Ein Gerät, fünf Laserquellen, Galvo-Tempo auf voller Fläche: Mit dem xTool X1 kommt der All-in-One-Laser, auf den viele Werkstätten seit Jahren warten. Die Deposit-Phase startet Ende September, der Verkaufsstart in Deutschland ist für Ende Oktober 2026 geplant. Ich habe die Pressemitteilung gelesen – und ehrlich gesagt selten so viel Lust gehabt, ein Gerät in echt zu sehen.
Transparenzhinweis: Alle technischen Angaben, Zahlen und Termine in diesem Beitrag stammen ausschließlich aus der offiziellen Pressemitteilung von xTool vom 28. August 2026. Ich hatte den xTool X1 noch nicht selbst in der Hand – das hier ist eine Einordnung der Ankündigung, kein Testbericht. Wo ich technisches Hintergrundwissen ergänze, sage ich das ausdrücklich dazu. Der Beitrag ist unbezahlt und unbeauftragt entstanden.

xTool X1: Das Wichtigste auf einen Blick
- Konzept: All-in-One-Laserplattform der nächsten Generation – Gravieren, Schneiden, Markieren in einem System
- Serienausstattung: 55-W-CO₂-Laserkopf plus Galvo-Kopf mit integriertem 20-W-Diodenlaser
- Erweiterbar um: 30-W-Faserlaser, 60-W-MOPA-Laser, 5-W-UV-Laser – weitere Lasertechnologien sind angekündigt
- Geschwindigkeit: bis zu 6.000 mm/s über den gesamten Arbeitsbereich („Flying Galvo“)
- Kinematik: Hybrid Motion™ – koordiniertes Vier-Achs-System aus Gantry-Bewegung und Galvo-Scanning
- Rahmen: UniCast Frame aus drei Druckgussstrukturen, gefertigt im 4.000-Tonnen-Hochdruck-Druckguss
- Termine: Deposit-Phase ab Ende September 2026, Marktstart Deutschland Ende Oktober 2026
- Live zu sehen: IFA Berlin, Halle 20, Stand 127
Warum der xTool X1 ein echter Schritt nach vorn ist
Wer ernsthaft mit Lasern arbeitet, kennt das Problem, das xTool in der Pressemitteilung beschreibt – und zwar meistens als Regalproblem. Für schnelle, feine Gravuren braucht man ein Galvo-System. Für große Formate eine Gantry-Maschine, die den Kopf über die Fläche fährt. Und für unterschiedliche Materialien unterschiedliche Wellenlängen: Diode für Holz und Leder, CO₂ für Acryl, Faser oder MOPA für Metall, UV für empfindliche Kunststoffe und Glas.
Am Ende steht in vielen kleinen Werkstätten ein Maschinenpark statt einer Maschine. Mehr Stellfläche, mehr Absaugung, mehr Kapital, mehr Software-Workflows – und mit jedem zusätzlichen Gerät wächst die Hürde, ein neues Produkt einfach mal auszuprobieren.
Der X1 dreht diese Logik um. Statt für jede Aufgabe ein Spezialgerät zu kaufen, wächst hier eine Plattform mit dem, was man vorhat. Das ist keine Marketing-Pirouette, sondern eine ziemlich präzise Antwort auf die Zielgruppe, die xTool selbst benennt: ambitionierte Maker, Laser-Fans und die wachsende Zahl an Online-Händlern auf Plattformen wie Etsy und Shopify. Also genau die Leute, bei denen aus einem Hobby gerade ein kleines Fertigungsgeschäft wird.
Hybrid Motion™: Wie schafft der X1 6.000 mm/s auf großer Fläche?
Das ist die Frage, die mich beim Lesen zuerst gepackt hat – und die Antwort ist elegant. Hybrid Motion™ kombiniert die klassische Portalbewegung eines Gantry-Systems mit dem blitzschnellen Scanning eines Galvo-Lasers, zusammengeführt in einem koordinierten Vier-Achs-Bewegungssystem.
Kurz zur Einordnung, falls die Begriffe neu sind – das ist mein technischer Hintergrund, nicht Teil der Pressemitteilung: Ein Galvo-Laser lenkt den Strahl über zwei winzige, extrem schnell kippende Spiegel ab. Irrsinnig schnell, aber das Sichtfeld ist durch die Optik begrenzt, klassischerweise ein Feld von wenigen Zentimetern Kantenlänge. Ein Gantry-System fährt den Laserkopf mechanisch über die Fläche: langsamer, dafür beliebig groß.
