Transparenzhinweis: Alle technischen Daten und Preise in diesem Beitrag stammen aus der offiziellen Pressemitteilung von xTool sowie ergänzender Recherche. Ich hatte das Gerät noch nicht selbst auf dem Schreibtisch – es ist also kein Testbericht, sondern eine Einordnung dessen, was xTool ankündigt.
Vier Maschinen, vier Tintensysteme, vier Reinigungsroutinen und ein Schreibtisch, der irgendwann aussieht wie ein kleines Logistikzentrum – das ist der Alltag vieler Maker und kleiner Shops, sobald sie nicht nur auf ein Material drucken wollen. Genau dieses Chaos kenne ich aus meiner eigenen Ecke nur zu gut: Hier ein UV-Drucker für Acryl, dort ein Heißpresse-Setup für DTF-Folien, dazwischen der 3D-Drucker, der eh schon den halben Tisch belegt. xTool will diesem Wildwuchs jetzt ein Ende setzen – mit einer Gerätekategorie, die es so vorher schlicht nicht gab.
Ein Drucker, der die Materialgrenze einfach ignoriert
Seit dem 29. Juni läuft die Vorbestellphase für den xTool O1 Omni Printer, und xTool nennt das Ding nicht ohne Grund „Omni“. Der Anspruch: ein einziges Desktop-System, das feste Materialien und Stoffe bedruckt. Holz, Acryl, Glas, Metall, Keramik auf der einen Seite – Baumwolle, Polyester und Mischgewebe auf der anderen. Laut Hersteller ist es der erste All-in-One-Desktop-Drucker, der das in einem Gerät vereint, statt dich zwischen „Hartware“ und „Textil“ wählen zu lassen.

Der Clou steckt im Begriff selbst. Bisher hattest du es immer mit Spezialisten zu tun: Ein UV-Drucker härtet Tinte direkt auf harte Oberflächen aus – super für Schilder, Phone-Cases oder Plaketten, aber Textilien? Fehlanzeige. Ein DTG-Drucker (Direct-to-Garment) bringt Pigmenttinte direkt in die Baumwollfaser, fühlt sich weich an – funktioniert aber nicht auf Glas. Und DTF (Direct-to-Film) druckt erst auf eine Folie, die dann per Hitze aufs Shirt gepresst wird. Jedes Verfahren ist für sich stark, aber jedes lebte bisher in seiner eigenen Maschine. Der O1 Omni packt UV, UV-DTF, DTG und DTF unter ein Dach. Stell dir das vor wie den Wechsel vom Schraubenzieher-Set mit fünf Einzelwerkzeugen zum guten Bit-Schrauber: gleicher Job, aber du greifst nicht mehr ständig in eine andere Schublade.
Die Hardware: Dual-Head als Herzstück
Technisch baut der ganze Spaß auf einer aufrüstbaren Dual-Head-Architektur auf – und das ist der Teil, bei dem mein Bastlerherz hüpft. Du hast zwei Druckköpfe, und je nach Konfiguration entscheidest du, was sie tun sollen. In der reinen UV-Variante laufen beide Köpfe parallel auf UV-Druck, was nicht nur Tempo bringt, sondern auch mehrschichtige Effekte ermöglicht: weiße Grundierung, Farbe, Klarlack-Relief obendrauf – alles in einem Durchgang.
Wer auf Effekte steht, schaut sich die Dual-Head UV Edition genauer an: Die unterstützt laut xTool flexible Tinten, weiche und harte Weißtinten sowie fluoreszierende Neon-Tinten für Blacklight-Effekte. Wer schon mal versucht hat, mit Standard-Setup ein vernünftiges Schwarzlicht-Motiv hinzubekommen, weiß, dass das normalerweise eine Materialschlacht ist. Hier ist es Teil des Systems.
