Dual-Resin, 14K-Auflösung und aktive Harztemperierung: Der Anycubic Photon P1 will Resin-3D-Druck auf ein neues Niveau heben. Wir ordnen ein, was der neue MSLA-Drucker laut Hersteller können soll – und wo noch Fragezeichen bleiben.

Anycubic Photon P1
Anycubic Photon P1 (Bildquelle: Anycubic)

Mit dem Photon P1 positioniert Anycubic Anfang 2026 einen Resin-3D-Drucker, der klar über das klassische „Hobby-Niveau“ hinauszielt. Dual-Resin-Druck, ein hochauflösendes 14K-Mono-LCD, aktive Harztemperierung und ein deutlich professionelleres Gesamtpaket sollen den Schritt in Richtung Prosumer und Small Business markieren.
Wichtig vorab: Das ist kein Test und kein Review. Alle Aussagen zu Leistung, Qualität und Zuverlässigkeit basieren auf Herstellerangaben, Präsentationen und Marketingmaterial. Eigene Praxiserfahrungen liegen (noch) nicht vor.


Dual-Resin-Druck: Das Kernfeature des Photon P1

Das auffälligste Merkmal des Photon P1 ist die Möglichkeit, zwei unterschiedliche Harze in einem Druckjob zu verwenden. Anycubic spricht hier von Dual-Resin- bzw. Dual-Color-Printing. Technisch wird das über zwei getrennte Resin-Vats realisiert, zwischen denen das System während des Drucks wechseln kann.

Was das laut Hersteller ermöglichen soll:

  • Kombination zweier Farben in einem Bauteil
  • Einsatz unterschiedlicher Materialeigenschaften, etwa hartes Strukturharz + flexibles Harz
  • Mehrteilige Bauteile mit funktionalen Zonen in einem einzigen Drucklauf

In der Praxis dürfte das – sofern zuverlässig umgesetzt – vor allem für Miniaturen, Dental-Modelle, funktionale Prototypen oder Design-Objekte interessant sein. Wie sauber Materialwechsel, Übergänge und Haftung tatsächlich funktionieren, bleibt allerdings offen, bis echte Tests vorliegen.


14K-Mono-LCD: Fokus auf Detailtreue

Anycubic setzt beim Photon P1 auf ein 14K-Mono-LCD, was ihn klar im oberen Auflösungssegment aktueller Desktop-Resin-Drucker positioniert.
Die Marketing-Versprechen sind typisch für diese Displayklasse:

  • extrem feine Details
  • saubere Kanten
  • weniger sichtbare Layer
  • hohe Präzision bei kleinen Strukturen

Gerade bei Miniaturen oder filigranen technischen Teilen klingt das sehr vielversprechend. Ob die hohe Auflösung im Alltag auch vollständig ausgereizt werden kann, hängt – wie immer – stark von Harz, Belichtungsprofilen und Mechanik ab.


Bauvolumen und Mechanik: klar über Hobby-Standard

Mit einem Bauvolumen von rund 223 × 126 × 230 mm bewegt sich der Photon P1 im Bereich größerer Resin-Systeme. Das ist genug Platz für:

  • größere Einzelteile
  • mehrere Miniaturen in Serie
  • Kleinserien-Drucke für Werkstatt oder Studio

Mechanisch wirbt Anycubic mit:

  • stabiler Z-Achse
  • präziser Führung
  • hochwertiger Spindel
  • insgesamt vibrationsarmer Konstruktion

Das Ziel ist klar: Wiederholgenauigkeit und Prozesssicherheit, nicht nur schöne Einzelstücke.


Harztemperierung & Prozesskontrolle

Ein weiteres Feature, das klar Richtung professioneller Nutzung geht, ist die aktive Harztemperierung. Resin reagiert bekanntlich empfindlich auf Temperatur – insbesondere im Winter oder in kühleren Werkstätten.

Laut Hersteller soll der Photon P1:

  • konstante Harztemperaturen sicherstellen
  • Druckfehler durch zu kaltes Resin reduzieren
  • reproduzierbarere Ergebnisse liefern

Zusätzlich sind Funktionen wie automatische Nivellierung, Sensorüberwachung und optionale Kamera-Features Teil des Konzepts. Auch hier gilt: Klingt sinnvoll – wie gut es funktioniert, muss die Praxis zeigen.


Software & Workflow: Dual-Material als Herausforderung

Dual-Resin-Druck bedeutet nicht nur neue Hardware, sondern auch komplexere Software-Workflows. Anycubic verspricht:

  • angepasste Slicer-Profile
  • Verwaltung der Materialwechsel
  • definierte Übergangszonen im Modell

Gerade hier wird sich entscheiden, ob der Photon P1 ein echtes Produktiv-Werkzeug oder eher ein technisch spannendes Experiment ist. Dual-Material-Systeme gelten allgemein als fehleranfälliger – unabhängig vom Hersteller.


Zielgruppe: Für wen ist der Photon P1 gedacht?

Nach allem, was aktuell bekannt ist, richtet sich der Photon P1 nicht primär an Einsteiger. Die anvisierte Zielgruppe dürfte sein:

  • ambitionierte Maker
  • Miniaturen- und Figuren-Designer
  • Dental- und Schmuck-Anwendungen
  • kleine Studios und Werkstätten
  • Entwickler, die Materialeigenschaften kombinieren wollen

Preislich bewegt sich das Gerät – je nach Ausstattung und Dual-Resin-Kit – klar über klassischen Einsteiger-Resin-Druckern, bleibt aber deutlich unter industriellen Systemen.


Einordnung & vorsichtige Einschätzung

Der Anycubic Photon P1 wirkt auf dem Papier wie ein konsequenter Schritt Richtung Prosumer-Resin-Druck. Besonders der Dual-Resin-Ansatz hebt ihn klar von vielen aktuellen MSLA-Druckern ab.
Gleichzeitig sind genau diese Features technisch anspruchsvoll und erfahrungsgemäß schwer perfekt umzusetzen.

Unsere Einschätzung (ohne Test):

  • technisch sehr spannend
  • großes Potenzial für neue Anwendungsfälle
  • hoher Innovationsgrad
  • aber auch erhöhte Komplexität und potenzielle Fehlerquellen

Ob der Photon P1 am Ende ein echter Gamechanger oder eher ein Nischenprodukt wird, entscheidet sich erst mit unabhängigen Praxistests.


Transparenz-Hinweis

Dieser Artikel basiert ausschließlich auf Herstellerinformationen, Ankündigungen und öffentlich zugänglichem Material.
Wir haben den Anycubic Photon P1 nicht getestet. Alle Einschätzungen zu Leistung, Qualität und Alltagstauglichkeit sind daher keine Bewertungen, sondern Einordnungen auf Basis der beworbenen Eigenschaften.

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Johanna

Ich bin Johanna, leidenschaftliche Technologie-Enthusiastin und Autorin bei "Addis Techblog". Mein besonderer Fokus liegt auf Innovationen und den neuesten Entwicklungen in der Tech-Welt. Es begeistert mich, komplexe Themen verständlich und zugänglich zu machen, damit meine Leser bestens über die dynamische Welt der Technologie informiert sind. In meiner Freizeit experimentiere ich gerne mit neuen Gadgets und Software, um immer am Puls der Zeit zu bleiben.