Microsoft hat am 28. Juli 2026 das optionale Vorschau-Update KB5101684 für Windows 11 freigegeben – und darin steckt eine Neuerung, auf die Desktop-Nutzer seit Jahren warten. Die erweiterte Anmeldesicherheit von Windows Hello funktioniert ab sofort auch mit Fingerabdruckscannern, die per USB am Rechner hängen. Dazu kommen Voice Isolation für die Sprachsteuerung, sinnvollere Dateigrößen im Explorer und insgesamt 42 Korrekturen.

Klingt nach einem dieser Updates, die man wegklickt. Ist es aber nicht – zumindest nicht für alle. Ich schau mir an, was wirklich drinsteckt.

„Ein Preview-Update ist kein Muss. Aber wer einen Desktop-PC mit externem Fingerprint-Sensor nutzt, hat diesmal einen echten Grund zuzugreifen.“


Windows Hello ESS: Der externe Scanner ist keine zweite Klasse mehr

Das ist die Kernneuerung, und sie braucht etwas Kontext.

Windows Hello kennt zwei Sicherheitsniveaus. Die normale biometrische Anmeldung – und Enhanced Sign-in Security (ESS), bei der die biometrischen Daten in einer hardwaregestützten, vom restlichen System abgeschotteten Umgebung verarbeitet werden. Der Fingerabdruck verlässt diese Enklave nie, selbst wenn das laufende Windows kompromittiert ist. Genau das macht ESS so wertvoll.

Der Haken bisher: ESS lief ausschließlich mit fest verbauten Sensoren. Wer einen Desktop-PC nutzt und sich einen USB-Fingerabdruckleser gekauft hat, bekam die normale Windows-Hello-Anmeldung – aber nicht das gehärtete Verfahren. Faktisch war der Desktop das Sicherheits-Stiefkind, obwohl gerade dort die meisten Arbeitsplätze stehen.

Mit KB5101684 ändert sich das. ESS unterstützt nun peripheral fingerprint sensors, also externe Scanner am USB-Port – ausdrücklich auch auf Copilot+-PCs. Microsoft hatte das Feature bereits im Januar 2026 angekündigt (KB5074105), jetzt beginnt der eigentliche Rollout.

So richtest du es ein:

📋 Infobox: Externen Fingerabdruckscanner für ESS einrichten

  1. Kompatiblen ESS-Fingerabdruckleser per USB anschließen
  2. Einstellungen → Konten → Anmeldeoptionen öffnen
  3. Unter „Fingerabdruckerkennung (Windows Hello)“ den Anweisungen folgen

Wichtig: Der Scanner muss ESS ausdrücklich unterstützen. Ein beliebiger Billig-Leser vom Marktplatz reicht nicht – die Enklave-Verarbeitung muss die Hardware mitbringen.

Und noch eine Klarstellung, weil sie in Kommentarspalten gerade durcheinandergeht: Ein FIDO2-Stick mit Fingerabdrucksensor ist kein externer Fingerabdruckscanner im Sinne dieses Features. Ein YubiKey Bio nutzt ein völlig anderes Verfahren. Wer wissen will, wie das zusammenhängt, findet die Einordnung in unserem Artikel Passkey erklärt: Wie du dich 2026 ohne Passwort anmeldest.

Ebenfalls wichtig: Ein Abdruck, den du am internen Laptop-Sensor eingelernt hast, funktioniert nicht automatisch am externen Leser. Gespeichert wird nicht das Bild, sondern eine mathematische Repräsentation – und die fällt bei anderer Hardware anders aus. Du musst pro Sensor neu einlernen.

Zusammenfassend: ESS für externe Fingerabdruckscanner schließt eine echte Lücke bei Desktop-PCs. Die Hardware muss ESS aber explizit unterstützen, und jeder Sensor braucht seine eigene Einlernung.


Voice Isolation: Sprachsteuerung, die im Großraumbüro funktioniert

Die zweite echte Neuerung betrifft Voice Access, Windows‘ Sprachsteuerung. Bisher scheiterte sie zuverlässig an dem, woran Spracherkennung immer scheitert: an anderen Menschen im Raum.

