Ein Kit aus zwei 16-GB-Riegeln DDR5-6000 kostet aktuell mindestens 447 Euro. Vor der Krise waren das gut 80. Der Preisindex für DDR5 steht beim 5,6-Fachen des Niveaus von Juli 2025, bei DDR4 sind es 3,9 – und DDR4 hat im vergangenen Monat stärker zugelegt als DDR5. Das ist keine Delle mehr, das ist eine neue Preislage.
Ich habe die Zahlen zusammengetragen, Stand 17. Oktober 2026, und sortiere sie hier nach der einzigen Frage, die am Ende zählt: Was bedeutet das für deinen nächsten Kauf? Vorweg die unangenehme Kurzfassung – warten hilft nach aktueller Prognoselage nicht, und das ist das Gegenteil dessen, was man sonst bei Technik rät.

Die Indexwerte: wie weit es nach oben ging
Die folgenden Werte stammen aus dem Preisindex, den PC Games Hardware in seiner Oktober-Analyse aufbereitet hat. Basis ist jeweils Juli 2025, also das Niveau vor der Krise.
| Produktgruppe | Index Oktober | Veränderung zum Vormonat | Faktor ggü. Juli 2025 |
|---|---|---|---|
| DDR5-Arbeitsspeicher | 559 % | +2,7 % | 5,6-fach |
| DDR4-Arbeitsspeicher | 388 % | +19,0 % | 3,9-fach |
| SODIMM (Notebook-RAM) | 417 % | +6,8 % | 4,2-fach |
| Interne SSDs | 247 % | +9,6 % | 2,5-fach |
| Interne Festplatten | 258 % | +0,6 % | 2,6-fach |
| Externe Festplatten | 202 % | +2,4 % | 2,0-fach |
| Grafikkarten | 165 % | +15,6 % | 1,65-fach |
Ein methodischer Hinweis, der wichtig ist: Die 2,7 Prozent bei DDR5 sehen harmlos aus und sind es nicht. Der Wert ist durch ein einzelnes Kit verzerrt, das von 1.215 auf 604 Euro gefallen ist – rechnet man diese Klasse heraus, liegt der Monatsanstieg bei 7,3 Prozent. Wer nur auf die Monatszahl schaut, zieht hier den falschen Schluss.
Was das in Euro bedeutet
Indexwerte sind abstrakt. Das hier sind die Straßenpreise, Stand 17. Oktober, jeweils der günstigste gelistete Anbieter:
- 2× 16 GB DDR5-6000: ab 447 Euro, das sind knapp 14 Euro pro Gigabyte. Mit schärferen Timings (CL28) ab 493 Euro.
- 2× 16 GB DDR4-3200: ab 239 Euro – im September waren es noch 210.
- 2× 32 GB DDR5-5600: ab 927 Euro.
- 2× 48 GB DDR5-6400: 2.279 Euro, ein Plus von 49 Prozent binnen eines Monats.
- Zum Vergleich: Ein konkretes 32-GB-DDR5-6000-Kit kostet heute 579 Euro im Bestpreis. Im September 2025 gab es dasselbe Kit ab 114 Euro.
- NVMe-SSD mit 4 TB: ab 449 Euro, also gut 112 Euro pro Terabyte – das ist derzeit der günstigste Preis pro Terabyte im SSD-Bereich.
- NVMe mit 8 TB und DRAM-Cache: ab 1.587 Euro, rund 198 Euro pro Terabyte, plus 28 Prozent im Monat.
- PCIe-5.0-SSD mit 4 TB: von 499 auf 699 Euro in vier Wochen.
- Festplatte mit 22 TB: ab 699 Euro, knapp 32 Euro pro Terabyte.
- GeForce RTX 5070: ab 834 Euro, 104 Euro mehr als im September und 58 Prozent mehr als vor einem Jahr.
- Radeon RX 9060 XT mit 8 GB: ab 499 Euro, plus 28 Prozent im Monat.
Eine Zahl davon ist besonders aufschlussreich: Eine Festplatte mit 1 TB kostet mindestens 126 Euro, die günstigste SATA-SSD mit derselben Kapazität 113. Die klassische Faustregel „Festplatte für Masse, SSD für Tempo“ steht bei kleinen Kapazitäten gerade auf dem Kopf.