Die spannendste Variante für den Mischbetrieb ist die UV + Fabric Edition. Ein Kopf bleibt beim UV-Druck, der zweite übernimmt Textil – also DTG und DTF. Das Tintensystem ist OEKO-TEX®-zertifiziert (in manchen Mitteilungen wird auch GREENGUARD bei den UV-Tinten genannt), und xTool verspricht, dass die Textildrucke über 50 Waschgänge ohne Ausbleichen überstehen. Das ist eine Hersteller-Angabe – im Alltag will ich sowas immer selbst durch die Waschmaschine jagen, bevor ich’s glaube. Aber als Ansage ist es stark.
Drumherum gibt’s ein Zubehör-Ökosystem, das den Funktionsumfang nochmal aufbohrt: ein Rotary-Attachment für zylindrische Objekte wie Tassen und Trinkflaschen (xTool nennt eine Abdeckung von rund 90 % aller gängigen Becher und Tumbler), eine DTG-Platte für Textilien und eine Laminator-Integration. Mit dem Roll-Feeder samt Laminator sollen sich UV-DTF-Transfers von bis zu 15 Metern Länge am Stück produzieren lassen – das ist Kleinserien-Territorium, nicht mehr nur Einzelstück-Spielerei.
Pixel-Scan™ Vision: Hinlegen, drucken, fertig
Wenn ich ehrlich bin, ist nicht die Tintenliste der Punkt, der mich am meisten kitzelt, sondern das Pixel-Scan™-Bildverarbeitungssystem. Denn der wahre Zeitfresser beim Bedrucken unförmiger Objekte ist nie der Druck selbst – es ist das ewige Ausrichten, Höhe einstellen, Jigs bauen und Fehldrucke korrigieren. Wer schon mal versucht hat, ein Logo mittig auf einen leicht gewölbten Deckel zu setzen, kennt diesen speziellen Frust.
xTool kombiniert hier zwei Dinge. Erstens eine lasergesteuerte Höhenmessung (Line Laser Altimetry), die den höchsten Punkt eines Objekts erkennt, die Druckhöhe automatisch setzt und so verhindert, dass der Druckkopf irgendwo aneckt. Zweitens ein 1:1-CIS-Scanning, das die Objektoberfläche verzerrungsfrei und ohne tote Zonen erfasst – anders als eine Kamera, die an den Rändern gerne mal verzieht. Das Ergebnis nennt xTool „Drop & Print“: Du legst das Teil einfach auf das Bett, das System erkennt Position und Form, und der Druck sitzt – ohne dass du Schablonen baust. Für zylindrische Objekte gibt’s sogar eine 3D-Modell-Vorschau in Echtzeit, damit du vorher siehst, wie das Motiv um die Rundung läuft.
Das ist genau die Art von Funktion, die auf dem Datenblatt langweilig klingt und in der Praxis den Unterschied zwischen „macht Spaß“ und „landet nach drei Wochen im Schrank“ ausmacht.
Software & Wartung: weniger Frickeln, mehr machen
Die xTool Studio-Software ist der zweite Hebel. KI-gestützte Konturerkennung und automatische Ausrichtung nehmen dir die Fummelei ab, und ein besonders cleveres Detail ist der nahtlose Laser-+-UV-Workflow: Du schneidest ein Werkstück auf einem xTool-Laser zu, legst es auf den O1 – und die Software erkennt und richtet den Druck automatisch aus, ganz ohne manuelle Neukalibrierung. Für alle, die ohnehin schon im xTool-Ökosystem unterwegs sind (Stichwort xTool-Laser), ist das ein echter Brückenschlag zwischen Schneiden und Bedrucken.
Dazu kommt eine Texturen-Bibliothek mit über 2.000 Vorlagen für 3D-Reliefs bis 7 mm Höhe sowie ein Lenticular-3D-Generator – also dieser Wackelbild-Effekt, der je nach Blickwinkel das Motiv verändert. Das ist Spielerei im besten Sinne, und genau die Sorte Feature, mit der ich vermutlich einen ganzen Sonntag verbrennen würde.
