Herstellung neuer Apple-Produkte beißt in die Gewinnmargen

Die vergangenen Monate waren vom Release neuer Apple-Produkte bestimmt. Die Kunden hatten die Wahl zwischen dem neuen iPhone 5, drei neuen PCs und zwei neuen iPads. Branchenbeobachter prognostizierten eine deutliche Umsatzsteigerung im Hause Apple, doch es scheint, als seien nicht alle ihre Erwartungen erfüllt worden.

Angesichts der bevorstehenden Weihnachtssaison und Apples derzeitiger Marktaktivität waren wohl viele Analysten beim Anblick der am 25. Oktober veröffentlichten Quartalsgewinne überrascht.

Apple gab die niedrigste Bruttogewinnmarge innerhalb der letzten vier Jahre bekannt. Gegenüber den 44,7 % des Vorjahres erwartet das Unternehmen für das laufende Quartal eine Marge von 36 %. Sie berechnet sich aus den Einnahmen durch den Verkauf neuer Geräte nach Abzug der tatsächlichen Herstellungskosten. Gegen die enttäuschten Erwartungen verteidigte sich der Konzern, indem er den ausbleibenden Umsatz auf das große Angebot neuer Produkte zurückführte, die dieses Jahr auf den Markt gekommen sind.

„Wir liefern die beste Produkterfahrung der Welt und wollen dabei keine Kosten einsparen… Wir leiten unser Unternehmen mit Blick in die Zukunft“, so CEO Tim Cook bei der Bekanntgabe gegenüber den Analysten.

Es scheint als sei Apple nicht bereit, die Qualität zugunsten der Gewinnmargen zu opfern, obwohl sich die Konkurrenz im Wettstreit um die geringsten Herstellungskosten mit derselben Krise konfrontiert sieht.

Ein Aspekt des Quartalsberichts von Apple muss jedoch hervorgehoben werden: nämlich die Tatsache, dass die Nettogesamteinnahmen trotz einer geringeren Gewinnmarge den Vorjahreswert wohl übersteigen werden. Die Nettoerträge von 41,7 Milliarden Dollar aus dem gesamten Geschäftsjahr stellen ein Plus von 61 % gegenüber dem Vorjahr dar. Darüber hinaus sind die Jahreseinnahmen um 46 % auf 156,5 Milliarden Dollar gestiegen. Ob die Quartalsergebnisse als Erfolg gewertet werden, hängt allein vom Standpunkt ab. Für die Analysten der Wall Street ist nur von Belang, inwiefern die ausgewiesenen Erträge ihren eigenen Erwartungen entsprechen, die bereits das zweite Quartal in Folge nicht erfüllt worden sind. Letzteres ist seit zehn Jahren nicht mehr vorgekommen.

Ob der Gewinneinbruch in den kommenden Quartalen Einfluss auf CEO Tim Cook und sein Managementteam haben wird? Es ist durchaus möglich, dass sie Maßnahmen zur Senkung der Betriebsausgaben ergreifen, wenn auch nicht in einem Ausmaß, das die Qualität der Apple-Produkte beeinträchtigen würde. Dagegen setzt sich Tim Cook entschieden zur Wehr.

Dieser feste Grundsatz von „Qualität vor Quantität“ könnte als Nebeneffekt zusätzlich eine Verbesserung der Moral der Apple-Mitarbeiter in Informatik-Jobs bewirken und neue Talente in das Unternehmen locken. Außerdem wird den Kunden auf diese Art bewiesen, dass es höchste Priorität des Unternehmens ist, ihnen die bestmögliche Qualität zu liefern.

In den vergangen Monaten hat sich herauskristallisiert, dass es für Apple ein Balanceakt ist, den Erwartungen gerecht zu werden. Die Frage ist jedoch, wessen Erwartungen Apple eher gerecht werden will: den Erwartungen der Kunden oder denen der Wall Street?

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About Andreas Rabe

IT Spezialist, Blogger und Hesse. > Ich habe keine Lösung, aber ich bewundere das Problem. Wenn bereits der Ansatz falsch ist, so führt strenge Logik unweigerlich zum falschen Ergebnis. Nur Unlogik gibt Dir jetzt noch die Chance, wenigstens zufällig richtig zu liegen.

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