Ich habe mir das Apple-Event am vergangenen Dienstag angesehen, weil ich wissen wollte, ob der viel beschriebene Smart-Home-Hub tatsächlich kommt. Er kommt – nur nicht zu uns. Das ist in einem Satz das Ergebnis des Abends, und es ist frustrierender, als es klingt, weil der Rest der Ankündigung für Leute mit einem gewachsenen Smart Home durchaus interessant ist.
In unserem News-Überblick zur KW 42 stand vorab, was erwartet wurde – damals war fast alles Gerücht. Jetzt sind die Fakten da, inklusive Preisen und Terminen. Hier steht, was angekündigt wurde, was davon in Deutschland kaufbar ist und was das für ein Smart Home bedeutet, das nicht aus einem einzigen Markenuniversum besteht.

Was tatsächlich vorgestellt wurde
Vier Dinge, in der Reihenfolge ihrer Bedeutung für den Alltag:
- HomeView – ein stationärer Hub mit 7-Zoll-Display, Lautsprecher, Mikrofonen und Kamera, wahlweise auf einem Standfuß oder an der Wand. 299 US-Dollar für beide Varianten.
- HomePod mini 2 – der kleine Lautsprecher in zweiter Generation, 169 Euro, in fünf Farben.
- Apple TV 4K in vierter Generation – 349 Euro, erstes Hardware-Update seit 2022.
- Home Collection – eine Produktlinie mit LG Electronics und Schneider Electric: Thermostate, Temperatursensoren, ein Türschloss und vier Kameras.
Der rote Faden dahinter ist klar erkennbar. Apple war im Smart Home jahrelang der kleinste der drei großen Anbieter, mit einer Bedienung, die im Wesentlichen aus dem iPhone bestand. Jetzt kommen Anzeigegerät, Zentrale und eigene Hardware dazu. Das ist ein später, aber ernst gemeinter Angriff auf ein Feld, das bisher Amazon und Google unter sich aufgeteilt hatten.
HomeView: das Gerät, das wir hier nicht bekommen
Das Kernstück ist ein Display für die Küche oder den Flur. Es erkennt bis zu sechs Personen und zeigt jeder davon einen eigenen Startbildschirm, es kann FaceTime, Musik und die Steuerung der angeschlossenen Geräte per Touch oder Zuruf. Das Dashboard arbeitet mit neun Kacheln, auf denen unter anderem bis zu neun Kamerabilder gleichzeitig laufen können.
Verkauft wird es zunächst in acht Ländern: USA, Großbritannien, Kanada, Australien, Neuseeland, Indien, Singapur und Südafrika. Die EU ist nicht dabei. Der genannte Grund ist die Sprachassistenz, die das Gerät trägt und die in der EU derzeit nicht ausgeliefert wird; Apple erklärt dazu, man arbeite an einer Lösung. Ein Termin für Deutschland existiert nicht, und es gibt bislang auch keine angekündigte abgespeckte Variante ohne diese Funktionen.
Mich ärgert daran weniger das Gerät selbst – ein Display mit Kamera und Mikrofon in der Küche ist ohnehin eine Entscheidung, die man bewusst treffen sollte – als das Muster. Wir sind inzwischen gewohnt, bei Funktionen hinterherzuhinken, und die Begründung wechselt je nach Anbieter zwischen Regulierung und Verfügbarkeit. Für die Kaufentscheidung heißt das schlicht: Auf HomeView zu warten, ist derzeit keine Planung, sondern Hoffnung.
Was in Deutschland kaufbar ist – und was es kostet
Zwei Geräte sind hier regulär bestellbar, und bei beiden sind Preis und Termin bekannt.
HomePod mini 2 kostet 169 Euro, ist seit dem Eventtag vorbestellbar und wird laut Apples Produktseite ab dem 30. Oktober ausgeliefert. Neu sind ein schnellerer Chip, der die Wiedergabe in Echtzeit anpassen soll, und eine Lichtanzeige auf der Oberseite, die auf die Musik reagiert und Farben vom Albumcover übernimmt. Zwei Geräte lassen sich zu einem Stereopaar koppeln, mit der neuen Streaming-Box sogar vier Stück zu einem Raumklang-Set, das seine Positionen selbst erkennen soll. Praktisch für alle: Der Lautsprecher erkennt die Signaltöne von Rauch- und CO-Meldern und kann melden, wenn im Haus etwas piept – vorausgesetzt, alle beteiligten Geräte sind auf aktuellem Stand. Was so ein Melder leisten muss und wo die Grenzen liegen, habe ich bei den smarten Rauchmeldern und Wassersensoren aufgeschrieben.