Beim Thema Wartung wird’s dann erwachsen. Zwei Tintensysteme bedeuten normalerweise zwei Reinigungsroutinen – und Weißtinte ist berüchtigt dafür, einzutrocknen, wenn man die Maschine mal zwei Wochen stehen lässt. xTool kontert mit SmartCycle™ 2.0: automatisches Rühren der Weißtinte, Zirkulation und ein „Smart Hydration System“, das den Drucker auch nach längeren Pausen einsatzbereit halten soll. Es gibt eine 14-tägige Wartungsfunktion für längere Standzeiten, einen integrierten Luftfilter und die erwähnten GREENGUARD-zertifizierten Tinten. Wer schon mal einen verstopften Druckkopf freigespült hat, weiß, wie viel so eine Automatik wert sein kann – falls sie hält, was sie verspricht.
Für wen ist das gedacht?
xTool zielt klar auf drei Gruppen. Kleine Unternehmen, die ihr Sortiment erweitern wollen, ohne für jede neue Produktidee gleich eine neue Maschine zu kaufen – aus einem digitalen Design werden plötzlich Schilder, Shirts, Tassen und Sticker. Designer, die komplexe Artworks in echte, anfassbare Produkte übersetzen: Gebrauchsgegenstände, Textilien, hochwertige Verpackungen, Geschenke. Und natürlich die Maker-Community, für die Vollfarbdruck und außergewöhnliche Materialvielfalt einfach neue Spielwiesen aufmachen.
Wenn du dich in unserer Ecke wohlfühlst – also dort, wo 3D-Druck und Homelab aufeinandertreffen –, dann ist der O1 Omni für dich vor allem die nächste Stufe nach dem Schneiden und Drucken in 3D: Der Schritt, bei dem deine Objekte Farbe, Textur und Logos bekommen. Es ist kein Gerät für jemanden, der einmal einen Untersetzer gravieren und das Wochenende für beendet erklären will. Es ist für Leute, die produzieren wollen.
Preise, Modelle & Verfügbarkeit
Jetzt zum Teil, der für die meisten von euch entscheidend ist. xTool startet mit drei Konfigurationen, und die Vorbestell-Preise (die deutlich unter der späteren UVP liegen) sehen so aus:
- O1 Omni UV Edition: 1.549 € Vorbestellung / 2.299 € UVP
- O1 Omni Dual-Head UV Edition: 2.499 € Vorbestellung / 3.099 € UVP
- O1 Omni UV + Fabric Edition: 2.549 € Vorbestellung / 3.199 € UVP
Die Vorbestellphase startet heute, am 29. Juni. International läuft das Ganze über eine Anzahlung, mit der man sich die Early-Bird-Konditionen plus ein Bonuspaket sichert. Die weltweite Markteinführung samt finaler Restzahlung ist für Mitte Juli geplant – die tatsächliche Auslieferung der ersten Geräte nennt xTool allerdings erst ab August 2026. Wer also mit dem Gedanken spielt, kann sich jetzt einen Platz in der ersten Reihe reservieren – die offiziellen Konditionen findest du direkt bei xTool.
Ein ehrliches Wort zum Schluss: Zwei Druckköpfe mit zwei Tintenchemien klingen genial, bedeuten in der Praxis aber auch zwei Wartungswelten und eine Kalibrierung, die xTool selbst als technische Herausforderung beschreibt. Der eigentliche Härtetest ist nicht das Datenblatt, sondern der Shop-Alltag – Köpfe ausrichten, Material wechseln, Folie handhaben, sauber halten. Genau das werde ich beobachten, sobald die ersten echten Geräte im Umlauf sind. Bis dahin gilt: Die Idee, vier Maschinen auf eine zu reduzieren, ist verdammt verlockend. Und wenn xTool nur die Hälfte der Versprechen einlöst, verschiebt das die Messlatte für Desktop-Drucker spürbar nach oben.
Mehr aus der Werkstatt findest du in unserer Übersicht zum 3D-Druck.