Voice Isolation filtert nach einer einmaligen Stimm-Einrichtung Nebengeräusche und fremde Stimmen lokal heraus. Microsoft bietet drei Stufen an:

ModusWas gefiltert wirdEinrichtung nötig
Voice IsolationFremde Stimmen + HintergrundgeräuscheJa, einmalige Stimmerfassung
Nur Hintergrundgeräusche entfernenTippen, Türenschlagen, LüfterNein
Keine FilterungNichts (Standard-Mikrofoneingang)Nein

Zu finden unter Voice Access-Einstellungen → Spracherkennung verbessern. Für Menschen, die Windows aus Barrierefreiheitsgründen per Sprache bedienen, ist das kein Gimmick, sondern der Unterschied zwischen nutzbar und nicht nutzbar. Nebenbei kommt Koreanisch als neue Sprache für Voice Access dazu.


Datei-Explorer: Endlich vernünftige Dateigrößen

Ein Detail, über das sich seit Windows 95 gemeckert wird, ist weg: Die Detailansicht zeigt Dateigrößen jetzt dynamisch in KB, MB oder GB statt alles stur in Kilobyte zu quetschen. Eine 4-GB-ISO als „4.194.304 KB“ anzuzeigen war nie eine gute Idee.

Dazu kommen:

  • Mittelklick auf Ordner in der Adressleiste und auf der Startseite öffnet diesen direkt in einem neuen Tab
  • Der graue Flash beim Laden der Startseite ist weg, ebenso das ungewollte Hochscrollen
  • Schärfere Thumbnails im Bereich „Empfohlen“
  • Insgesamt stabilere explorer.exe – besonders bei Sprunglisten, Dateifreigaben und Task-Ansicht

Wer noch mehr aus dem Explorer holen will: Wir haben die lohnendsten Handgriffe in Windows 11 Tipps für mehr Produktivität gesammelt.


Touchpad, Taskleiste, Sperrbildschirm: der Feinschliff

  • Touchpad-Gesten: Für Präzisions-Touchpads gibt es unter Einstellungen → Bluetooth & Geräte → Touchpad neue Regler für Scroll- und Zoomgeschwindigkeit sowie beschleunigtes Scrollen – je öfter du wischst, desto schneller geht’s durch lange Dokumente.
  • Benachrichtigungspunkte in der Taskleiste nutzen künftig deine Windows-Akzentfarbe statt aggressivem Rot. Kleine Änderung, spürbar weniger visueller Alarm.
  • Sperrbildschirm: Für neue Nutzer erscheint standardmäßig nur noch das Wetter-Widget.
  • Startmenü: Die gewählte Ansicht bleibt zuverlässig erhalten, und die Tastaturnavigation in der App-Liste wurde repariert. Das Kontenmenü bekommt ein neues Design samt Abo-Status-Badge.
  • Windows-Suche kommt jetzt mit Tippfehlern und Teilnamen von Apps besser klar.
  • KI-Komponenten: Auf unterstützten Copilot+-PCs lässt sich die Image-Generation-Komponente entfernen. Ein kleiner, aber bemerkenswerter Schritt in Richtung „Nutzer darf abwählen“ – passend zum Thema unseres Beitrags über Datenschutz-Einstellungen in Windows 11.

Die Bugfixes, die wirklich zählen

Von den 42 Korrekturen sind vier für den Alltag relevant:

  1. Dateiversionsgeschichte auf SMB-Freigaben: Automatische Sicherungen scheiterten mit einer falschen Meldung über ungültige Anmeldeinformationen. Wer sein Backup auf ein NAS legt, war betroffen – und hat es womöglich nie gemerkt. Das ist der Fix, der am ehesten Daten rettet.
  2. DFS-Netzlaufwerke: Dateien wurden fälschlich als aus dem Internet stammend markiert, wenn der Rechner offline startete und sich später verband. Ergebnis: Mark-of-the-Web-Warnungen und blockierte Vorschauen.
  3. MDM/Intune: Neu eingerichtete Geräte blieben fälschlich im Status „nicht konform“ und kamen nicht an Firmenressourcen.
  4. Energieoptionen: Änderungen werden nun auf alle Energiepläne angewendet – Display, Ruhezustand, Netzschalter, Deckelschließen. Außerdem lässt sich der Schwellwert für den Energiesparmodus wieder setzen.

