Wochenlang haftet jeder Druck, dann plötzlich nicht mehr. Der Z-Offset ist unverändert, die Temperatur stimmt, das Filament ist dasselbe. In neun von zehn Fällen ist die Ursache banal: Du hast die Druckplatte angefasst.
Fingerfett ist der Haftungskiller
PEI-Platten haften über eine chemische Verbindung zwischen Kunststoff und Oberfläche. Ein dünner Fettfilm reicht, um diese Verbindung an einer Stelle zu verhindern – und genau dort hebt die Ecke ab. Fett kommt von Fingern, von Handcreme, aus der Luft in einer Küche und von Weichmachern aus Klebestiften oder Haarspray, falls du damit früher gearbeitet hast.
Deshalb: Platte nur an den Kanten anfassen. Das ist die eine Angewohnheit, die mehr bringt als jede Einstellung.

Die Reinigung in zwei Stufen
Zwischendurch: Isopropanol. 99-prozentiges IPA auf ein fusselfreies Tuch, Platte abwischen, trocknen lassen. Das ist die schnelle Runde zwischen zwei Drucken und reicht bei leichter Verschmutzung.
Alle paar Wochen: warmes Wasser und Spülmittel. Das ist der Schritt, den viele überspringen, und er ist der wirksamere. IPA löst Fett nur teilweise und verteilt es auf einer stark verschmutzten Platte eher, als es zu entfernen. Spülmittel ist ein Tensid und genau dafür gemacht. Platte abnehmen, im Waschbecken mit warmem Wasser und einem Tropfen Spülmittel abwaschen, gründlich nachspülen, mit einem Papiertuch trocknen – kein Küchentuch mit Weichspüler, das hinterlässt selbst einen Film.
Bei strukturierten PEI-Platten sitzen Kunststoffreste in der Textur. Dort hilft eine weiche Bürste, aber nichts Scheuerndes und keine Drahtbürste.
Was du weglässt
- Aceton auf PEI. Greift die Oberfläche an und macht sie stumpf. Für Glasplatten in Ordnung, für PEI nicht.
- Metallspachtel mit Gewalt. Jeder Kratzer in einer glatten PEI-Schicht ist dauerhaft und hinterlässt eine Stelle, an der später gar nichts mehr haftet.
- Scheuermilch, Stahlwolle, Schmirgelpapier – außer im Sonderfall unten.
- Kaltes Ablösen mit Kraft. Warte, bis die Platte auf Raumtemperatur ist; PLA löst sich dann meist von selbst.
Der Sonderfall: Eine glatte PEI-Platte kann nach vielen Drucken an häufig genutzten Stellen glänzend werden, und dort lässt die Haftung nach. Ein vorsichtiges Anrauen mit feinem Schleifvlies stellt die Oberfläche wieder her – gleichmäßig über die ganze Fläche, nicht nur an der Stelle, damit sie plan bleibt. Das ist die Ausnahme, nicht die Routine.
Pro-Tipp: Bevor du bei Haftungsproblemen an der Reinigung anfängst, prüfe die Reihenfolge. Hebt das Bauteil erst nach mehreren Schichten an den Ecken ab, ist es Warping und kein Fett. Klebt die erste Schicht schon beim Auftragen nicht, geht es um Z-Offset, Temperatur oder eben die Platte. Wie du beides auseinanderhältst, steht im Beitrag zur ersten Schicht im 3D-Druck, die Notfallmaßnahmen im Beitrag 3D-Druck-Schicht haftet nicht, und die systematische Suche bei allem anderen im Beitrag 3D-Druck-Fehler beheben.
