Die Mail kam an einem Dienstag: Speicher fast voll, Upgrade empfohlen. 15 Gigabyte kostenlos, darüber hinaus ein Abo. Bei mir ging es um knapp 400 Gigabyte Fotos und Videos aus elf Jahren – also um einen Betrag, den ich für den Rest meines Lebens zahlen würde, damit meine Bilder bei einem Unternehmen liegen, dessen Bedingungen ich nicht verhandeln kann. An dem Abend habe ich angefangen, das Thema anders zu lösen.

Ein Jahr später liegt die komplette Bibliothek auf einem kleinen Server im Hauswirtschaftsraum, die Handys laden automatisch hoch, und die Suche nach „Hund am Strand“ findet die richtigen Bilder. Es war nicht schwierig, aber es gab drei Stellen, an denen es hätte schiefgehen können – und genau darum geht es in diesem Text.

Smartphone Fotografie - phoneographie

Was du wirklich ersetzen musst

Bevor du irgendeine Software installierst, lohnt eine Minute Nachdenken darüber, was du eigentlich nutzt. Ein Fotodienst ist nämlich mehrere Dinge auf einmal:

  • Automatische Sicherung vom Handy. Die wichtigste Funktion, und die, bei der jede Lösung scheitert, die man manuell anstoßen muss.
  • Ein Betrachter mit Zeitachse, der auf Handy, Tablet und im Browser funktioniert.
  • Suche – nach Datum, Ort, Person und zunehmend nach Bildinhalt.
  • Teilen, mit Familie und mit Leuten, die selbst keinen Zugang zu deinem System haben.
  • Speicherplatz freigeben auf dem Handy, ohne die Bilder zu verlieren.

Wer nur die Sicherung braucht, ist mit einem Ordner auf einem NAS fertig. Wer die Suche und das Teilen ersetzen will, braucht eine echte Anwendung. Diese Unterscheidung bestimmt, welcher der folgenden Wege passt.

Die vier Wege, sortiert nach Aufwand

1. Ordner auf dem NAS plus Synchronisation. Die Handys laden per App in einen Ordner, der Rest ist Dateiverwaltung. Unschlagbar robust, weil nichts in einer Datenbank liegt, und in einer halben Stunde eingerichtet. Komfort: nahe null – keine Gesichtserkennung, keine Zeitachse, kein Teilen.

2. Die Foto-App des NAS-Herstellers. Synology und QNAP bringen eigene Lösungen mit, die Gesichter und Objekte lokal erkennen und Apps für beide Plattformen haben. Der große Vorteil: Es ist fertig, es wird gepflegt, und es gibt Support. Der Nachteil: Du bindest dich an einen Hersteller, dessen Modellpolitik du nicht beeinflusst.

3. Immich. Das ist die Lösung, die Google Fotos am nächsten kommt – eine quelloffene Anwendung mit Apps für Android und iOS, automatischem Hintergrund-Upload, Zeitachse, Alben, Gesichtserkennung und einer Suche, die auch Bildinhalte findet, ohne dass dafür etwas das Haus verlässt. Die Erkennung läuft auf dem eigenen Server. Dafür muss man wissen, dass das Projekt sich schnell entwickelt und Aktualisierungen gelegentlich Eingriffe erfordern – wer Updates nur mit einem Klick machen will, ist bei Variante 2 besser aufgestellt.

4. Nextcloud mit Foto-Erweiterung oder PhotoPrism. Sinnvoll, wenn du Nextcloud sowieso betreibst und Fotos als einen Teil davon sehen willst. Beim Komfort auf dem Handy liegt Immich vorn, bei der Integration in eine bestehende Dateiwelt Nextcloud.

Ich habe mich für Immich entschieden und bei der Gelegenheit gemerkt, dass der Unterbau die eigentliche Entscheidung ist – nicht die App.

Die Hardware: wo die meisten zu klein planen

Eine Fotobibliothek ist anspruchsvoller als ein Dateiserver, weil beim Import gerechnet wird: Vorschaubilder in mehreren Größen, Videotranskodierung, Gesichts- und Objekterkennung. Das passiert einmal pro Bild und danach selten – aber dieses eine Mal betrifft beim Erstimport zehn Jahre Material.

