal leicht anders an – nicht dramatisch, aber mit etwas Erfahrung lernst du dieses Gefühl kennen.
Ein einfaches Hygrometer im Druckraum oder im Trockenbox-Bereich hilft ebenfalls. Liegt die Luftfeuchtigkeit dauerhaft über 50–55 %, solltest du aktiv gegensteuern.
Welche Materialien sind wie empfindlich?

Nicht jedes Filament reagiert gleich auf Feuchtigkeit. Das ist wichtig für die Einschätzung, wie dringend das Trocknen ist – und wie lange du trocknen musst.
PLA ist das am wenigsten empfindliche Material. Trotzdem: Bei langer Lagerung oder hoher Luftfeuchtigkeit kann auch PLA Probleme machen – vor allem mattere Oberflächen und leicht verschlechterte Schichthaftung. Für kurze Druckzeiten kannst du frisch geöffnetes PLA oft direkt einsetzen.
PETG ist deutlich hygroskopischer als PLA. Ich merke bei PETG schon nach einigen Tagen offener Lagerung einen Unterschied in der Druckqualität. Das typische Stringing bei PETG wird durch Feuchtigkeit massiv verstärkt. PETG ist ein Material, das ich inzwischen grundsätzlich nur aus der Trockenbox drucke.
TPU liegt irgendwo dazwischen. Das Material ist flexibel und ohnehin schwieriger zu drucken – Feuchtigkeit macht die Sache nicht leichter. Blasen und Stringing sind auch hier die Symptome.
Nylon (PA) ist der absolute Extremfall. PA ist so hygroskopisch, dass frisch getrocknete Rollen innerhalb von 30–60 Minuten offener Lagerung bereits wieder Feuchtigkeit aufnehmen können. Ich drucke PA ausschließlich direkt aus der Trockenbox, mit einem aktiven Desiccant-Einsatz in der Box. Kein Kompromiss.
ABS und ASA sind ebenfalls empfindlich, wenn auch nicht ganz so extrem wie PA. Hier kommen Warping-Probleme durch Feuchtigkeit erschwerend hinzu.
Die Methoden im Überblick
Es gibt im Wesentlichen drei Wege, Filament zu trocknen. Ich hab alle drei ausprobiert – und jede hat ihre Berechtigung, je nach Budget, Häufigkeit und Materialanforderungen.
1. Backofen
Der Klassiker. Keine Anschaffungskosten (du hast vermutlich schon einen), keine Sonderausstattung nötig. Die Idee: Rolle ins Ofen, Temperatur einstellen, warten.
Das Problem, das ich damit hatte: Die meisten Haushaltsöfen sind bei niedrigen Temperaturen ungenau. Ich hab einmal PLA bei angeblich 45°C getrocknet und hinterher eine leicht verformte Rolle auf dem Tisch – weil die tatsächliche Ofentemperatur deutlich höher lag. Ein Ofenthermometer ist hier Pflicht.
Außerdem: Öfen zirkulieren die feuchte Luft nicht immer gut. Ein Umluft-Modus hilft. Und bei Nylon funktioniert der Ofen tatsächlich oft besser als ein normales Dörrgerät, weil die nötigen Temperaturen (70–80°C) für viele Dörrgeräte am oberen Limit liegen.
Mein Fazit zum Ofen: Notlösung oder Gelegenheitslösung. Für regelmäßige Nutzung gibt es Besseres.
2. Dörrgerät (Lebensmitteltrockner)
Hier hat meine Reise wirklich begonnen. Ein guter Lebensmitteltrockner – etwa von Rommelsbacher, Stöckli oder vergleichbaren Marken – ist oft günstiger als ein dedizierter Filamenttrockner und funktioniert erstaunlich gut.
Was ich konkret benutze: einen Gerät mit regelbarer Temperatur von 30–70°C und einem Timer. Die meisten Etagen sind groß genug für handelsübliche 1-kg-Rollen, wenn man sie quer einsetzt.
Vorteile: günstig, mehrere Rollen gleichzeitig möglich (je nach Gerät), zuverlässige Temperaturkonstanz bei guten Modellen.