Apple TV 4K kostet 349 Euro, ist seit dem Eventtag vorbestellbar und kommt am 13. November in den Handel – also zwei Wochen nach dem Lautsprecher. Apple verteilt die Markteinführungen in diesem Herbst auf mehrere Freitage hintereinander, und der 13. November ist derselbe Tag, an dem in den acht Startländern auch HomeView erscheint. Schnellerer Prozessor, ein Decoder für hohe Qualität bei wenig Bandbreite und drei Fernfeldmikrofone für die Bedienung ohne Fernbedienung. Für uns wichtiger: Die Box arbeitet weiterhin als Matter-Zentrale – das konnte der Vorgänger schon, bleibt aber der eigentliche Grund, warum man so ein Gerät im Smart Home überhaupt haben will. Die neue Sprachassistenz kommt mit einem späteren Systemupdate in nur sieben Ländern, Deutschland ist nicht dabei; die Mikrofone arbeiten hier also mit der bisherigen Variante.
Eine Zahl zur Einordnung, weil sie in den Jubelmeldungen untergeht: Das beworbene Raumklang-Set aus vier HomePod mini 2 und einer neuen Streaming-Box kostet zusammen 1.025 Euro – und ist vor dem 13. November nicht vollständig lieferbar. Dafür bekommt man eine ordentliche Stereoanlage. Wer vor allem besseren Fernsehton will, sollte zuerst die Einstellungen am Fernseher prüfen, bevor er Lautsprecher kauft; was dort ab Werk falsch steht, steht in meinem Beitrag Fernseher richtig einstellen.
Die Home Collection: Apple verkauft jetzt Thermostate und Türschlösser
Das ist der Teil, der mich am meisten überrascht hat. Zusammen mit LG Electronics und Schneider Electric gibt es künftig Hardware, die Apple selbst vertreibt und die sich mit einem Tipp einrichten lässt, ohne App des Herstellers. Die US-Preise:
- Videotürklingel mit 2,5K-Auflösung: 250 Dollar
- Flutlichtkamera mit Bewegungssensor: 400 Dollar
- Außenkamera mit Nachtsicht: 300 Dollar
- Innenkamera: 200 Dollar
- Türschloss: 350 Dollar – es erkennt per Ultrabreitband, ob sich ein Telefon oder eine Uhr nähert, und öffnet automatisch; zusätzlich NFC, PIN und ein verstecktes Notschloss
- Thermostate: zwei Modelle für je 200 Dollar, eines von LG, eines von Schneider Electric; separate Temperatursensoren je 40 Dollar
Verfügbar sein soll das Ganze ab Dezember 2026 – EU-Preise und ein EU-Termin fehlen bislang. Die Aufnahmen der Kameras landen im Cloud-Abo mit zehn Tagen Verlauf.
Beim Türschloss lohnt der nüchterne Blick: Ein Schloss, das sich öffnet, weil ein Telefon in der Nähe ist, ist bequem und verschiebt die Sicherheitsfrage auf das Telefon. Und bei Mietwohnungen bleibt die Frage, was der Vermieter zum Austausch sagt – was ohne bauliche Veränderung geht, habe ich in Smarthome für Mieter zusammengetragen.
Das wichtigste Wort des Abends heißt Matter
Und jetzt kommt der Teil, der auch für Leute zählt, die kein einziges Apple-Gerät besitzen: Die gesamte Home Collection unterstützt Matter. Das heißt, diese Thermostate, Kameras und das Türschloss lassen sich grundsätzlich auch in andere Systeme einbinden – in Home Assistant, in eine andere Zentrale, in ein gemischtes Setup.
Das ist keine Nebensächlichkeit. Es bedeutet, dass ein großer Anbieter weiter auf den gemeinsamen Standard setzt, statt eine geschlossene Insel zu bauen. Was Matter technisch ist und wie es sich von Zigbee und Z-Wave unterscheidet, erklärt die Connectivity Standards Alliance auf ihrer Matter-Seite; meine praktische Einordnung nach Jahren im Mischbetrieb steht in Matter, Zigbee oder Z-Wave, und was sich mit Matter 1.4 bei batteriebetriebenen Sensoren geändert hat, in diesem Beitrag.
