Auf einer SD-Karte stehen bis zu fünf Geschwindigkeitsangaben gleichzeitig: eine Zahl im C, eine im U, eine im V, ein A mit Ziffer und groß aufgedruckt „120 MB/s“. Vier davon sind Garantien, eine ist Werbung.
Die Zahl im Symbol ist die Mindestschreibrate

Das ist die ganze Logik, und sie ist erfreulich einfach. Die SD Association erklärt, dass die Ziffer in jedem dieser Symbole die minimale Schreibgeschwindigkeit angibt – Class 10, U1 und V10 stehen demnach alle für dieselben 10 MB/s. Entsprechend bedeutet U3 mindestens 30 MB/s, V30 ebenfalls 30, V60 dann 60 und V90 eben 90.
Die groß aufgedruckten 120 oder 170 MB/s sind dagegen die maximale Lesegeschwindigkeit unter Idealbedingungen. Für Videoaufnahmen ist diese Zahl bedeutungslos. Was zählt, ist die Mindestschreibrate, weil eine Aufnahme abbricht, sobald die Karte unter den Datenstrom der Kamera fällt.
Die A-Klassen spielen in einer anderen Liga: A1 und A2 beschreiben nicht den Durchsatz, sondern wahlfreien Zugriff – gedacht für Karten, von denen Apps laufen, etwa im Einplatinenrechner. A2 verlangt zusätzlich Command Queuing und Cache. Für eine Kamera ist das irrelevant, für einen Raspberry Pi der wichtigste Wert überhaupt.
Kapazität und Dateisystem hängen zusammen
- SD – bis 2 GB, FAT12/16. Historisch.
- SDHC – bis 32 GB, üblicherweise FAT32. Läuft nicht in reinen SD-Geräten.
- SDXC – bis 2 TB, die Spezifikation schreibt exFAT vor.
- SDUC – 2 bis 128 TB, seit 2018 definiert.
Pro-Tipp: Formatiere eine Karte immer im Gerät, in dem sie arbeiten soll, nicht am Rechner. Kameras und Drohnen legen eigene Verzeichnisstrukturen an und erwarten das vorgesehene Dateisystem. Wer eine SDXC-Karte am PC vorsichtshalber mit FAT32 formatiert, verliert dabei das 4-GB-Limit pro Einzeldatei nicht – und ein 4K-Video ist schneller als vier Gigabyte groß, als man denkt. Warum dieses Limit so lange überlebt hat, steht im Beitrag Windows 11 schafft das FAT32-32-GB-Limit ab.
Was du wirklich brauchst
Für Fotos reicht jede halbwegs moderne Karte. Für 4K-Video ist V30 die sinnvolle Untergrenze, für 8K oder hohe Bildraten V60 oder V90. Für Dashcams und Überwachungskameras zählt etwas völlig anderes: Dauerschreibfestigkeit, erkennbar an der Bezeichnung „High Endurance“. Eine schnelle Fotokarte ist dort die schlechtere Wahl, weil sie für wenige Schreibzyklen pro Tag ausgelegt ist und nicht für Dauerbetrieb im Ringspeicher.
Der zweite Punkt, der beim Kauf untergeht: Die Klassen sind Mindestwerte, keine Qualitätsurteile. Zwei Karten mit V30 können sich im Alltag deutlich unterscheiden, weil die eine konstant 35 MB/s schreibt und die andere zwischen 90 und 31 schwankt. Für eine Videoaufnahme ist beides in Ordnung, für das Kopieren vieler kleiner Dateien nicht.
Und unabhängig von der Klasse: Speicherkarten sind Verbrauchsmaterial mit begrenzter Lebensdauer. Wie sie im Vergleich zu Festplatte und USB-Stick dastehen, ordnet der Beitrag Datenspeicherung im Vergleich ein.
