Großbritannien reformiert seit dem Weißbuch „High Stakes: Gambling Reform for the Digital Age“ vom April 2023 schrittweise sein Glücksspielrecht. Im Fokus stehen neben dem Onlinebereich auch die landbasierten Spielautomaten. Die Geräte der Kategorie B gehören zu den umsatzstärksten Segmenten in Spielhallen, Wettbüros und Casinos. Das Ministerium für Kultur, Medien und Sport (DCMS) legt den rechtlichen Rahmen fest. Die Gambling Commission (UKGC) setzt ihn über technische Standards und Lizenzauflagen in die Praxis um. Auch für deutsche Beobachter ist die Entwicklung aufschlussreich, da hierzulande ebenfalls über Spielerschutz an Automaten diskutiert wird.
Warum die Kategorie B im britischen Glücksspielrecht zählt

Der Gambling Act 2005 teilt Spielautomaten in die Kategorien A bis D ein. Die Einteilung richtet sich nach dem maximalen Einsatz, dem Höchstgewinn und dem zulässigen Aufstellort. Kategorie A ist bislang nur theoretisch vorgesehen, da es keine Regionalcasinos gibt. Damit bildet die Kategorie B die Gruppe mit den höchsten tatsächlich erlaubten Einsätzen. Besonders bekannt wurden die B2-Geräte in Wettbüros, die sogenannten Fixed Odds Betting Terminals. Bis April 2019 erlaubten sie Einsätze von bis zu 100 Pfund pro Spiel. Nach jahrelanger Kritik senkte die Regierung diesen Wert auf 2 Pfund. Dieser Einschnitt prägt bis heute die Debatte über Automatenregulierung im Vereinigten Königreich.
Einsatz- und Gewinngrenzen der einzelnen Unterkategorien
Innerhalb der Kategorie B gibt es mehrere Unterkategorien mit eigenen Grenzwerten. Die Unterschiede ergeben sich vor allem aus dem Aufstellort. Casinos dürfen höhere Einsätze anbieten als Spielhallen oder Vereinslokale.
| Unterkategorie | Max. Einsatz | Max. Gewinn | Typischer Aufstellort |
| B1 | 5 £ | 10.000 £ (20.000 £ bei verbundenem Jackpot) | Casinos |
| B2 | 2 £ | 500 £ | Wettbüros, Casinos |
| B3 | 2 £ | 500 £ | Spielhallen, Bingohallen, Wettbüros |
| B3A | 2 £ | 500 £ | Mitgliederclubs |
| B4 | 2 £ | 400 £ | Clubs, Spielhallen, Bingohallen |
Diese Grenzwerte bleiben durch die aktuelle Reform weitgehend unverändert. Neu geregelt werden vielmehr die Anzahl der Geräte und die Art der Bezahlung.
Neue Gerätequoten für Spielhallen, Bingohallen und Casinos
Bisher galt in Spielhallen für Erwachsene (Adult Gaming Centres) und Bingohallen die sogenannte 80/20-Regel. Mindestens 80 Prozent der Automaten mussten den niedrigeren Kategorien C oder D angehören. Höchstens 20 Prozent durften Geräte der Kategorie B sein. Die Regierung hat nach ihrer Konsultation entschieden, dieses Verhältnis auf 50:50 zu ändern. Betreiber können damit deutlich mehr Kategorie-B-Geräte aufstellen. Die Branche hatte argumentiert, dass die alte Quote viele ungenutzte Niedrigeinsatzgeräte erzwinge.
Auch für Casinos gibt es Lockerungen. Casinos mit einer Lizenz nach dem älteren Gaming Act 1968 waren bisher auf 20 Automaten beschränkt. Erfüllen sie bestimmte Mindestanforderungen an die Spielfläche, sollen sie künftig bis zu 80 Geräte betreiben dürfen. Damit nähert sich ihr Rahmen dem der kleinen Casinos nach dem Gesetz von 2005 an. Kritiker befürchten mehr Spielanreize, während Betreiber auf die wirtschaftliche Bedeutung landbasierter Standorte verweisen.