Was ich empfehlen würde: ein Mini-PC oder ein NAS mit x86-Prozessor und mindestens 8 Gigabyte Arbeitsspeicher, besser 16. Ein Einplatinenrechner funktioniert für die Sicherung, aber der Erstimport von 50.000 Bildern dauert dort Tage statt Stunden. Die Datenbank und die Vorschaubilder gehören auf eine SSD, die Originale können auf eine Festplatte – das ist der Aufbau mit dem besten Verhältnis von Kosten zu Reaktionszeit. Welche Gerätekategorie zu welchem Vorhaben passt, ist im Beitrag Mini-Server zuhause aufgeschlüsselt, und wer noch gar keinen Server betreibt, findet den Weg dorthin im Einstieg ins Self-Hosting.

Zum Speicherplatz eine realistische Rechnung: Ein aktuelles Handy produziert pro Jahr grob 20 bis 60 Gigabyte, Videos machen davon den Großteil aus. Für eine Familie mit drei Geräten und zehn Jahren Rückblick plane ich das Vierfache des heutigen Bestands ein – und rechne die Vorschaubilder dazu, die bei Immich je nach Einstellung deutlich Platz brauchen. Zwei Terabyte sind der sinnvolle Einstieg, vier die entspannte Variante.

Und ein Satz, der in jeden solchen Text gehört: RAID ist kein Backup. Eine Spiegelung schützt gegen den Ausfall einer Platte, nicht gegen Löschen, Verschlüsselung oder einen Blitzschlag. Die Grundlagen dazu stehen im Beitrag NAS oder Cloud.

Der Umzug: hier sitzen die Fallen

Den Bestand aus Google Fotos bekommst du über Google Takeout – als Serie von Archivdateien, die man einzeln herunterlädt. Das ist der unangenehmste Teil des ganzen Projekts, und zwar aus einem Grund, den man vorher wissen sollte: Die Metadaten liegen nicht in den Bildern, sondern in separaten JSON-Dateien daneben.

Praktisch heißt das: Wer die Bilder einfach aus dem Archiv kopiert, verliert bei einem Teil der Dateien das Aufnahmedatum, die Geokoordinaten und die Albumzuordnung – und hat dann eine Bibliothek, in der tausende Fotos auf das Downloaddatum datiert sind. Die Lösung sind kleine Hilfsprogramme, die vor dem Import die JSON-Daten in die Bilddateien zurückschreiben. Dieser Schritt dauert eine Stunde und entscheidet darüber, ob die Zeitachse danach stimmt.

Weitere Punkte, die ich mir notiert habe:

  • Vor dem Export aufräumen. Alles, was im Papierkorb liegt oder offensichtlich Müll ist, nicht mit umziehen.
  • Bewegte Fotos und Live Photos kommen als Bild plus kurzes Video. Entscheide vorher, ob du sie behalten willst – sie verdoppeln die Dateianzahl.
  • HEIC-Dateien von iPhones werden von allen genannten Lösungen unterstützt, aber nicht von jedem Betrachter auf jedem Gerät. Konvertieren ist möglich, kostet aber Qualität – ich habe die Originale behalten.
  • Duplikate einplanen. Nach einem Takeout-Import gibt es sie garantiert; Immich hat eine Erkennung dafür, die man einmal durchlaufen lässt.
  • Den Altdienst nicht sofort löschen. Lass die Bibliothek drei Monate parallel stehen. Erst wenn du dein System im Alltag genutzt und ein Backup getestet hast, kündigst du das Abo.

Der letzte Punkt ist der wichtigste. Ein Umzug, bei dem die alte Kopie noch existiert, ist ein Experiment. Einer, bei dem sie gelöscht ist, ist ein Risiko.

Betrieb: Container, Updates, Zugriff

Technisch läuft Immich wie die meisten dieser Anwendungen als Verbund mehrerer Container: Anwendung, Datenbank, Caching, Erkennungsdienst. Das klingt nach mehr, als es ist – man beschreibt den Verbund in einer einzigen Datei und startet ihn mit einem Befehl. Wenn du damit noch nie gearbeitet hast, sind die Docker-Grundlagen der passende Einstieg, und wie man mehrere Dienste dauerhaft sauber betreibt, zeigt der Beitrag zu Docker Compose.

Drei Betriebsregeln, die ich mir angewöhnt habe:

Versionen festnageln, nicht blind aktualisieren. Wer in der Konfiguration „latest“ stehen lässt, holt sich beim nächsten Neustart eine neue Hauptversion – inklusive möglicher Datenbankmigration. Eine feste Version und ein geplantes Update alle paar Wochen, mit einem Blick in die Änderungshinweise, erspart die unangenehmen Abende.

Die Datenbank gehört ins Backup, nicht nur die Bilder. Die Originale liegen als Dateien im Dateisystem und sind damit auch ohne die Anwendung lesbar – das ist beruhigend. Alben, Gesichter, Tags und Freigaben stecken aber in der Datenbank. Ohne deren Sicherung hast du nach einem Ausfall alle Fotos und keine Struktur.

