Die kostenlose Testphase des Internets geht ihrem Ende zu

Scheinbar ist heutzutage jeder der Auffassung, dass Informationen und Nachrichten kostenlos verfügbar sein sollten. Aber gleichzeitig sollten die Herausgeber auch von ihrer Arbeit leben können. Gewöhnen wir uns gerade an den Gedanken, für all diese Dinge auch zu bezahlen?

Viele von uns sind mit einer ständig verfügbaren Flut an Nachrichten und Informationen aufgewachsen ohne dafür bezahlen zu müssen. Breitband-Internet und mobiles Surfen werden immer populärer, die Nutzer sind ständig in ihre Accounts eingeloggt und scrollen sich durch unendlich viele Internetseiten. Doch jetzt, da wir alle hoffnungslos abhängig sind, scheint die Zeit des kostenlosen Internets ihrem Ende zuzugehen.

„Das Zeitalter der nennen wir es mal ‚kostenlosen Internet-Testphase‘ geht seinem Ende zu. In den 12 Jahren seit der gerichtlich angeordneten Stilllegung von Napster hat das Internet allen Bereichen der Medienbranche den Kampf angesagt und dabei Werbeeinnahmen und Gewinne kräftig schrumpfen lassen. Die Antwort kommt jetzt – etwas verspätet zwar und nicht mit der gleichen umgekehrten Schlagkraft, aber die Auswirkungen sind definitiv spürbar. Die ungezügelte und unkontrollierte Verbreitung von Webinhalten wird jetzt durch Bezahlsysteme und monatliche Mitgliedsbeiträge ersetzt. Und überraschenderweise scheint uns das gar nicht zu stören. Vielen Leuten scheint es gar nicht aufzufallen“, so Charlie Warzel, stellvertretender Herausgeber von BuzzFeed in einem kürzlich von BuzzFeed veröffentlichten Artikel.

Bisher hat die Mehrheit der Herausgeber ihre Artikel und andere Inhalte gratis zur Verfügung gestellt und gleichzeitig gehofft, mit Werbeeinnahmen Geld zu verdienen. Viele Zeitungsportale haben nun Bezahlsysteme auf ihren Webseiten eingeführt, um mit ihren Artikeln auch Geld zu verdienen. Dies dürfte der erste Schritt in Richtung bezahlter Inhalte sein.

Aufgrund des rasanten Wachstums des mobilen Internets geht man davon aus, dass Werbeeinnahmen auch weiterhin zurückgehen werden. Kleinere Bildschirme bedeuten weniger Werbefläche und somit weniger Möglichkeiten, um Geld bringende Werbespots einzublenden. Gleichzeitig scheint sich der Verbraucher zunehmend daran zu gewöhnen, sowohl für Inhalte als auch Applikationen zu bezahlen, besonders wenn der Bezahlvorgang leicht gemacht wird.

Noch vor einigen Jahren nahmen viele Konsumenten das Bezahlen im Internet als Risiko wahr. Doch laut BuzzFeed hat sich diese Einstellung seit der Einführung des iTunes-Stores entscheidend verändert. Das Bezahlen von Internet-Inhalten ist zur Normalität geworden.

Viele Experten sind davon überzeugt, dass die neuen Bezahlsysteme den Online-Journalismus vor dem Untergang bewahren können und die Bezahlung von Applikationen zu einer Verbesserung der Nutzererfahrung führen wird. Man geht davon aus, dass die Abschaffung kostenloser Inhalte und Software zu einer allgemeinen Qualitätssteigerung führen wird und zum Aufwärtstrend bei der Schaffung freier Jobs im IT– und Content-Bereich beitragen wird.

Im nächsten Schritt könnten Mobilfunkverträge mit ‚kostenlosem Zugang‘ zur Frankfurter Allgemeinen Zeitung kombiniert werden oder die Netflix Mitgliedschaft könnte gleichzeitig Zugang zu einem Spotify Premium-Account beinhalten.

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About Andreas Rabe

IT Spezialist, Blogger und Hesse. > Ich habe keine Lösung, aber ich bewundere das Problem. Wenn bereits der Ansatz falsch ist, so führt strenge Logik unweigerlich zum falschen Ergebnis. Nur Unlogik gibt Dir jetzt noch die Chance, wenigstens zufällig richtig zu liegen.

5 Responses to Die kostenlose Testphase des Internets geht ihrem Ende zu

  1. Maxi says:

    “Scheinbar ist heutzutage jeder der Auffassung, dass Informationen und Nachrichten kostenlos verfügbar sein sollten.”

    Das eigentliche Problem kommt noch hinzu: möglichst bitte ohne Werbung.
    Hab grad keine Statistik zur Hand, aber meine dass so 30 bis 50% Werbeblocker nutzen. Versteh diese Leute nicht, die gratis Premium-Inhalte wollen, aber nicht einsehen, dass es irgendwie bezahlt wird.

    Aber den Trend find ich insgesamt gut. Lieber etwas zahlen und dafür hochwertige Inhalte. Aber ich gehör auch zur Gruppe, die lieber aktiv Werbung schauen würde, um daraufhin gratis (gute) Inhalte zu kommen.

    • ja, es sind ca 30%, die Werbeblocker einsetzen! Oder anders ausgedrückt 30% Verlust für viele Content-Anbieter.
      Und dann wundern sich die Leute, dass sie an der nächsten Paywall kleben bleiben.

  2. tom says:

    Die Kombi Zeitung + Mobilfunkvertrag gibts ja durchaus ansatzweise schon. Beispielsweise bei wirmobil dem Mobilfunkangebot der WAZ Gruppe.

    Da erhält man die Allnet Flat zwei Monate gratis, wenn man Abonement einer WAZ Zeitung ist bzw. umgekehrt bei Abschluß einer Allnet Flat bei Wunsch ein Abo 4 Monate gratis.

    Mal schauen, wann sich das erste Medienhaus durchringt sein Digitalangebot oder einen Teil davon an einen Mobilfunkvertrag zu koppeln.

  3. Gerold says:

    Diese Adblocker sind für Content Anbieter richtig übel… Klar, es gibt auch ein paar schwarze Schafe, die mit Layer Ads und Pop up Windows übertrieben haben.

    Leider sind die AdBlocker nicht nur hinter diesen her, sondern blockieren auch das AdSense Banner des normalen Bloggers. Gefällt mir nicht!

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