Warum die Preise steigen
Der Mechanismus ist unspektakulär und deshalb so hartnäckig: Die Hersteller von DRAM und NAND-Flash verkaufen ihre Kapazität lieber an Rechenzentren als an den Einzelhandel. Dort werden Speichermodule in Mengen abgenommen, die der PC-Markt nicht bietet, und zu Preisen, bei denen der Desktop nicht mithalten kann. Die Folge ist keine Knappheit im Sinne leerer Regale, sondern eine Umverteilung – die Ware geht dorthin, wo mehr bezahlt wird. Die Grundlagen dazu habe ich schon im Frühjahr in Das Ende des billigen Speichers beschrieben; die damaligen Prognosen waren, das muss man sagen, noch zu optimistisch.
Für das vierte Quartal erwartet das Marktforschungshaus TrendForce weitere Vertragspreissteigerungen: 10 bis 15 Prozent bei konventionellem DRAM und 15 bis 20 Prozent bei NAND-Flash. Für das dritte Quartal waren 13 bis 18 beziehungsweise 10 bis 15 Prozent erwartet worden – die Richtung bleibt also, die Reihenfolge dreht sich. Aktuelle Einschätzungen dazu veröffentlicht TrendForce fortlaufend im eigenen Press Center. Vertragspreise sind dabei das, was Hersteller zahlen – im Handel kommen sie mit einigen Wochen Verzögerung an.
Die Zeithorizonte, die genannt werden, sind das eigentlich Ernüchternde. Die Analysten von Barclays rechnen mit Entspannung frühestens 2029, der Speicherhersteller SK Hynix erwartet ein Ende der Engpässe erst gegen Ende des Jahrzehnts. Beides sind Prognosen und keine Tatsachen – aber niemand nennt derzeit ein Datum im kommenden Jahr.
Kaufen oder warten? Fünf Fälle
Die übliche Antwort bei Technik lautet warten. Hier lautet sie das nicht, jedenfalls nicht pauschal.
Fall 1: Der Rechner ist defekt. Kaufen, und zwar die kleinste Konfiguration, die deine Aufgaben erledigt. 32 GB statt 64, eine 2-TB-SSD statt der 4-TB. Nachrüsten kannst du, wenn die Lage sich entspannt – der umgekehrte Weg kostet dich jetzt das Doppelte.
Fall 2: Aufrüstung war geplant, der Rechner läuft aber. Hier lohnt der ehrliche Blick, ob das Upgrade überhaupt der richtige Hebel ist. Ein Rechner, der sich zäh anfühlt, wird oft nicht durch mehr RAM schneller, sondern durch Aufräumen – was tatsächlich hilft, steht in PC ohne RAM-Upgrade beschleunigen. Wenn du aber regelmäßig an die Grenze stößt, weil der Speicher tatsächlich voll läuft, hilft kein Trick.
Fall 3: Kompletter Neukauf. Hier liegt die interessanteste Beobachtung dieser Krise. Fertig-PCs und Notebooks sind weniger stark gestiegen als Einzelkomponenten, weil die Hersteller langfristige Lieferverträge haben und ihre Lager mit älteren Einkaufspreisen gefüllt sind. Das kehrt die übliche Rechnung um: Selbst zusammenbauen war jahrelang günstiger, derzeit ist es das in vielen Konfigurationen nicht. Die grundsätzliche Abwägung dazu steht in PC aufrüsten oder neu kaufen.
Fall 4: Speicherplatz fürs NAS oder Backup. Festplatten sind die ruhigste Kategorie – plus 0,6 Prozent im Monat. Wer Kapazität braucht, bekommt sie bei großen Platten für rund 32 Euro pro Terabyte, und das ist im Vergleich zu allem anderen fast normal. Ob sich dafür ein eigenes Gerät lohnt oder die Cloud reicht, habe ich in NAS oder Cloud durchgerechnet – die Rechnung verschiebt sich gerade spürbar zugunsten der Festplatte zu Hause.
Fall 5: Grafikkarte. Plus 15,6 Prozent im Monat, und zwar auf breiter Front. Hier würde ich nur kaufen, wenn die vorhandene Karte defekt ist. Eine funktionierende Karte durch eine Klasse höher zu ersetzen, ist in dieser Preislage schlicht kein gutes Geschäft.
