Die erste Hälfte der DEL-Saison 2025/26 ist gespielt – und sie hatte es in sich. Viele Spiele verliefen enger als erwartet, Favoriten strauchelten, Außenseiter mischten mit. Es gab überraschende Serien, frühe Krisen und starke Comebacks. Kurzum: mehr als genug Stoff für ein erstes Zwischenfazit mit klaren Gewinnern und ebenso deutlichen Verlierern.

Eisbären Berlin: Meister mit Startschwierigkeiten
Nach dem Titelgewinn in der Vorsaison, dem dritten in den vergangenen vier Jahren, gingen die Eisbären Berlin erneut mit großen Ambitionen in die Spielzeit. Doch der Start verlief alles andere als souverän. Der amtierende Meister zeigte starke Phasen, ließ aber ebenso regelmäßig Punkte liegen. Die Folge: Berlin ist zur Halbzeit weit von der Tabellenspitze entfernt – zu wenig für ein Team, das sportlich und finanziell zur Elite der Liga zählt. Ein Hauptgrund liegt im enormen Verletzungspech. Kapitän Kai Wissmann fehlte monatelang mit Achillessehnenriss, Patrick Khodorenko fällt nach einer schweren Knieverletzung die gesamte Saison aus. Ty Ronning und Marcel Noebels verpassten wochenlang Spiele, auch Verteidiger Korbinian Geibel war lange außen vor.
Trotzdem sind die Eisbären noch voll im Rennen. Viele Buchmacher ohne Sperrdatei führen die Berliner als Topfavoriten. Die Saison ist lang, die Erfahrung riesig. Für Quotenjäger unter Wettfreunden könnte jetzt der richtige Moment für eine mutige Langzeitwette sein.
Grizzlys Wolfsburg: Auf der Suche nach Stabilität
Die Grizzlys Wolfsburg stehen sinnbildlich für eine schwierige Hinrunde. Eigentlich gelten sie als Inbegriff von Konstanz, doch 2025/26 hakt es. Aktuell rangiert das Team nur im unteren Mittelfeld. Einer der Gründe: der massive Kaderumbruch im Sommer. Zahlreiche Leistungsträger verließen den Klub, allen voran Identifikationsfigur Gerrit Fauser, der nach zwölf Jahren seine Karriere beendete.
Die vielen Neuzugänge brauchen Zeit. Zwar zeigen die Grizzlys in einzelnen Spielen ihr Potenzial, doch die Konstanz fehlt. Trainer Mike Stewart sucht noch die richtige Balance. Hinzu kommt Verletzungspech: Besonders bitter ist der langfristige Ausfall von Shootingstar Matt Choupani, der sich Ende Oktober schwer verletzte und monatelang fehlen wird.
ERC Ingolstadt: Die positive Überraschung
Ganz anders die Stimmung beim ERC Ingolstadt. Dort darf man mit dem bisherigen Saisonverlauf mehr als zufrieden sein. Trotz sieben Abgängen im Sommer – darunter Leistungsträger wie Fabio Wagner und Charles Bertrand – blieb der Kern der Mannschaft zusammen. Genau diese Kontinuität erwies sich als großer Vorteil. Trainerstab und Team mussten nicht bei null anfangen, sondern konnten auf bestehenden Abläufen aufbauen. Das Spielsystem wurde weiter verfeinert, die Abläufe griffen früh und sorgten für Stabilität von Beginn an.
Vor allem offensiv setzt Ingolstadt klare Maßstäbe. Keine andere Mannschaft erzielte zur Saisonhälfte mehr Tore. Die Angriffe wirken strukturiert, schnell und variabel. Hinzu kommt eine enorme Heimstärke: In der Saturn-Arena ist der ERC bislang nahezu unschlagbar und das beste Heimteam der Liga. Stabil, selbstbewusst und effizient – Ingolstadt präsentiert sich aktuell wie ein echter Titelkandidat.
Einige Spieler in herausragender Form
Riley Barber ist das klare Gesicht des Ingolstädter Höhenflugs. In seiner ersten DEL-Saison übernimmt der US-Amerikaner sofort eine Führungsrolle – sportlich wie emotional. Barber ist ständig anspielbar, sucht Abschlüsse und trifft die richtigen Entscheidungen im letzten Drittel. Mit 41 Scorerpunkten aus 30 Spielen ist er die zentrale Figur der besten Offensive der Liga und sorgt mit seinem Tempo sowie seiner Abschlussstärke regelmäßig für Unruhe bei gegnerischen Defensivreihen. Für viele Gegner ist er bereits der Spieler, an dem sich alles orientiert.
Auch bei den Kölner Haien stechen zwei Namen besonders hervor. Gregor MacLeod bestätigt einmal mehr seine Schlüsselrolle im Team. Mit 38 Scorerpunkten aus 30 Spielen ist er der offensive Fixpunkt und gibt dem Spiel Struktur. Neuzugang Patrick Russell überzeugt ebenfalls sofort. Der Däne kommt bereits auf 37 Scorerpunkte, bringt Energie, Physis und Abschlussqualität – und verleiht der Kölner Offensive eine spürbar neue Dynamik.
Zur Halbzeit zeigt sich: Die DEL bleibt unberechenbar. Favoriten kämpfen, Überraschungen marschieren. Genau das macht Lust auf die kommenden Monate. Die Playoff-Plätze sind heiß umkämpft – und viele Geschichten dieser Saison sind noch längst nicht zu Ende erzählt.