Nachteile: Keine Möglichkeit, während des Trocknens zu drucken. Die Rolle muss nach dem Trocknen entnommen und schnell in die Trockenbox oder direkt in den Drucker. Keine direkte Integration in den Druckprozess.
Für gelegentliche Nutzer oder alle, die sowieso eine Trockenbox nachlagern, ist ein gutes Dörrgerät absolut ausreichend.
3. Dedizierter Filamenttrockner
In den letzten ein, zwei Jahren hat sich der Markt für dedizierte Filamenttrockner deutlich weiterentwickelt. 2026 gibt es inzwischen Geräte, die tatsächlich das halten, was sie versprechen.
Die bekanntesten Modelle stammen von Sunlu (S2, S4+), Polymaker (PolyDryer Box), Bambu Lab (AMS integriert, aber auch eigenständige Trockner) und Creality. Der Sunlu S2 ist dabei immer noch eines der beliebtesten Einstiegsgeräte – kompakt, günstig, zuverlässig für PLA und PETG.
Was einen guten Filamenttrockner auszeichnet:
- Temperaturregelung bis mindestens 70°C (für PA)
- Aktive Lüftung für gleichmäßige Wärmeverteilung
- Die Möglichkeit, während des Trocknens zu drucken (Filamentauslass oben oder seitlich)
- Display oder App-Steuerung mit Timer
Der entscheidende Vorteil gegenüber dem Dörrgerät: Du kannst das Filament direkt während des Drucks warm halten und trocken drucken – besonders wichtig für PA und PETG bei längeren Projekten.
Filamenttrockner vs. Dörrgerät – der direkte Vergleich
Ich werde diese Frage in der Community regelmäßig gestellt. Meine ehrliche Antwort: Es kommt darauf an.
Wenn du hauptsächlich PLA und PETG druckst, reicht ein gutes Dörrgerät vollkommen. Trockne die Rolle, lagere sie danach in einer Trockenbox mit Desiccant-Kissen – fertig. Das kostet dich einmalig vielleicht 30–50 Euro und erfüllt seinen Zweck.
Wenn du regelmäßig PA (Nylon), PA-CF oder exotische technische Filamente druckst, empfehle ich einen dedizierten Filamenttrockner – oder zumindest ein Dörrgerät mit ausreichend hoher Maximaltemperatur. PA verzeiht keine Kompromisse, und der Komfort, direkt aus dem warmen Trockner zu drucken, ist enorm.
Wenn du viel und häufig druckst, ist ein dedizierter Trockner einfach praktischer. Du musst die Rolle nicht mehr umlagern, kannst mitten in einem langen Druck nicht aus der trockenen Umgebung reißen und sparst dir den Tanz zwischen Dörrgerät und Drucker.
| Kriterium | Dörrgerät | Filamenttrockner |
|---|---|---|
| Anschaffungskosten | ~30–60 € | ~40–100 € |
| Max. Temperatur (gut) | 60–70°C | 70–80°C |
| Drucken während Trocknen | Nein | Ja (je nach Modell) |
| Mehrere Rollen gleichzeitig | Ja | Meist 1–2 |
| Alltagstauglichkeit | Gut | Sehr gut |
| Für PA geeignet | Eingeschränkt | Ja |
Die richtigen Temperaturen je Material – konkrete Empfehlungen
Das ist der Teil, der am häufigsten falsch gemacht wird. Zu niedrig, und du trocknest nicht effektiv. Zu hoch, und du verformst die Rolle oder schädigst das Material.
Ich gebe dir hier die Werte, mit denen ich persönlich gute Erfahrungen gemacht hab – und die sich auch mit den technischen Datenblättern der meisten Hersteller decken:
PLA
- Temperatur: 40–45°C
- Dauer: 4–6 Stunden
- Hinweis: PLA hat eine relativ niedrige Glasübergangstemperatur. Geh keinesfalls über 50°C – die Rolle kann sich sonst deformieren oder die Windungen kleben zusammen. 45°C ist das Safe-Maximum.
PETG
- Temperatur: 55–65°C
- Dauer: 4–6 Stunden
- Hinweis: PETG verträgt höhere Trockentemperaturen problemlos. 60°C ist mein Standardwert. Wer auf der sicheren Seite bleiben will: 55°C für 6 Stunden reicht ebenfalls.