Ehrlich bleiben muss man trotzdem: Matter auf der Verpackung heißt nicht, dass alle Funktionen in jedem System ankommen. Hersteller halten Zusatzfunktionen regelmäßig in der eigenen App zurück, und die Einrichtung über Systemgrenzen hinweg ist nach wie vor die Stelle, an der es hakt – mein gescheiterter Praxistest mit Matter over Thread ist dafür ein Lehrstück. Erwarte also die Grundfunktionen, nicht den vollen Funktionsumfang.
Praktisch heißt das zwei Dinge. Erstens: Wer die neue Streaming-Box kauft, bekommt damit nicht nur ein Abspielgerät, sondern eine Zentrale, über die Matter-Geräte erreichbar bleiben, auch wenn gerade niemand zu Hause ist – genau dafür braucht es ein dauerhaft eingestecktes Gerät im Netz. Zweitens: Die Geräte der Home Collection sind damit auch für Leute interessant, die gar keine Apple-Zentrale betreiben. Ein Thermostat, das Matter spricht, ist zuerst ein Thermostat und erst danach ein Apple-Produkt. Ob und wann die Linie in Deutschland erscheint, ist allerdings offen – und bis dahin ist die Auswahl an Matter-Thermostaten hier ohnehin größer, als die Ankündigung vermuten lässt.
Was das für ein bestehendes Smart Home bedeutet
Meine Einschätzung nach zwei Tagen Nachdenken, für Leute, deren Zuhause bereits aus mehreren Marken besteht:
- Nichts umbauen. Es gibt keinen Grund, eine funktionierende Zentrale zu ersetzen. Die neuen Geräte sind Ergänzungen, keine Voraussetzung.
- Die Zentrale bleibt die wichtigste Entscheidung. Wer Automationen baut, die auch funktionieren sollen, wenn das Internet weg ist, braucht etwas, das lokal arbeitet – die Argumente dafür stehen in Smart Home ohne Cloud, die Hardwarefrage in meinem Hardware-Guide für Home Assistant.
- Ein Display ist kein Hub. Wer ein Bedienpanel an der Wand will, muss nicht auf HomeView warten. Ein altes Tablet an der Wand leistet dasselbe und kostet nichts – wie das geht, steht in Dein Tablet als Smart-Home-Zentrale.
- Beim Neukauf auf Matter achten, aber auf die Details schauen: Welche Funktionen stehen ohne Hersteller-App zur Verfügung, und über welchen Funkweg läuft das Gerät?
- Kamera und Mikrofon sind eine eigene Entscheidung. Ein Gerät, das Gesichter erkennt und permanent zuhört, gehört nicht in jeden Raum – unabhängig davon, welcher Anbieter daraufsteht.
Was ich kaufen würde – und was nicht
Interessant, wenn ohnehin ein Ersatz ansteht: der HomePod mini 2 als Musiklautsprecher in Küche oder Bad, und die neue Streaming-Box für alle, die eine Matter-Zentrale und ein gutes Streaming-Gerät in einem Gerät haben wollen. Beide tun, was sie sollen, auch ohne die fehlende Sprachassistenz.
Würde ich nicht kaufen: das Raumklang-Set für 1.025 Euro, solange man nicht genau dieses Ökosystem will. Und keine Hardware auf Verdacht, weil ein Hub vielleicht irgendwann kommt – das ist der klassische Fehlkauf, bei dem man Geräte für eine Zukunft kauft, deren Termin niemand nennt.
- Prüfen, ob die vorhandene Zentrale Matter-Geräte aufnimmt
- Bei neuen Geräten vor dem Kauf nachsehen, welche Funktionen ohne Hersteller-App laufen
- Lieferdaten im Blick behalten: Lautsprecher ab 30. Oktober, Streaming-Box ab 13. November
- Bei Kameras an die laufenden Kosten denken – der Verlauf hängt am Abo
- Nicht auf HomeView warten: kein EU-Termin, keine Preisangabe
Was bleibt, ist ein zwiespältiger Eindruck. Die Ankündigung ist die beste Nachricht für den Standard Matter seit Langem, weil ein weiterer großer Anbieter eigene Hardware darauf aufbaut, statt daneben. Und sie ist gleichzeitig die nächste Ankündigung, bei der wir hier zusehen. Für alle, die ihr Zuhause gerade erst aufbauen, ändert sich dadurch wenig: Die Reihenfolge bleibt Zentrale, Standard, dann Geräte – und die häufigsten Fehler dabei habe ich in Warum Smart-Home-Setups scheitern aufgeschrieben.