Stell dir vor, du kommst nach einem langen Arbeitstag nach Hause, willst per App deine smarte Heizung aufdrehen und deine vernetzte Beleuchtung einschalten – aber nichts funktioniert mehr. Die App zeigt nur noch eine Fehlermeldung. Der Albtraum vieler Smart-Home-Nutzer ist real geworden. Heute, im Dezember 2025, müssen wir über ein Thema sprechen, das oft verdrängt wird: Was passiert eigentlich, wenn dein Hersteller die App oder den Cloud-Service deiner smarten Geräte einstellt?

Der Gigaset-Schock: Wenn die Cloud abgeschaltet wird
Der bislang drastischste Fall in Deutschland ereignete sich Anfang 2024. Nach der Insolvenz von Gigaset Communications wurden am 29. März 2024 sämtliche Cloud-Dienste der Smart-Home- und Smart-Care-Produkte eingestellt. Von einem Tag auf den anderen wurden Rauchmelder, Türsensoren, Kameras und Senioren-Assistenzsysteme zu Elektroschrott. Die Apps funktionierten nicht mehr, vernetzte Sensoren verstummten, und gekaufte Kamera-Servicepakete endeten ersatzlos. Eine Rücksendung der Geräte war nicht möglich. Nur der Rauchmelder konnte noch lokal einen Alarm auslösen – alle anderen Funktionen waren verloren.
Für viele Kunden war das ein Schock. Sie hatten Hunderte Euro in ein vernetztes Zuhause investiert und standen plötzlich vor nutzloser Hardware. Betroffene konnten lediglich Insolvenzforderungen anmelden, mit geringen Aussichten auf Entschädigung.
Wink und die Abo-Falle: Bezahlen oder verlieren
Ein weiteres warnendes Beispiel kommt aus den USA. Der Smart-Home-Anbieter Wink machte im Mai 2020 Schlagzeilen, als er plötzlich ein verpflichtendes Abo-Modell von 4,99 Dollar pro Monat einführte. Wer nicht zahlte, verlor den Zugriff auf Automationen, Sprachsteuerung und Cloud-Funktionen. Nach mehreren Ausfällen, darunter einem neuntägigen Totalausfall im Januar 2021, wanderten viele frustrierte Nutzer zur Konkurrenz ab. Heute ist Wink nur noch ein Schatten seiner selbst.
Fitbit: Der schleichende Tod durch Feature-Abbau
Auch bei großen Herstellern bist du nicht sicher. Google stellt seit der Übernahme von Fitbit im Jahr 2021 sukzessive Features ein. Im August 2024 wurde die Produktion der Fitbit Sense und Versa Smartwatches komplett eingestellt. Im April 2025 folgte die Abschaltung des Google Assistant auf allen Fitbit-Geräten – ohne Ersatz durch Gemini. Community-Features wie Challenges und Adventures wurden schon 2024 gestrichen. Fitbit-Nutzer erleben, wie ihr einst beliebtes Gerät Schritt für Schritt entkernt wird, während Google seine eigene Pixel Watch vorantreibt.
Devolo schaltet die Devolo Home Control Server ab

Das Aachener Unternehmen Devolo hat im Sommer bekannt gegeben, dass die Home Control-Server Ende 2025 vom Netz gehen. Ab dem 1. Januar 2026 funktioniert der Fernzugriff über die App und das Webportal mydevolo nicht mehr. Die App verschwindet komplett aus den App Stores. Was für viele Nutzer besonders bitter ist: Das System, das seit 2015 auf dem Markt war und auf dem offenen Z-Wave-Standard basiert, wird damit massiv eingeschränkt. Zwar laufen bereits eingerichtete Zeitsteuerungen und Wenn-Dann-Szenarien im lokalen Betrieb weiter, aber neue Geräte kannst du nicht mehr hinzufügen, bestehende Konfigurationen nicht mehr ändern. Dein Smart Home wird quasi eingefroren.
Was du jetzt tun kannst: Praktische Tipps für 2025
Setze auf offene Standards! Der wichtigste Rat für 2025 ist die Wahl von Geräten mit offenen Protokollen wie Matter, Zigbee oder Z-Wave. Diese Standards ermöglichen es dir, Geräte verschiedener Hersteller zu kombinieren und im Notfall auf alternative Steuerungssysteme umzusteigen. Matter hat sich 2025 endgültig als zukunftssicherer Standard etabliert und wird von Apple, Google, Amazon und vielen anderen unterstützt.
Bevorzuge lokale Steuerung! Achte darauf, dass deine Smart-Home-Geräte auch lokal ohne Cloud-Anbindung funktionieren. Systeme wie Home Assistant, Homematic IP oder Geräte mit lokalem Hub bieten dir Unabhängigkeit. Selbst wenn der Hersteller den Support einstellt, funktionieren diese Systeme weiter.
Große Hersteller bieten mehr Sicherheit! Produkte von Apple, Amazon, Google, Bosch oder Samsung sind zwar nicht immun gegen Änderungen, aber das Risiko einer kompletten Einstellung ist deutlich geringer. Diese Konzerne haben die Ressourcen und das Interesse, ihre Ökosysteme langfristig zu betreiben.
Informiere dich vor dem Kauf! Recherchiere, wie das Unternehmen zu früheren Produkten steht. Gibt es noch Support für ältere Modelle? Wie kommuniziert der Hersteller Änderungen? Ein Blick in Nutzerforen kann aufschlussreich sein.
Die harte Wahrheit
Smart-Home-Geräte, Wearables und IoT-Produkte sind nur so lange smart, wie der Hersteller sie unterstützt. Die Beispiele von Gigaset, Wink und Fitbit zeigen, dass selbst beliebte Produkte von heute auf morgen wertlos werden können. Insolvenz, Strategiewechsel oder mangelnde Rentabilität – die Gründe sind vielfältig, die Folgen für dich als Nutzer jedoch immer gleich: Deine Investition ist gefährdet.
Daher gilt heute mehr denn je: Kaufe smart, nicht nur smarte Geräte. Wähle Systeme, die auf Offenheit und lokale Kontrolle setzen. Dann kannst du auch 2025 und darüber hinaus dein vernetztes Zuhause in vollen Zügen genießen – unabhängig davon, was einzelne Hersteller beschließen.