Bargeldlose Zahlungen direkt am Gerät mit Schutzauflagen
Ein zentraler Punkt betrifft die Bezahlung. Bislang war es nicht erlaubt, Debitkarten direkt am Automaten einzusetzen. Spieler mussten Bargeld nutzen oder an separaten Geräten Guthaben erwerben. Die Regierung hat beschlossen, kontaktlose und bargeldlose Zahlungen grundsätzlich zuzulassen. Gleichzeitig sollen technische Standards der Gambling Commission verhindern, dass die bequemere Bezahlung zu unkontrolliertem Spiel führt.
Im Mittelpunkt der geplanten Schutzmechanismen stehen folgende Grundsätze:
- Das seit April 2020 geltende Verbot von Kreditkarten für Glücksspiel bleibt bestehen.
- Jede Zahlung muss vom Spieler aktiv ausgelöst und bestätigt werden.
- Automatische Nachladungen des Guthabens sind ausgeschlossen.
- Spieler sollen Informationen zu Spieldauer und Ausgaben erhalten.
- Die bestehenden Einsatz- und Gewinngrenzen gelten unverändert weiter.
Auch Anbieter mit Fokus auf andere Märkte verfolgen solche Entwicklungen aufmerksam. Plattformen wie NVCasino Deutschland bewegen sich in einem eigenen Rechtsrahmen, doch britische Standards gelten international oft als Referenz für Spielerschutz.
Vergleich mit den Regeln für Spielautomaten in Deutschland
In Deutschland unterliegen Geldspielgeräte in Spielhallen und Gaststätten der Spielverordnung (SpielV). Die Vorgaben sind deutlich strenger als die britischen Werte für Kategorie B. Der Höchsteinsatz liegt bei 20 Cent pro Spiel, der Höchstgewinn bei 2 Euro. Ein Spiel muss mindestens fünf Sekunden dauern. Der Verlust pro Stunde ist auf 60 Euro begrenzt, der Gewinn auf 400 Euro. Zudem darf eine Spielhalle höchstens zwölf Geräte aufstellen, in Gaststätten sind maximal zwei erlaubt. Seit 2018 lassen sich die Geräte nur mit einer gerätegebundenen Spielerkarte bedienen. Nach einer Stunde Spielbetrieb muss außerdem eine Pause von fünf Minuten eingelegt werden. Gerade bei der Geräteanzahl zeigt sich der Unterschied zur britischen Lockerung.
Für virtuelle Automatenspiele im Internet gilt seit dem Glücksspielstaatsvertrag 2021 ein Höchsteinsatz von 1 Euro pro Spin. Hinzu kommen eine Mindestspieldauer von fünf Sekunden und ein anbieterübergreifendes Einzahlungslimit von grundsätzlich 1.000 Euro im Monat. Großbritannien hat erst im Jahr 2025 vergleichbare Grenzen für Online-Slots eingeführt. Seit April 2025 gilt dort ein Höchsteinsatz von 5 Pfund, für 18- bis 24-Jährige seit Mai 2025 von 2 Pfund. Beide Länder setzen also auf Einsatzlimits, kombinieren sie aber unterschiedlich mit Liberalisierungen.
Was die Reform für Betreiber und Spieler bedeutet
Die neuen Vorgaben verbinden wirtschaftliche Entlastung mit zusätzlichen Schutzpflichten. Betreiber erhalten durch die 50:50-Quote und die höheren Gerätezahlen für ältere Casinos mehr Spielraum. Bargeldlose Zahlungen modernisieren den Spielbetrieb, sind jedoch an klare technische Auflagen gebunden. Die Einsatz- und Gewinngrenzen der Kategorie B bleiben stabil und sichern einen Kernbestand an Spielerschutz. Entscheidend wird sein, wie konsequent die Gambling Commission die Umsetzung überwacht. Wer die Entwicklung weiterverfolgen möchte, findet in den Veröffentlichungen von DCMS und UKGC die jeweils aktuellen Fristen und technischen Details.
