Das Video ruckelt immer dann, wenn in der Küche die Reste von gestern warm werden. Das ist kein Zufall und kein Defekt deines Routers, sondern Physik.
Mikrowelle und WLAN teilen sich dasselbe Band

Haushaltsmikrowellen arbeiten bei etwa 2,45 GHz – laut Wikipedia zum ISM-Band genau bei 2.455 MHz. Das liegt mitten im 2,4-GHz-WLAN, das die Kanäle 1 bis 13 in diesem Bereich unterbringt. Die Abschirmung eines Geräts muss die Strahlung nicht auf Null drücken, sondern nur weit genug, um die Grenzwerte einzuhalten. Was durchkommt, hat gegenüber deinem Router aber trotzdem ein brutales Leistungsverhältnis: 800 Watt gegen ein Zehntel Watt.
Dazu kommt, dass der Magnetron nicht dauerhaft läuft. Bei niedriger Leistungsstufe schaltet er im Sekundenrhythmus ein und aus. Für dein WLAN heißt das: kein konstanter Störteppich, sondern Aussetzer im Takt. Genau die Sorte Fehler, die man beim Testen nie reproduziert, weil die Mikrowelle während der Fehlersuche aus ist.
Was wirklich hilft
- Geräte, die es können, aufs 5-GHz-Band zwingen. Dort ist die Mikrowelle kein Thema. Wie sich die beiden Bänder unterscheiden, steht im Artikel 2,4 GHz vs. 5 GHz WLAN.
- Im 2,4-GHz-Band auf Kanal 1 oder 13 ausweichen. Die Störung sitzt breit in der Bandmitte, die Ränder bekommen weniger ab.
- Router und Mikrowelle nicht in Sichtlinie stellen. Ein Meter mehr Abstand und eine Wand dazwischen bringen oft mehr als jede Einstellung.
- Geräte, die zwingend 2,4 GHz brauchen – Smart-Steckdosen, Zigbee-Gateways, ältere Kameras – nicht ausgerechnet neben die Küche hängen.
Pro-Tipp: Bevor du irgendetwas umstellst, mach den Beweis. Starte einen Dauerping auf den Router und schalte die Mikrowelle für 30 Sekunden ein:
ping -t 192.168.178.1 # Windows
ping 192.168.178.1 # Linux/macOSSpringen die Antwortzeiten von 3 ms auf 300 ms oder kommen Timeouts im Sekundentakt, hast du deinen Täter. Bleibt die Kurve flach, liegt das Problem woanders und du hast dir eine unnötige Kanaländerung gespart.
Wann die Mikrowelle unschuldig ist
Nicht jeder Aussetzer im 2,4-GHz-Band kommt aus der Küche. Bluetooth-Kopfhörer, Babyphones, Funk-Türklingeln und die WLANs der Nachbarn sitzen im selben Bereich. Und manchmal ist es noch banaler: Körper dämpfen Funk messbar, weshalb ein voller Raum das Signal schwächer macht – dazu gibt es hier den Beitrag WLAN kann durch Menschen gestört werden.
Die Mikrowelle bleibt aber der Klassiker, weil sie so eindeutig korreliert. Wenn deine Verbindung reproduzierbar genau zwei Minuten lang schlecht ist und danach wieder läuft, musst du nicht lange suchen.
Ein Punkt noch, der gern falsch verstanden wird: Ein stärkerer Router hilft hier nicht. Das Problem ist nicht dein Sendepegel, sondern das Signal-Rausch-Verhältnis am Empfänger. Gegen 800 Watt gewinnt kein Mesh-System, und ein Repeater in der Küche verschlimmert die Lage sogar, weil er die gestörten Pakete weiterreicht.
Richtig investiert ist das Geld deshalb anders: ein Router mit zwei getrennt konfigurierbaren Funknetzen, damit du die Bänder gezielt verteilen kannst – und, wo es wirklich stabil sein muss, ein Kabel. Die zwanzig Euro für eine Flachleitung unter der Fußleiste sind die beste WLAN-Optimierung überhaupt.
