Auf der Verpackung steht 1 TB, Windows zeigt 931 GB. Bei einer 500-GB-SSD sind es 465, bei einer 2-TB-Platte 1862. Das ist keine Täuschung und auch kein Fehler, sondern ein Einheitenstreit, der seit Jahrzehnten nicht aufgelöst wird.

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Zwei Systeme, eine Abkürzung

Hersteller rechnen dezimal, wie überall sonst bei Maßeinheiten: 1 Kilobyte sind 1000 Byte, 1 Terabyte sind 1.000.000.000.000 Byte. Das ist korrekt nach SI.

Computer rechnen binär, in Zweierpotenzen: 1024 Byte, 1024 davon, und so weiter. Diese Einheiten heißen seit über zwanzig Jahren offiziell Kibibyte, Mebibyte, Gibibyte – abgekürzt KiB, MiB, GiB. Windows nutzt diese Werte, schreibt aber „GB“ daneben. Genau daraus entsteht die Differenz von rund sieben Prozent pro Stufe.

Nachrechnen kann man es leicht: Eine 1-TB-Platte hat 1.000.000.000.000 Byte. Geteilt durch 1024 dreimal ergibt 931 – und das zeigt Windows an. macOS und viele Linux-Oberflächen rechnen dagegen dezimal und zeigen 1000 GB. Dieselbe Platte, zwei Zahlen, beide richtig.

Was zusätzlich fehlt

Die Einheitenfrage erklärt den größten Teil, aber nicht alles. Dazu kommen:

  • Partitionen, die du nicht siehst. Eine EFI-Partition, eine Wiederherstellungspartition und bei Fertigrechnern oft eine Hersteller-Partition belegen zusammen einige Gigabyte.
  • Dateisystem-Verwaltung. NTFS legt Strukturen an, die Platz brauchen.
  • Reservierter Speicher für Updates. Windows hält mehrere Gigabyte frei, damit Aktualisierungen durchlaufen.
  • Overprovisioning bei SSDs. Ein Teil der Zellen ist für die interne Verwaltung reserviert und von außen gar nicht sichtbar.

Unterm Strich sind von einer 1-TB-SSD im Alltag etwa 900 GB nutzbar. Das ist normal.

Wann es ein echtes Problem ist

Verdächtig wird es, wenn deutlich mehr fehlt. Taucht ein großer unzugeordneter Bereich in der Datenträgerverwaltung auf, wurde die Platte nicht vollständig partitioniert – das passiert nach dem Klonen einer kleineren SSD auf eine größere, wenn die Partition nicht erweitert wurde. Zwei Klicks in der Datenträgerverwaltung lösen das.

Und wenn eine Platte plötzlich eine völlig andere Kapazität meldet als gekauft, ist das ein Warnsignal – bei Billigangeboten aus unklaren Quellen gibt es manipulierte Controller, die eine falsche Größe vorgeben. Was die Datenträger sonst über ihren Zustand verraten, steht im Beitrag zum Prüfen der SSD-Gesundheit.

Pro-Tipp: Beim Planen von Sicherungen immer mit der kleineren, binären Zahl rechnen. Wer 931 GB Daten auf eine „1-TB“-Platte schieben will, hat am Ende zu wenig Platz – ein Fehler, der beim Backup besonders ärgerlich ist. Die Logik dahinter steht im Beitrag zur 3-2-1-Backup-Regel.

Eine historische Fußnote zum Schluss: Dass die Laufwerke überhaupt bei C: anfangen, hat mit zwei verschwundenen Buchstaben zu tun – nachzulesen im Beitrag zu den Laufwerksbuchstaben unter Windows.

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Markus

Markus ist der Spezialist für Infrastruktur und Code bei Addis Techblog. Er übernimmt dort, wo Plug-and-Play aufhört. Mit seinem fundierten Hintergrund in der Netzwerktechnik dekonstruiert er komplexe Routing-Probleme, entwickelt effiziente Docker-Umgebungen (wie Nextcloud oder Pi-hole) und schreibt smarte Skripte für nahtlose Smart-Home-Integrationen. Seine Tutorials zeichnen sich dadurch aus, dass sie selbst anspruchsvollste Netzwerk-Protokolle strukturiert, sicher und praxisnah für den Homelab-Betrieb übersetzen.