Von außen nur per VPN. Das ist der Punkt, bei dem ich unnachgiebig bin. Eine Fotobibliothek ist das intimste Datenpaket im ganzen Haushalt, und ein Dienst, der per Portweiterleitung im Internet steht, wird gefunden – nicht weil jemand dich sucht, sondern weil der gesamte Adressraum permanent automatisiert gescannt wird. Der richtige Weg ist ein Tunnel ins eigene Netz, wie im Beitrag zum Fernzugriff per WireGuard beschrieben. Was am Router dafür vorbereitet sein muss, steht in der Checkliste zum Absichern des Routers.

Wer Fotos mit Verwandten teilen will, die kein VPN einrichten werden, löst das über zeitlich begrenzte Freigabelinks – und wenn die von außen erreichbar sein müssen, dann über einen vorgeschalteten Reverse Proxy mit HTTPS und starker Anmeldung, nicht über einen offenen Port auf die Anwendung selbst.

Das Backup ist der eigentliche Unterschied

Bei Google lag meine Bibliothek in Rechenzentren mit Redundanz, von der ich nichts wusste und nichts wissen musste. Diese Verantwortung übernimmst du mit dem Umzug – und das ist der einzige echte Nachteil des ganzen Vorhabens.

Mein Aufbau folgt dem Muster aus dem Beitrag zur 3-2-1-Backup-Regel: Die Bibliothek liegt auf dem Server, eine automatische Sicherung läuft nachts auf eine externe Festplatte, und eine verschlüsselte Kopie liegt bei einem Anbieter außerhalb des Hauses. Für den letzten Teil zahle ich ein paar Euro im Monat – also einen Bruchteil des Fotoabos, und für eine Kopie, die niemand außer mir lesen kann.

Dazu zwei Termine im Kalender: einmal im Quartal eine Wiederherstellung eines einzelnen Albums aus dem Backup – nicht um das Backup zu prüfen, sondern um zu prüfen, ob ich den Weg noch kenne. Und zweimal im Jahr ein Blick auf die Gesundheitswerte der Datenträger, wie im Beitrag zum Prüfen der SSD-Gesundheit beschrieben. Festplatten in einem Fotoserver laufen jahrelang unbeachtet, und ihre Ausfälle kündigen sich in den Werten an.

Was es kostet und was es bringt

Die ehrliche Rechnung: Ein gebrauchter Mini-PC mit SSD und zwei Festplatten liegt bei 250 bis 450 Euro. Der Stromverbrauch eines solchen Geräts bewegt sich im Dauerbetrieb bei 10 bis 20 Watt, das sind etwa 30 bis 60 Euro im Jahr. Dazu die verschlüsselte Auslagerung für wenige Euro monatlich. Gegenüber einem Speicherabo für eine Familie rechnet sich das nach zwei bis drei Jahren – nicht nach zwei Monaten, und wer es als Sparmaßnahme verkauft, redet sich etwas ein.

Was es tatsächlich bringt, ist etwas anderes. Es gibt keine Speicherobergrenze mehr, die mir jemand verkauft. Die Originale liegen unkomprimiert da, in einem Dateisystem, das ich lesen kann. Keine Bedingungen ändern sich zu meinen Lasten, und kein Dienst wird eingestellt. Und eine Sache, die ich vorher nicht erwartet hätte: Ich schaue häufiger alte Fotos an, weil die Bibliothek im eigenen Netz schneller lädt als jede App über Mobilfunk.

Wer mit dem Gedanken spielt, sollte es in dieser Reihenfolge angehen: erst Hardware und Backup, dann die Anwendung, dann der Import, und erst viel später die Kündigung. Die ersten beiden Schritte sind die langweiligen – und sie sind der Grund, warum das Projekt ein Jahr später noch läuft und nicht zu einer Sammlung verwaister Dateien geworden ist.

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Johanna

Johanna ist die treibende Kraft für technologische Innovationen und Software-Lösungen bei Addis Techblog. Sie filtert den Hype aus neuen Releases und testet Software auf ihren tatsächlichen Nutzwert. Ihr Fokus liegt auf der Integration lokaler AI-Modelle, der Optimierung von Content-Creation-Workflows und der Analyse neuer Software-Tools. Johanna sorgt dafür, dass smarte Lösungen und Slicer-Updates nicht nur theoretisch funktionieren, sondern den digitalen Alltag der Leser messbar effizienter machen.