Ich muss ehrlich sein: Ich hab die EM25 skeptisch ausgepackt. Noch eine Maus, die sich an der Logitech MX Master orientiert, noch ein Hersteller, der mit großen Versprechen antritt. Das Flywheel-Scrollrad, die Triple-Konnektivität, der leise Klick – auf dem Papier klingt das alles vertraut. Zu vertraut.
Und dann hab ich angefangen zu scrollen. Und hab einfach nicht aufgehört.
Warum ich überhaupt eine neue Maus gebraucht habe

Mein Alltag sieht so aus: Morgens Codebase, mittags riesige Tabellen im Homeoffice, abends Blog-Artikel und Content-Planung auf einem zweiten Gerät. Ich wechsle ständig zwischen meinem Linux-Rechner und dem Notebook – und genau das nervt mit klassischen Mäusen enorm. Entweder zwei Mäuse auf dem Tisch oder ständiges Umstecken.
Die ProtoArc EM25 verspricht hier Abhilfe: bis zu drei Geräte gleichzeitig, eine Taste zum Wechseln, fertig. Klingt simpel. Ist es auch – aber im besten Sinne.
Das Dual-Scroll-System: Das Ding, das wirklich auffällt

Okay, hier komme ich sofort zum Punkt, weil es mich am meisten überrascht hat.
Das Flywheel-Scrollrad der EM25 bewältigt laut Hersteller bis zu 1.000 Zeilen pro Sekunde. Zum Vergleich: Eine Standardmaus schafft rund 150 bis 200 Zeilen. Das ist nicht marketing-schöngerechnetes Zahlenwerk – das spürt man tatsächlich.
Ich hab die EM25 auf einem 5.000-Zeilen-Python-Skript getestet. Einmal kurz anschubsen, und du fliegst durch das Dokument wie durch eine Textwüste mit Rückenwind. Das Rad läuft dabei fast frei, ohne merklichen Widerstand – erinnert mich an eine Fahrradfelge, die du kurz anschiebst und dann dreht. Stoppen geht dennoch präzise: Das Rad rastet bei Bedarf ein, wenn du die gelbe Taste auf der Oberseite drückst. Ist diese gelbe Taste gedrückt und eingerastet, rattert das Scrollrad wie übliche Scrollräder stufenweise.
Das zweite Scroll-Element ist das seitliche Daumenrad. Horizontal scrollen war für mich bisher immer entweder Shift+Scroll oder umständliches Zwei-Finger-Trackpad. Das Daumenrad funktioniert hier verblüffend intuitiv. Besonders in Tabellenkalkulationen mit vielen Spalten ist das ein echter Zeitgewinn.
„Wer 2026 noch ohne Flywheel durch 300-seitige Dokumente scrollt, bestraft sich selbst.“
Multi-Device-Konnektivität: Drei Geräte, eine Maus
Das Verbindungssystem der EM25 setzt auf einen hybriden Ansatz: ein 2,4-GHz-USB-Empfänger plus zwei separate Bluetooth-Kanäle. An der seite Aitzt ein kleiner Taster, mit dem du zwischen den drei Slots wechselst.
| Verbindungstyp | Latenz (geschätzt) | Geeignet für |
|---|---|---|
| 2,4 GHz USB-Empfänger | ~1 ms | Desktop, Gaming-ähnliche Präzision |
| Bluetooth 5 | ~8–12 ms | Laptop, Tablet, mobiler Einsatz |
| Zweiter BT-Kanal | ~8–12 ms | Drittes Gerät, z. B. Tablet oder Smartphone |
Sensor, DPI und das Ergonomie-Versprechen
Der optische Sensor der EM25 arbeitet mit bis zu 8.000 DPI, stufenweise einstellbar. Für Büroarbeit reichen mir 1.600 DPI. Auf meinem 4K-Display dreh ich hoch auf 3.200 oder 4.000. Das geht per dediziertem DPI-Button oben auf dem Gerät – ein kurzer Druck, ein dezentes LED-Signal.
Ruckeln, Auslassen, Sprünge? Nichts davon. Der Sensor tracking sauber auf Holz, Mousepad und sogar auf meiner leicht gemusterten Tischoberfläche.
Die Ergonomie: Die EM25 ist kein Vertikal-Konzept wie ProtoArcs eigene EM11-Serie. Sie liegt klassisch flach in der Hand, hat aber eine leichte Wölbung nach rechts (Rechtshänder-Design) und eine natürliche Daumenauflage. Nach vier Stunden Dauerarbeit keine Beschwerden – das ist mehr, als ich über manche teureren Modelle sagen kann.
📌 Zusammenfassend: Die EM25 kombiniert einen soliden 8.000-DPI-Sensor mit einem ergonomischen Rechtshänder-Design, das besonders bei langen Arbeitssessions punktet. Kein Highend-Sensor, aber mehr als ausreichend für den angestrebten Einsatzbereich.