Sechs Dinge, die jetzt tatsächlich Geld sparen
- Preisverlauf statt Tagespreis. Bei dieser Volatilität schwanken die Bestpreise um dreistellige Beträge. Ein Zielpreis plus Preisalarm ist hier mehr wert als jede Kaufberatung – das Verfahren dazu steht in Preisverlauf statt Rabattschild.
- Lieferzeit gegen Preis abwägen. Bei einzelnen Kits liegen zwischen „sofort lieferbar“ und „vier Wochen Lieferzeit“ aktuell mehrere hundert Euro. Wenn du Zeit hast, nimm die Lieferzeit.
- Vorhandene Riegel weiterverwenden. Wer von 2× 8 auf 2× 16 GB aufrüsten will, sollte prüfen, ob vier Riegel gemischt laufen. Dabei kommt es auf die Bestückungsreihenfolge an – warum Slot 2 und 4 und nicht 1 und 3, steht im Guide zur Daisy-Chain-Topologie.
- Gebrauchtmarkt prüfen. Ungewöhnlich, aber derzeit rational: Gebrauchter DDR4-Speicher ist eines der wenigen Segmente, in dem man noch unter dem Neupreis von vor einem Jahr kauft. Bei SSDs würde ich davon abraten, weil die Abnutzung nicht sichtbar ist – wie man sie prüft, steht in SSD-Gesundheit prüfen.
- Vorhandene SSD aufräumen statt ersetzen. Bei 112 Euro pro Terabyte ist eine halbe Stunde Aufräumen plötzlich gut bezahlte Arbeit.
- Keine Panikkäufe auf Vorrat. Speicher, der ungenutzt im Schrank liegt, ist kein Investment, sondern ein Fehlkauf mit Verzögerung – das Muster beschreibt Tech-Fehlkäufe, die viele später bereuen ganz gut.
Wer jetzt besonders aufpassen muss
Zwei Gruppen trifft die Lage härter als den Durchschnitt. Die erste sind Notebook-Besitzer: SODIMM-Module stehen beim 4,2-Fachen, und 32 GB kosten ab 431 Euro. Bei einem Notebook mit verlötetem Speicher heißt das, dass die Ausstattung beim Kauf endgültig ist – was bei den aktuellen Preisen für Aufrüstkits ein stärkeres Argument für die größere Variante ist als noch vor einem Jahr.
Die zweite Gruppe sind alle, die mit großen Dateien arbeiten – 3D-Scans, Videoschnitt, CAD. Dort ist viel Arbeitsspeicher kein Komfort, sondern Voraussetzung, und genau diese Kapazitäten sind am stärksten gestiegen. Was eine sinnvolle Konfiguration ausmacht, hatte ich in Optimale Workstations für 3D-Druck und CAD beschrieben; die Preisangaben darin sind inzwischen Makulatur, die Empfehlungen zur Zusammenstellung nicht.
Die Checkliste vor dem Kauf
- Ehrlich prüfen: Ist das ein Bedarf oder ein Wunsch?
- Kleinste ausreichende Kapazität wählen, nicht die nächstgrößere
- Fertig-PC gegen Eigenbau durchrechnen – das Ergebnis überrascht gerade
- Preisverlauf über zwölf Monate ansehen, Zielpreis festlegen, Alarm setzen
- Lieferzeit als Preisfaktor mitnehmen
- Bei DDR4-Aufrüstung: Kompatibilität und Bestückung vorher klären
- Vorhandene Hardware prüfen, bevor du sie ersetzt
- Keine Vorratskäufe
Was ich persönlich mache: Ich habe meine geplante Aufrüstung von 32 auf 64 GB gestrichen und stattdessen zwei Stunden investiert, um aufzuräumen, was sich über drei Jahre angesammelt hat. Das war vermutlich die wirtschaftlichste Entscheidung des Monats. Die größere Frage – ob sich der Rechner überhaupt noch lohnt oder ein Neukauf sinnvoller ist – beantwortet sich in dieser Lage für viele anders als sonst, und dafür lohnt der Blick in den Guide zu Windows und PC-Hardware.
Eines noch, weil die Frage sicher kommt: Diese Zahlen sind eine Momentaufnahme vom 17. Oktober. Bei Monatsveränderungen von bis zu 19 Prozent ist jede Preisangabe in vier Wochen überholt. Was bleibt, sind die Größenordnungen – und die Erkenntnis, dass „ich warte, bis es wieder billiger wird“ derzeit keine Strategie ist, sondern eine Hoffnung.