Dazu: schnelleres Drucken über IPPS, stabilere DHCP-Erneuerungen, zuverlässigere Zwischenablage in Remote-Desktop-Sitzungen und korrigierte Sommerzeitdaten für Beirut, Casablanca, Jerusalem und Nuuk.

Und ein Punkt für alle mit älteren Rechnern: Das Update erweitert die Zielgruppe für die automatische Verteilung neuer Secure-Boot-Zertifikate. Warum das kein Randthema ist, haben wir beim Windows 11 25H2 Zwangsupdate ausführlich erklärt.

Zusammenfassend: Der SMB-Backup-Fix ist der stärkste Grund, KB5101684 nicht bis August liegen zu lassen. Wer die Dateiversionsgeschichte auf ein NAS schreibt, sollte danach prüfen, ob die Sicherungen wieder laufen.


Installieren oder warten?

KB5101684 ist ein optionales Nicht-Sicherheitsupdate. Es installiert sich nicht von allein, außer du hast „Erhalten Sie die neuesten Updates, sobald sie verfügbar sind“ aktiviert.

Du findest es unter Einstellungen → Windows Update → Nach Updates suchen und dann per Klick auf „Herunterladen und installieren“. Alternativ liegt das Paket im Microsoft Update Catalog als .msu-Datei für die Offline-Installation.

⚠️ Ein Hinweis zur Einordnung: Preview-Updates sind Testläufe für den nächsten Patchday. Microsoft meldet aktuell zwar keine bekannten Probleme, aber wer produktiv arbeitet und nichts von den neuen Features braucht, verliert nichts, wenn er bis zum August-Patchday wartet. Dann kommt alles automatisch.

Meine Empfehlung: Installieren, wenn du (a) einen externen Fingerabdruckscanner nutzt, (b) Voice Access brauchst oder (c) deine Dateiversionsgeschichte auf eine SMB-Freigabe schreibt. In allen anderen Fällen: entspannt abwarten.


Fazit

KB5101684 ist kein spektakuläres Update, aber ein ungewöhnlich sinnvolles. ESS für externe Fingerabdruckscanner behebt eine Ungleichbehandlung, die Desktop-Nutzer jahrelang genervt hat. Voice Isolation ist ein echter Gewinn für Barrierefreiheit. Und die dynamischen Dateigrößen im Explorer sind eine dieser Kleinigkeiten, die man nach einer Woche nicht mehr missen will.

Was nicht drinsteckt: große Copilot-Neuerungen. Diesmal ging es um Handwerk. Auch mal schön.

Mehr rund um Microsofts Betriebssystem findest du in unserer Windows-Rubrik und im Windows & PC-Hardware Guide 2026.


Auf einen Blick: KB5101684

AspektDetails
Veröffentlicht28. Juli 2026
Betroffene VersionenWindows 11 24H2 und 25H2
Neue Builds26100.8973 (24H2) / 26200.8973 (25H2)
TypOptionales Vorschau-Update (ohne Sicherheitspatches)
Umfang42 Korrekturen und Verbesserungen
HighlightsWindows Hello ESS für externe Fingerabdruckscanner, Voice Isolation, dynamische Dateigrößen im Explorer, neue Touchpad-Regler
Bekannte ProblemeLaut Microsoft keine
Automatisch?Nein – kommt regulär zum August-Patchday
Avatar-Foto

Markus

Markus ist der Spezialist für Infrastruktur und Code bei Addis Techblog. Er übernimmt dort, wo Plug-and-Play aufhört. Mit seinem fundierten Hintergrund in der Netzwerktechnik dekonstruiert er komplexe Routing-Probleme, entwickelt effiziente Docker-Umgebungen (wie Nextcloud oder Pi-hole) und schreibt smarte Skripte für nahtlose Smart-Home-Integrationen. Seine Tutorials zeichnen sich dadurch aus, dass sie selbst anspruchsvollste Netzwerk-Protokolle strukturiert, sicher und praxisnah für den Homelab-Betrieb übersetzen.