TPU (flexibles Filament)
- Temperatur: 45–55°C
- Dauer: 4–6 Stunden
- Hinweis: TPU ist empfindlicher als PETG, aber weniger empfindlich als PLA bezüglich Verformung durch Wärme. Ich trockne TPU bei 50°C.
PA / Nylon (PA6, PA12, PA-CF)
- Temperatur: 70–80°C
- Dauer: 8–12 Stunden (bei stark feuchten Rollen auch 24 Stunden)
- Hinweis: Das ist das anspruchsvollste Material. Viele Dörrgeräte kommen hier ans Limit – prüf vorher, ob dein Gerät wirklich 70°C erreicht und hält. Nach dem Trocknen sofort in die Trockenbox oder in den Filamenttrockner für den Direktdruck.
ABS / ASA
- Temperatur: 60–65°C
- Dauer: 4–6 Stunden
- Hinweis: Ähnlich wie PETG. ABS und ASA sind stabiler bei höheren Temperaturen, also kein Problem mit 65°C.
PC (Polycarbonat)
- Temperatur: 70–80°C
- Dauer: 8–12 Stunden
- Hinweis: PC ist extrem hygroskopisch. Ähnliche Empfehlungen wie bei PA. Nicht unterschätzen.
Schritt-für-Schritt: So trocknest du Filament richtig
Ich beschreib dir jetzt meinen persönlichen Ablauf – das ist kein perfektes Laborprotokoll, sondern das, was bei mir im Alltag funktioniert.
Schritt 1: Gerät vorheizen
Bevor die Rolle rein kommt, heize ich das Dörrgerät oder den Filamenttrockner auf die Zieltemperatur vor. Das dauert je nach Gerät 5–10 Minuten. Warum vorheizen? Weil einige Geräte – besonders günstige Dörrgeräte – eine Weile brauchen, bis sie die Zieltemperatur stabil erreichen. Die Rolle soll von Beginn an in einer gleichmäßigen Temperaturumgebung liegen.
Schritt 2: Rolle vorbereiten
Ich entferne die Rolle nicht von der Spule. Einfach so rein, wie sie ist. Wenn das Gerät einen Deckel hat: Deckel zu. Einige Dörrgeräte haben Gitterstufen – ich leg manchmal ein Backpapier drunter, um kleinere Rollen besser zu zentrieren.
Schritt 3: Timer einstellen
Je nach Material (siehe Tabelle oben) stelle ich den Timer ein. Bei stark feuchten Rollen – also Filament, das wochenlang ohne Schutz gelagert wurde – nehme ich die obere Grenze der Zeitempfehlung. Lieber eine Stunde mehr als nötig als eine Stunde zu wenig.
Schritt 4: Nicht zu früh öffnen
Das klingt trivial, ist aber wichtig: Öffne das Gerät nicht zwischendurch unnötig. Jedes Öffnen bringt feuchte Umgebungsluft ins Gerät. Wenn ich den Status prüfen will, schaue ich kurz auf das Display oder fühle kurz mit dem Finger an der Außenwand – mehr nicht.
Schritt 5: Nach dem Trocknen sofort einlagern oder drucken
Das ist der Fehler, den ich anfangs selbst gemacht hab: Rolle trocknen, danach 20 Minuten auf dem Tisch liegen lassen, während ich die Druckparameter eingestellt hab. Gerade bei PA ist das zu lang.
Direkt nach dem Trocknen kommt die Rolle entweder:
- sofort in den Drucker (bei Filamenttrockner: drin lassen und direkt drucken)
- sofort in eine verschlossene Trockenbox mit frischen Silikagel-Kissen
Schritt 6: Drucken und beobachten
Beim ersten Druck nach dem Trocknen hör ich bewusst auf die Extrusion. Läuft das Material gleichmäßig und leise? Gut. Gibt es noch Knacken oder Blasen? Dann entweder noch länger trocknen, oder die Trockentemperatur leicht erhöhen.
Trockenboxen – die unterschätzte zweite Hälfte des Problems
Trocknen allein löst das Problem nur kurzfristig, wenn du danach das Filament wieder offen lagerst.
