IP67 klingt nach „wasserdicht“, IP65 nach „fast genauso wasserdicht“. Beides ist falsch. Die zweite Ziffer ist keine Skala, auf der höher automatisch besser heißt – und genau daran scheitern die meisten Kaufentscheidungen.

Zwei Ziffern, zwei völlig verschiedene Dinge

Wassertropfen auf der Rückseite eines blauen Smartphones
Spritzwasser, Strahlwasser, Untertauchen: drei verschiedene Prüfungen.

Die erste Ziffer steht für den Schutz gegen Fremdkörper und Berührung, die zweite für den Schutz gegen Wasser. Laut Wikipedia zur Schutzart bedeuten die Werte der zweiten Ziffer:

  • 4 – Schutz gegen allseitiges Spritzwasser
  • 5 – Schutz gegen Strahlwasser aus beliebigem Winkel
  • 6 – Schutz gegen starkes Strahlwasser
  • 7 – Schutz gegen zeitweiliges Untertauchen
  • 8 – Schutz gegen dauerndes Untertauchen, soweit nicht anders angegeben bis ein Meter Wassertiefe

Hier steckt der Haken: Bei den Werten 7 und 8 schließt die höhere Stufe die niedrigeren nicht automatisch mit ein. Ein Gerät mit IP67 ist also für kurzes Untertauchen geprüft – aber nicht zwingend für einen Wasserstrahl aus dem Gartenschlauch. Wenn beides gelten soll, wird das ausdrücklich doppelt angegeben.

Was das praktisch heißt

Für eine Außenkamera unter dem Dachvorstand reicht IP65 meistens völlig, weil dort nie Wasser steht. Für eine Steckdose im Boden eines Gewächshauses ist IP65 dagegen zu wenig, weil nach Starkregen genau das passiert. Und für ein Smartphone ist IP68 beruhigend, aber kein Freibrief: Die Prüfung findet mit klarem, stehendem Süßwasser statt, nicht mit Salzwasser, Seife oder einem Chlorbecken.

Pro-Tipp: Achte auf ein X in der Angabe. IPX4 heißt, dass der Fremdkörperschutz gar nicht geprüft wurde – nicht, dass er bei null liegt. Hersteller nutzen das völlig legitim, es sagt dir nur, dass du zu dieser Ziffer keine Information hast.

Die Angabe altert mit

Das ist der Punkt, der in Produktbeschreibungen nie steht: Eine Schutzart wird am neuen Gerät geprüft. Dichtungen härten aus, Schrauben lockern sich, ein Sturz verzieht das Gehäuse. Nach drei Jahren Außeneinsatz ist die Angabe auf dem Typenschild eine Herkunftsbezeichnung, keine Zustandsbeschreibung. Bei Geräten, die du selbst geöffnet hast, gilt sie ohnehin nicht mehr.

Es gibt dafür einen simplen Gegencheck: Lässt sich das Gehäuse überhaupt öffnen, ohne die Dichtung zu beschädigen? Geräte, bei denen die Dichtung ein eigenes Ersatzteil ist, behalten ihre Schutzart über Jahre. Geräte mit verklebter Schale verlieren sie beim ersten Eingriff dauerhaft – unabhängig davon, wie sorgfältig man arbeitet.

Beim Kauf von Außentechnik lohnt es daher, auf Dichtungen zu schauen, die man tauschen kann, und auf Gehäuse, die nach unten entwässern. Welche Kriterien bei Außenkameras noch zählen, steht in der Kaufberatung für Außenkameras; für Technik im Gartenhaus ist der Beitrag zur Frostwächter-Steckdose die passende Ergänzung.

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Markus

Markus ist der Spezialist für Infrastruktur und Code bei Addis Techblog. Er übernimmt dort, wo Plug-and-Play aufhört. Mit seinem fundierten Hintergrund in der Netzwerktechnik dekonstruiert er komplexe Routing-Probleme, entwickelt effiziente Docker-Umgebungen (wie Nextcloud oder Pi-hole) und schreibt smarte Skripte für nahtlose Smart-Home-Integrationen. Seine Tutorials zeichnen sich dadurch aus, dass sie selbst anspruchsvollste Netzwerk-Protokolle strukturiert, sicher und praxisnah für den Homelab-Betrieb übersetzen.