September ist Handy-Monat. Apple hat geliefert, Google hat geliefert, die Vorjahresmodelle sind plötzlich günstig – und in den nächsten Wochen liegen in vielen Haushalten zwei Smartphones gleichzeitig auf dem Tisch. Der Umzug selbst dauert bei gutem Verlauf zwanzig Minuten. Was danach fehlt, kostet dagegen gerne einen halben Tag: der Banking-Zugang, der zweite Faktor für den Mail-Account, die eSIM, die Chat-Historie. Diese Anleitung geht die Reihenfolge durch, in der ich einen Gerätewechsel abarbeite – und zwar so, dass das alte Handy erst dann gelöscht wird, wenn wirklich alles drüben ist.
Vorher: die zehn Minuten, die den Unterschied machen
Bevor du irgendetwas überträgst, machst du eine Inventur. Geh die App-Liste auf dem alten Gerät einmal von oben nach unten durch und markiere im Kopf alles, was beim Wechsel nicht automatisch mitkommt. Das sind in der Praxis immer dieselben vier Kategorien:
- Authenticator-Apps mit Einmalcodes (TOTP). Die Geheimnisse liegen im App-Speicher und wandern bei vielen Apps nicht mit.
- Banking- und TAN-Apps. pushTAN, photoTAN, Sparkassen-App, Authenticator der Direktbank – die sind absichtlich an ein Gerät gebunden.
- Messenger mit lokaler Historie. Signal speichert die Chats ausschließlich auf dem Gerät. WhatsApp kann übertragen werden, aber nur im richtigen Moment.
- Alles mit Hardware-Bindung. Smartwatch, Fitness-Tracker, E-Auto-App, Türschloss, Kopfhörer mit App-Profil.
Dazu drei Dinge, die banal klingen und regelmäßig den Umzug abbrechen lassen: Beide Geräte gehören auf über 50 Prozent Akku, weil die Übertragung ordentlich Strom zieht. Das neue Gerät braucht mindestens so viel freien Speicher wie das alte belegt hat – wer von 256 auf 128 GB wechselt, sortiert vorher aus. Und du brauchst ein Kabel. USB-C auf USB-C bei zwei modernen Androiden, Lightning auf USB-C beim Wechsel von einem älteren iPhone. Die Übertragung per WLAN funktioniert, dauert aber bei 100 GB Fotos je nach Router eine gefühlte Ewigkeit; per Kabel bist du in einem Bruchteil der Zeit durch und die Verbindung bricht nicht ab, wenn jemand im Nebenzimmer einen Film startet.

Der Hauptumzug: vier Wege, ein Prinzip
Alle vier Kombinationen funktionieren heute über einen Assistenten, der beim ersten Einrichten des neuen Geräts läuft. Das ist der entscheidende Punkt: Wenn du das neue Handy vorschnell durchklickst und erst später an die Daten denkst, musst du es zurücksetzen. Also erst das alte Gerät bereitlegen, dann das neue einschalten.
Android zu Android. Beim Setup „Apps und Daten kopieren“ wählen, Kabel verbinden, alte Geräte-PIN eingeben. Übertragen werden Apps, App-Daten (soweit die Entwickler das erlauben), Kontakte, SMS, Anrufliste, Hintergrundbild und Einstellungen. Bei Samsung übernimmt Smart Switch den Job und kopiert zusätzlich Dinge wie die Alarm-Einstellungen und Ordnerstrukturen. Fotos kommen mit, wenn sie lokal liegen – wer Google Fotos synchronisiert, hat sie ohnehin schon.
iPhone zu iPhone. Der „Schnellstart“ ist der bequemste Weg: neues iPhone neben das alte legen, Wolkenanimation scannen, Gerät-zu-Gerät-Migration wählen. Dabei läuft die Übertragung direkt zwischen den Geräten, ohne dass die Daten durch die iCloud müssen. Wenn der iCloud-Speicher für ein frisches Backup nicht reicht, bietet Apple beim Gerätewechsel temporär zusätzlichen Speicher an – das ist die Notlösung, wenn beide Geräte nicht gleichzeitig verfügbar sind.