Ich nutze seit Jahren einfache, luftdichte Kunststoffboxen – zum Beispiel IKEA SAMLA-Boxen oder spezielle Filamentboxen wie die eSUN eBox oder die Polymaker PolyDryer als Lagerbox. Rein damit kommt frisch getrocknetes Filament, dazu zwei bis drei Silikagel-Päckchen (regenerierbar im Backofen, falls sie gesättigt sind).
Ein Hygrometer in der Box hilft enorm. Du siehst sofort, ob dein Desiccant noch funktioniert oder gewechselt werden muss. Ziel: unter 20 % relative Luftfeuchtigkeit in der Box.
Manche Leute drucken direkt aus der Trockenbox – mit einem kleinen Loch oder einem PTFE-Schlauchauslass. Das ist die sauberste Lösung für empfindliche Materialien.
Troubleshooting: Warum der Druck trotz Trocknen noch schlecht aussieht
Das passiert. Ich hab es selbst erlebt und kenn es aus der Community. Du trocknest die Rolle, druckst, und es sieht immer noch nicht richtig aus. Was dann?
Möglichkeit 1: Das Gerät hat die Zieltemperatur nicht wirklich erreicht.
Billige Dörrgeräte und Öfen sind oft ungenau. Kauf dir ein einfaches Ofenthermometer oder ein Kontaktthermometer. Leg es in die Nähe der Rolle und prüfe, ob die tatsächliche Temperatur stimmt. Ich hab Dörrgeräte erlebt, die bei eingestellten 65°C gerade mal 50°C im Innenraum hatten.
Möglichkeit 2: Die Trocknungszeit war zu kurz.
Bei stark feuchten Rollen – besonders PA oder Rollen, die lange offen gelagert wurden – reichen 4 Stunden manchmal nicht. Mein Tipp: Wenn du unsicher bist, trockne lieber 2–4 Stunden länger. Das Filament nimmt keinen Schaden davon.
Möglichkeit 3: Die Rolle hat nach dem Trocknen wieder Feuchtigkeit aufgenommen.
Wie lang lag sie auf dem Tisch, bevor du angefangen hast zu drucken? Besonders in Räumen mit hoher Luftfeuchtigkeit kann das schnell passieren. Immer direkt nach dem Trocknen einsetzen oder einlagern.
Möglichkeit 4: Das Problem ist kein Feuchtigkeitsproblem.
Das klingt banal, ist aber wichtig: Nicht jeder schlechte Druck liegt an Feuchtigkeit. Wenn du nach dem Trocknen immer noch Probleme hast, prüf Nozzle-Abnutzung, Extruderschlupf, falsche Drucktemperatur oder eine beschädigte Rolle.
Möglichkeit 5: Die Filamentqualität ist einfach schlecht.
Ja, das gibt’s. Günstiges No-Name-Filament mit schwankenden Durchmessern druckt schlecht – unabhängig davon, wie gut du es trocknest. Ich sag das nicht, um Marken zu promoten, sondern weil ich selbst Zeit damit verschwendet hab, minderwertiges Filament zu retten, das nicht zu retten war.
Häufig gemachte Fehler – und wie du sie vermeidest
Fehler 1: Zu hohe Trockentemperatur bei PLA. Ich kenn die Versuchung: schneller trocknen, höher drehen. Nicht machen. PLA beginnt ab etwa 50–55°C, sich zu verformen. Eine verformte Spule kann sich in vielen Direktextrudern nicht mehr gleichmäßig abwickeln. Bleib bei 40–45°C.
Fehler 2: Filament nach dem Trocknen unverpackt auf dem Tisch lassen. Besonders fatal bei PA und PETG. Direkt in die Box oder in den Drucker – keine Pause.
Fehler 3: Dörrgerät ohne Temperaturkontrolle nutzen. Einige sehr günstige Dörrgeräte haben nur ein einfaches Dial ohne verlässliche Temperaturanzeige. Das ist russisches Roulette. Kauf ein Thermometer dazu oder investiere ein paar Euro mehr in ein Gerät mit geregelter Temperatur.