Bislang musste man sich entscheiden. Der X1 setzt den Galvo-Kopf auf das bewegte Portal – das „Flying Galvo“-Prinzip. Der Galvo scannt sein Feld, während das Portal ihn über die Arbeitsfläche trägt. Das Tempo bleibt damit nicht auf ein kleines Feld beschränkt, sondern steht laut xTool mit bis zu 6.000 mm/s über den gesamten Arbeitsbereich zur Verfügung.
Was das praktisch bedeutet: Eine großflächige Fotogravur, für die eine reine Gantry-Maschine eine halbe Ewigkeit braucht, rückt in einen Zeitrahmen, in dem sich Kleinserien rechnen. Und das Schneiden übernimmt im selben Gerät der 55-W-CO₂-Kopf. Schnelle Gravur und sauberer Schnitt, ohne das Werkstück umzuspannen – genau da liegt für mich der eigentliche Alltagsgewinn.
Laser Swap™: Welche Laser stecken im xTool X1 – und was lässt sich nachrüsten?
Serienmäßig arbeiten zwei Laserquellen im X1: der 55-W-CO₂-Laserkopf und ein Galvo-Kopf mit integriertem 20-W-Diodenlaser. Damit ist die Maschine ab Werk schon für das meiste gerüstet, was in einer Kreativwerkstatt auf dem Tisch landet – Holz, Acryl, Leder, Papier, Karton, Textilien.
Richtig spannend wird es mit Laser Swap™. Verschiedene Laserquellen nutzen laut xTool einen gemeinsamen Strahlengang und einen zentralen Galvo-Kopf. Nachrüstbar sind:
- 30-W-Faserlaser – der Klassiker für dauerhafte Metallmarkierung
- 60-W-MOPA-Laser – variable Pulsdauer, unter anderem für Farbgravur auf Edelstahl und für eloxiertes Aluminium
- 5-W-UV-Laser – „kalte“ Bearbeitung für empfindliche Materialien wie Glas oder bestimmte Kunststoffe
Die Anwendungsbeispiele in dieser Liste sind meine Ergänzung aus der allgemeinen Lasertechnik – die Pressemitteilung nennt die Wattzahlen und Lasertypen, keine Materiallisten pro Modul. Weitere Lasertechnologien sollen künftig folgen, die Plattform ist also bewusst nach oben offen gebaut.
Der wirtschaftliche Charme dahinter ist beträchtlich: Ein wachsendes Kleinunternehmen kann sein Materialspektrum schrittweise ausbauen, ohne zusätzliche Maschinen anzuschaffen und ohne zwischen verschiedenen Software-Workflows zu springen. Wer heute Holzschilder graviert und in einem halben Jahr Edelstahl-Werkzeuge markieren will, kauft ein Modul statt einer zweiten Maschine. Das senkt die Einstiegshürde für neue Produktideen ganz erheblich – und das ist meiner Erfahrung nach der Punkt, an dem kleine Shops wirklich wachsen.
UniCast Frame: Warum der Rahmen die unterschätzte Stärke ist
Wer schnell fährt, muss steif bauen. Zwei bewegte Strahlengänge und ein Vier-Achs-System erzeugen dynamische Lasten, die ein zusammengeschraubter Blechrahmen früher oder später mit Vibrationen quittiert – und Vibration heißt bei einem Laser: unsaubere Kante, versetzte Gravur.
xTool geht deshalb einen Weg, den man sonst aus dem Automobilbau kennt: Der UniCast Frame entsteht in einem 4.000-Tonnen-Hochdruck-Druckgussverfahren aus einer Aluminiumlegierung in Automobilqualität. Die Konstruktion ersetzt fast 100 herkömmlich montierte Einzelteile und mehr als 268 Schrauben durch lediglich drei monolithische Druckgussstrukturen. Das minimiert Montagetoleranzen und sorgt laut Hersteller für langfristige Präzision, thermische Stabilität und hohe Belastbarkeit im kontinuierlichen professionellen Einsatz.
Das ist der Absatz, bei dem ich als jemand, die schon mehr als eine Maschine nachjustiert hat, kurz still genickt habe. Jede Schraube ist eine Toleranzquelle, und jede Toleranz zeigt sich irgendwann als Versatz in der Gravur. Weniger Fügestellen bedeutet weniger Drift über die Zeit – und bei einem Gerät, das im Dauerbetrieb Geld verdienen soll, ist das kein Detail, sondern die Grundlage für alles andere. Dass hier nicht am Fundament gespart wurde, spricht für den Anspruch des Gesamtpakets.
Was kostet der xTool X1 und wann kommt er?