Android zu iPhone. Auf dem Android-Gerät die App „Auf iOS übertragen“ installieren, auf dem iPhone im Setup „Daten von Android übertragen“ wählen. Kontakte, Nachrichten, Fotos, Videos, Kalender und Lesezeichen kommen mit. Apps nicht – das iPhone schlägt dir stattdessen die iOS-Entsprechungen aus dem App Store vor, sofern es sie gibt.
iPhone zu Android. Hier läuft es über die Übertragungs-App des Herstellers, meist auch per Kabel. Was dabei regelmäßig verloren geht: iMessage-Verläufe. Deaktiviere iMessage und FaceTime auf dem iPhone, bevor du es abgibst, sonst landen SMS von iPhone-Kontakten weiter im Apple-Netz und kommen bei dir nie an. Das ist der Klassiker, über den Umsteiger wochenlang fluchen.

WhatsApp und Signal: die Sonderfälle
Innerhalb einer Plattform ist WhatsApp unkritisch: Android holt sich das Google-Drive-Backup, iPhone das aus der iCloud. Über die Plattformgrenze hinweg funktioniert kein Cloud-Backup – ein Google-Drive-Backup lässt sich auf einem iPhone nicht einlesen und umgekehrt genauso wenig. WhatsApp hat dafür eine eigene Übertragung eingebaut, die während der Ersteinrichtung des neuen Geräts per QR-Code startet und die Chats direkt überträgt. Auch hier gilt: Der Moment ist die Ersteinrichtung. Wenn WhatsApp auf dem neuen Gerät schon läuft und du dich mit der Nummer angemeldet hast, ist der Zug abgefahren.
Signal ist noch strenger, weil es bewusst nichts in eine Cloud legt. Es gibt eine eingebaute Geräteübertragung, und es gibt die Möglichkeit, unter Android ein lokales verschlüsseltes Backup zu ziehen – mit einer 30-stelligen Passphrase, die du wirklich aufschreiben musst. Ohne eines von beidem startest du auf dem neuen Gerät mit leeren Chats. Das ist kein Fehler, das ist das Konzept.
Der zweite Faktor: hier wird es ernst
Das ist der Teil, an dem Gerätewechsel tatsächlich schmerzhaft werden. Eine Authenticator-App erzeugt Codes aus einem Geheimnis, das beim Einrichten des Kontos einmal übertragen wurde. Liegt dieses Geheimnis nur auf dem alten Handy und ist das Handy weg, kommst du an dieses Konto nicht mehr heran – jedenfalls nicht ohne Wiederherstellungscodes und Support-Warteschleife.
Deshalb: Bevor das alte Gerät zurückgesetzt wird, öffnest du jede Authenticator-App und prüfst, ob sie eine Export- oder Übertragungsfunktion hat. Google Authenticator kann die Codes inzwischen mit dem Google-Konto synchronisieren und bietet zusätzlich einen QR-Export. Microsoft Authenticator sichert in die Cloud. Aegis oder andere Open-Source-Apps exportieren eine verschlüsselte Datei. Wer seine Einmalcodes im Passwortmanager verwaltet, hat diesen Schritt schon hinter sich – ein guter Grund, das künftig so zu machen, und der Übergang zu Passkeys als Ersatz für Passwörter ist von dort aus ohnehin der logische nächste Schritt.
Banking-Apps sind ein eigenes Kapitel. Bei pushTAN- und photoTAN-Verfahren ist die Freigabe an das Gerät gebunden, und die Neuregistrierung läuft je nach Bank per Brief, per Aktivierungscode aus dem Online-Banking oder über eine Videoidentifikation. Plane das ein: Zwischen „neues Handy da“ und „Überweisung wieder möglich“ können bei Briefversand mehrere Tage liegen. Registriere die App auf dem neuen Gerät, solange das alte noch funktioniert – dann kannst du die Freigabe im Zweifel dort bestätigen.
