Standby-Verbrauch ist der Klassiker unter den unsichtbaren Kosten. Statt zu raten, misst du ihn. Mit zwei bis drei smarten Steckdosen mit Verbrauchsmessung findest du in zwei Wochen jeden Dauerläufer im Haushalt. So gehe ich vor.
Schritt 1: Die richtigen Steckdosen kaufen
Wichtig ist die Verbrauchsmessung – viele günstige Modelle schalten nur. Achte außerdem auf die Schaltleistung: 16 A für Geräte mit hoher Last, alles darunter ist für Wasserkocher oder Heizlüfter tabu. Zigbee oder Matter über Thread bevorzugen, WLAN-Modelle belasten dein Netz und hängen meist an einer Hersteller-Cloud.
Schritt 2: Messen, nicht schätzen
Jedes Gerät bekommt 48 Stunden. Notiere den Durchschnittsverbrauch, nicht den Momentanwert. Typische Verdächtige aus meinen Messungen:
- Router, Repeater und Switches – laufen zu Recht durch, aber summieren sich.
- Ältere AV-Receiver und Soundbars mit Netzwerk-Standby.
- Drucker, die permanent auf ein Netzwerk-Signal warten.
- Netzteile ohne Last, die trotzdem warm werden.
- Der Zweit-PC im Ruhezustand mit aktivem Wake-on-LAN.
Schritt 3: Rechnen statt fühlen
Die Formel ist simpel: Watt mal 8,76 ergibt die Kilowattstunden pro Jahr. 10 Watt Dauerlast sind also rund 88 kWh im Jahr. Multipliziert mit deinem Arbeitspreis siehst du sofort, welches Gerät eine Abschaltung verdient und welches Rauschen ist. Für den Rechner unterm Schreibtisch lohnt zusätzlich der Blick in den Beitrag zum Stromverbrauch des PCs.
Schritt 4: Automatisieren – aber mit Verstand
Nicht alles darf hart vom Netz. Netzwerktechnik, Kühlgeräte, Heizungssteuerung und alles mit Firmware-Update-Zyklus bleiben an. Sinnvoll sind Zeitpläne für Unterhaltungselektronik nachts und Anwesenheits-Trigger für den Arbeitsplatz. Pro-Tipp: Eine Regel, die bei unter 3 Watt Verbrauch nach 30 Minuten abschaltet, erledigt Ladegeräte und Monitore automatisch.
Eine Warnung noch: Steckdosenleisten hinter einer smarten Steckdose sind bequem, aber du misst dann eine Summe und weißt nicht, welches Gerät zieht. Für die Analysephase gilt ein Gerät pro Dose. Danach darfst du zusammenfassen.
Schritt 5: Daten behalten
Cloud-Apps löschen Messhistorien gerne nach wenigen Wochen. Wer die Werte lokal in einer eigenen Instanz sammelt, kann Monate vergleichen und Effekte von Umbauten belegen. Wie das ohne Herstellerserver funktioniert, steht im Artikel Smart Home lokal betreiben. Und wenn dein Setup dabei instabil wird, hilft die Fehlersammlung zu gescheiterten Smart-Home-Setups.
Aufwand: ein Wochenende. Ergebnis bei mir damals: 47 Watt Dauerlast, die niemand vermisst hat.