Fehler 4: Desiccant im Trockner nicht erneuern. Die Silikagel-Kissen in der Trockenbox werden mit der Zeit gesättigt. Das siehst du bei Geräten mit Farbindikator – wenn die Kissen von blau nach rosa oder transparent gewechselt haben, sind sie voll. Im Ofen bei 120–150°C für 1–2 Stunden regenerieren, dann wieder einsatzbereit.
Fehler 5: Denken, einmal Trocknen reicht für immer. Es reicht nicht. Feuchtigkeitsaufnahme ist ein kontinuierlicher Prozess. Regelmäßige Lagerung in der Trockenbox und gelegentliches Nachtrocknen vor langen Projekten gehört dazu.
Mein Setup 2026 – was sich bewährt hat
Falls du wissen willst, was bei mir im Alltag wirklich funktioniert:
Ich arbeite mit einem Sunlu S4+ für die aktive Trocknung und den Direktdruck, besonders für PA und PETG bei längeren Projekten. Für PLA und gelegentliche Runs nutze ich noch meinen alten Rommelsbacher-Dörrautomaten – der ist zuverlässig, hat eine gute Temperaturkontrolle und tut nach Jahren noch genau das, was er soll.
Alle Rollen kommen nach dem Trocknen in luftdichte Boxen. Ich hab ein kleines Regal mit zehn bis zwölf Boxen, jede beschriftet, mit frischen Desiccant-Kissen und einem Hygrometer. Das klingt aufwändig, ist aber nach dem ersten Setup reiner Autopilot.
Vor langen Druckjobs – mehrere Stunden oder über Nacht – trockne ich immer kurz vor. Auch bei Rollen, die scheinbar gut gelagert waren. Gerade bei Materialen wie PA oder PETG lohnt das immer.
Nylon drucke ich ausnahmslos direkt aus dem warmen S4+. Das ist kein Luxus, das ist Notwendigkeit – zumindest wenn man zuverlässige Ergebnisse will.
Was wirklich nichts bringt
Ich will kurz ein paar Dinge ansprechen, die in Foren immer wieder auftauchen, aber meiner Erfahrung nach wenig bis nichts bringen:
Mikrowelle. Nein. Filament enthält metallische Spulenkerne (meistens) und die Kunststoffkomponenten erhitzen ungleichmäßig. Das ist experimentell im schlechtesten Sinne.
Reiskocher oder Slow Cooker. Theoretisch möglich mit bestimmten Modellen, aber die Temperaturkontrolle ist katastrophal. Das Risiko, Filament zu beschädigen, ist hoch.
Einfach drucken und hoffen. Der teuerste Weg – weil du nicht nur schlechte Drucke produzierst, sondern dabei auch noch Zeit und Material verschwendest.
Fazit – was ich mir damals gewünscht hätte zu wissen
Feuchtes Filament war für mich einer der frustrierendsten Einstiege ins FDM-Drucken. Nicht weil das Problem so schwer zu lösen ist, sondern weil es so lange dauert, bis man überhaupt versteht, dass man ein Problem hat.
Wenn ich heute jemandem, der neu anfängt, einen einzigen Tipp geben müsste: Investiere früh in eine Trockenbox und ein günstiges Dörrgerät oder einen Filamenttrockner. Das ist die Investition, die dir die meisten verschwendeten Druckstunden spart.
Für PLA und PETG reicht ein einfaches Setup. Für PA und technische Filamente solltest du nicht sparen.
Und wenn dein nächster Druck Geräusche macht, die nicht da sein sollten: Du weißt jetzt, was zu tun ist.
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Feuchtes Filament ist einer der häufigsten und am meisten unterschätzten Fehler beim FDM-3D-Druck. Knacken, Stringing und poröse Schichten – oft steckt kein Einstellungsproblem dahinter, sondern schlicht Feuchtigkeit im Material. In diesem Ratgeber erkläre ich aus eigener Erfahrung, wie du Filament Feuchtigkeit erkennst, welche Trocknungsmethode für dein Material die richtige ist und welche konkreten Temperaturen für PLA, PETG, PA und TPU gelten. Inklusive ehrlichem Vergleich: Filamenttrockner vs. Dörrgerät.
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