Die eSIM: der Schritt, den alle vergessen
Eine physische SIM steckt man um, fertig. Eine eSIM ist ein Profil, das auf dem Gerät liegt, und das muss aktiv übertragen werden. Bei iPhones gibt es dafür die eSIM-Schnellübertragung, bei aktuellen Android-Versionen ein Pendant – beides funktioniert allerdings nur, wenn der Mobilfunkanbieter mitspielt. Tut er das nicht, brauchst du einen neuen QR-Code oder Aktivierungscode aus dem Kundenportal. Manche Anbieter lassen sich dafür bezahlen, andere erledigen es kostenlos in der App.
Wichtig ist die Reihenfolge: Die eSIM wird erst übertragen, wenn der Rest läuft. Sobald das Profil auf dem neuen Gerät aktiv ist, ist das alte Handy offline – und damit ist jede SMS-TAN, die du noch brauchst, weg. Wer regelmäßig zwischen Geräten wechselt oder ein Zweitgerät betreibt, fährt mit einer zusätzlichen Karte deutlich entspannter; welche Varianten sich dafür lohnen, steht im Beitrag zu Prepaid-Tarifen für Zweitgeräte.
Die 48-Stunden-Regel
Das alte Gerät wird nicht am selben Tag gelöscht. Zwei Tage Parallelbetrieb kosten nichts und fangen genau die Fälle ab, die im Umzugsassistenten nicht auftauchen. Meine Checkliste für diese 48 Stunden:
- Anruf und SMS testen, in beide Richtungen, nicht nur Datenverbindung.
- Jede Authenticator-App einmal öffnen und einen echten Login damit durchführen.
- Banking-App bis zur TAN-Freigabe durchspielen, nicht nur bis zum Kontostand.
- Smartwatch, Kopfhörer, Auto, Türschloss neu koppeln – die Uhr braucht meist einen Werksreset.
- Fotos zählen. Nicht „sieht vollständig aus“, sondern die Anzahl in der Galerie vergleichen.
- Offline-Inhalte prüfen: heruntergeladene Musik, Karten, Hörbücher, Streaming-Downloads. Die kommen nie mit.
- Ein echtes Backup des neuen Geräts anstoßen, bevor das alte gelöscht wird.
Erst danach kommt der Abschluss: Gerät aus allen Konten abmelden, iMessage und FaceTime deaktivieren, Werksreset, und beim Weiterverkauf die Reihenfolge einhalten, die im Beitrag zum sicheren Handyverkauf steht – Abmelden vor Löschen, sonst bleibt das Gerät mit dem Konto verknüpft und ist für den Käufer wertlos. Wenn du es behältst, ist ein altes Smartphone übrigens erstaunlich brauchbar; die Upcycling-Ideen für alte Handys reichen vom Überwachungsmonitor bis zum Wandtablet.
Was ein Umzug nicht reparieren kann
Ein Punkt, der selten jemandem gesagt wird: Eine vollständige Übertragung schleppt auch den ganzen Müll mit. Zehn Jahre App-Reste, Benachrichtigungsberechtigungen für Dinge, die du längst nicht mehr nutzt, Hintergrunddienste von drei verschiedenen Fitness-Apps. Wenn dein altes Gerät gegen Ende träge war, liegt das in vielen Fällen nicht nur an der Hardware.
Ich mache es deshalb inzwischen zweistufig: vollständige Übertragung, um nichts zu verlieren – und dann in der ersten Woche eine Runde aufräumen. App-Liste durchgehen, alles deinstallieren, was seit einem Jahr nicht geöffnet wurde, und die Berechtigungen neu setzen. Ein neues Gerät ist der einzige Moment, in dem man diese Arbeit tatsächlich macht.
Und weil die Frage jedes Jahr kommt: Ein Upgrade lohnt sich selten wegen des Prozessors. Es lohnt sich wegen des Akkus, wegen der Kamera und wegen der Update-Versorgung. Wenn dein aktuelles Gerät noch Sicherheitsupdates bekommt und der Akku in Ordnung ist, ist ein Akkutausch die vernünftigere Investition. Wenn die Updates auslaufen, ist der Wechsel keine Frage des Komforts mehr, sondern eine der Sicherheit – dann hilft auch der beste Umzugsassistent nicht mehr weiter.