Silent-Click-Technologie: Bürotauglich, aber mit Fußnote
Die Haupttasten der EM25 sind als „Quiet Click“ konzipiert. Das hält, was es verspricht: Der Klang ist deutlich gedämpfter als bei normalen Tasten. In einem ruhigen Raum höre ich sie noch, sobald leise Nebengeräusche dazu kommen oder mit Kopfhörern ist davon nichts mehr zu hören.
Was ich aber anmerken muss: Nur die beiden Haupttasten sind leise. Die restlichen Tasten – darunter das Scrollrad-Klick und die seitlichen Tasten – sind normale Taster mit normalem Klackgeräusch. Das fiel mir erst nach ein paar Stunden auf, als ich in einem ruhigen Zoom-Call war. Kein Drama, aber erwähnenswert.
Akku und Laden: Keine bösen Überraschungen
ProtoArc gibt eine Standby-Laufzeit von bis zu 200 Tagen an. Im aktiven Betrieb – also wirklich acht Stunden täglich in Bewegung – liegt die realistische Laufzeit nach Herstellerangaben und ersten Nutzererfahrungen eher bei vier bis sechs Wochen. Das deckt sich mit meiner bisherigen Erfahrung aus etwa drei Wochen Nutzung: Akku ist noch bei ca. 60 %.
Geladen wird per USB-C. Endlich. Keine Micro-USB-Nostalgie, kein proprietärer Anschluss. Das Kabel ist im Lieferumfang, der Ladevorgang dauert schätzungsweise zwei bis drei Stunden. Nebenbei weiterarbeiten geht dabei, da die EM25 auch im Kabelbetrieb funktioniert.
| Merkmal | Details |
|---|---|
| Akku (Standby) | bis zu 200 Tage |
| Akku (Aktivbetrieb) | ~4–6 Wochen realistisch |
| Ladezeit | ca. 2–3 Stunden (geschätzt) |
| Ladeanschluss | USB-C |
| Weiterbetrieb beim Laden | Ja (kabelgebunden möglich) |
| Automatischer Schlafmodus | Ja |
📌 Zusammenfassend: USB-C, langer Akku, kein Batterie-Frust. Die EM25 macht hier alles richtig, was ein modernes Peripheriegerät 2026 tun sollte.
Mein täglicher Einsatz: Was wirklich funktioniert und was nervt
Was ich mag: Das Flywheel macht mich schneller. Das klingt albern, aber nach zwei Wochen merke ich, dass ich durch Code-Bases, Log-Files und lange Artikel einfach flüssiger navigiere. Das Daumenrad für horizontales Scrollen ist ein echter Produktivitätsboost in Tabellen.
Der Gerätewechsel ist reibungslos und sitzt nach kurzer Zeit im Muskelgedächtnis. Ich greife zur Maus, schiebe den Schalter rüber, bin auf dem anderen Gerät. Fertig.
Was mich nervt: Der Scrollrad-Klick (eingedrücktes Rad) ist für mich zu schwergängig. Ich nutze ihn für mittlere Maustaste in meinem Browser – und drücke dabei gelegentlich unbeabsichtigt auch das Rad in eine Richtung. Das ist eine Frage der Eingewöhnung, aber erwähnenswert.
Fazit: Für wen ist die EM25 das Richtige?

Die ProtoArc EM25 ist keine Revolution. Sie ist eine gut durchdachte, preislich aggressive Maus, die das Wesentliche richtig macht: Das Flywheel-Scrollrad ist genuines Unterscheidungsmerkmal, die Triple-Konnektivität funktioniert zuverlässig, und USB-C ist selbstverständlich dabei.
Wer täglich zwischen mehreren Geräten wechselt, viel in langen Dokumenten oder Tabellen arbeitet und nicht 100 Euro für eine MX Master ausgeben will oder kann – der bekommt hier für 40 Euro eine ehrliche Antwort auf diese Anforderungen.
Wer tiefe Software-Integration braucht, primär auf macOS arbeitet oder die letzte Prozent Qualität beim Klick-Gefühl erwartet: Hier ist die MX Master 3S nach wie vor die bessere Wahl.
📌 Zusammenfassend: Die ProtoArc EM25 ist für 39,99 € die derzeit überzeugendste Budget-Alternative zu deutlich teureren Produkten – besonders für Multi-Device-Nutzer und alle, die täglich durch lange Dokumente navigieren. Wer keine ausgefeilte Software-Integration braucht, greift bedenkenlos zu.