Der Zeitplan steht, der Preis noch nicht. Konkret nennt xTool folgende Termine:
- 4. bis 8. September 2026: live erlebbar auf der IFA in Berlin, Halle 20, Stand 127
- Ende September 2026: Start der Deposit-Phase für Reservierungen
- Ende Oktober 2026: offizieller Verkaufsstart in Deutschland
Zum Preis des xTool X1 gibt es aktuell noch keine Angabe – die Pressemitteilung schließt mit dem Hinweis, dass Informationen zu Verfügbarkeit und Preisen in Kürze folgen. Dasselbe gilt für die Kosten der einzelnen Lasermodule. Wer also eine konkrete Zahl sucht: Die kommt, aber sie kommt erst. Alles, was bis dahin kursiert, ist Spekulation.
Mein Tipp für die Deposit-Phase: Wenn ihr ohnehin mit dem Gedanken spielt, lohnt es sich, die Reservierung im Blick zu behalten – bei Launches dieser Größenordnung sind die frühen Kontingente erfahrungsgemäß schnell weg. Werft trotzdem vorher einen Blick auf die Rücktritts- und Erstattungsbedingungen. Nicht, weil ich etwas befürchte, sondern weil man das bei jeder Anzahlung so machen sollte.
Wo wurde der X1 vorgestellt – und wie stark ist xTool gerade?
Seine Premiere feierte der X1 auf dem ersten SME Summit von xTool in den USA, einer Veranstaltung für Branchenexperten, Kreativschaffende und Kleinunternehmer. Bemerkenswert daran: xTool stellte dort nicht nur Hardware in den Mittelpunkt, sondern erstmals das eigene Connected Creation Ecosystem – also die Frage, wie Kreative und kleine Unternehmen ihre Produktion tatsächlich skalieren.
Eröffnet wurde der Summit mit einer Keynote von Stein, General Manager von xTool USA. Er verwies unter anderem auf den Erfolg des kürzlich eingeführten O1 Omni Printer: über 6.000 verkaufte Geräte am ersten Verkaufstag bei über 20 Millionen US-Dollar Umsatz. Das sind Angaben des Unternehmens – aber sie zeigen, aus welcher Position heraus xTool den X1 startet. Ein Hersteller mit dieser Nachfrage hat die Mittel, eine so ambitionierte Plattform auch langfristig mit Modulen, Software und Support zu begleiten. Für ein System, das ausdrücklich auf Erweiterbarkeit ausgelegt ist, ist genau das die halbe Miete.
Für wen lohnt sich der xTool X1?
Aus dem, was die Pressemitteilung beschreibt, zeichnet sich ein ziemlich klares Bild ab. Besonders interessant wird der X1 für:
- Etsy- und Shopify-Händler, die ihr Sortiment erweitern wollen, ohne jedes Mal in eine neue Maschine zu investieren
- Makerspaces und Werkstätten, in denen Stellfläche und Absaugung knapp sind und ein Gerät mehrere ersetzen soll
- Ambitionierte Maker, die vom Diodenlaser kommen und den Sprung zu Metall, Acryl und Glas machen wollen
- Kleinserienfertiger, für die Durchsatz und Wiederholgenauigkeit direkt auf die Marge einzahlen
Die konkreten Angaben zu Arbeitsfläche in Millimetern, Schnittstärken und Materiallisten liefert xTool mit den vollständigen Spezifikationen nach – hier lohnt es sich, bis zur Deposit-Phase noch einmal genau hinzuschauen. Ich aktualisiere diesen Beitrag, sobald die Zahlen vorliegen.
Mein Fazit: Die spannendste Laser-Ankündigung des Jahres
Ich sehe viele Produktankündigungen, und die meisten sind ein Update von etwas, das es schon gab. Der xTool X1 ist etwas anderes: Hier wird nicht ein Laser schneller gemacht, sondern die Grundarchitektur neu gedacht. Ein Galvo-Kopf auf einem Portal, fünf mögliche Laserquellen an einem gemeinsamen Strahlengang, ein Rahmen aus dem Druckguss – jedes dieser drei Elemente allein wäre eine Meldung wert. Zusammen ergeben sie eine Maschine, die mit ihren Nutzern mitwachsen kann, statt sie nach einem Jahr auszubremsen.
Genau das ist die Vision, die xTool formuliert: technische Hürden abbauen, damit mehr Ideen tatsächlich gebaut werden. Nach allem, was in der Pressemitteilung steht, ist der X1 der bislang konsequenteste Schritt in diese Richtung – und die erste All-in-One-Maschine seit Langem, bei der ich das Gefühl habe, dass „All-in-One“ mehr ist als ein Wort auf dem Karton.
