Wenn du heute dein Smartphone in die Hand nimmst, ist die Wahrscheinlichkeit ziemlich hoch, dass darauf entweder Android oder iOS läuft. Diese beiden Giganten beherrschen den Markt so vollständig, dass viele Menschen gar nicht mehr wissen, dass es mal ganz anders aussah. Doch die Geschichte der Smartphone-Betriebssysteme ist spannend, dramatisch und voller gescheiterter Versuche, den Thron zu erobern. Lass uns gemeinsam auf eine Zeitreise gehen und schauen, welche Systeme es gab, was sie besonders machte und warum einige von ihnen heute nur noch Erinnerungen sind.
Die Anfänge: Als Smartphones noch Zukunftsmusik waren
Bevor Apple 2007 das iPhone vorstellte und die Welt veränderte, gab es bereits mobile Betriebssysteme. Diese frühen Systeme waren allerdings noch weit entfernt von dem, was wir heute als Smartphone kennen. In den 1990er Jahren experimentierten Firmen mit Personal Digital Assistants und ersten Mobiltelefonen mit erweiterten Funktionen.
Eines der ersten mobilen Betriebssysteme war Windows Mobile, das aus der Pocket PC-Linie von Microsoft hervorging. Bereits im Jahr 2000 liefen erste Geräte mit Windows Mobile, das damals noch auf Windows CE basierte. Microsoft hatte erkannt, dass mobile Geräte die Zukunft sein würden und wollte seinen Desktop-Erfolg auf kleinere Bildschirme übertragen. Windows Mobile bot E-Mail-Funktionen, einen Kalender und sogar Taschenversionen von Word und Excel. Für Geschäftskunden war das revolutionär.
Symbian: Der vergessene König
Wenn wir über die Geschichte mobiler Betriebssysteme sprechen, müssen wir unbedingt über Symbian reden. Symbian war tatsächlich das dominierende Smartphone-Betriebssystem der 2000er Jahre. Entwickelt von einem Konsortium aus Nokia, Ericsson, Motorola und anderen, basierte Symbian auf dem EPOC-Kernel von Psion. Das erste Symbian-Gerät war der Ericsson R380 im Jahr 2000, aber richtig durchstarten sollte das System mit Nokia.
Nokia setzte massiv auf Symbian und brachte legendäre Geräte wie das Nokia 7650, N95 und die gesamte Communicator-Serie heraus. Mitte 2007, als das iPhone auf den Markt kam, hatte Symbian unglaubliche 65 Prozent Marktanteil. Jedes zweite verkaufte Mobiltelefon weltweit trug das Nokia-Logo und lief mit Symbian. Das System war bekannt für seine Flexibilität, lange Akkulaufzeit und geringe Hardware-Anforderungen. Du konntest ein Symbian-Gerät tagelang nutzen, ohne es aufladen zu müssen.
Doch Symbian hatte auch Schwächen. Die Architektur war komplex und unfreundlich für Entwickler. Nokia brauchte durchschnittlich 22 Monate, um ein neues Symbian-Gerät zu entwickeln, während Android-Hersteller das in wenigen Wochen schafften. Als Touchscreens zum Standard wurden, tat sich Symbian schwer mit der Anpassung. Nokia versuchte noch, das System zu modernisieren und machte es 2008 sogar Open Source, aber es war zu spät. 2013 stellte Nokia sein letztes Symbian-Gerät vor, das Nokia 808 PureView. Ein System, das einst die Welt beherrschte, war Geschichte.
BlackBerry OS: Die Crackberry-Ära

Parallel zu Symbian entwickelte sich ein anderes System zum Kultphänomen: BlackBerry OS. Research in Motion, später umbenannt in BlackBerry, hatte etwas geschaffen, das besonders Geschäftsleute liebten. Das erste BlackBerry OS erschien 1999 auf einem Pager-ähnlichen Gerät, dem RIM 850. Das Besondere an BlackBerry war die sofortige E-Mail-Zustellung per Push-Dienst. Du musstest nicht aktiv nach neuen Mails suchen, sie erschienen einfach auf deinem Gerät.
Die physische QWERTY-Tastatur machte das Tippen zum Vergnügen, und die Sicherheitsfunktionen waren so robust, dass selbst Regierungen und Präsidenten auf BlackBerry vertrauten. Barack Obama war bekannt dafür, sein BlackBerry zu lieben. Die Geräte waren so beliebt, dass Menschen von ihren „Crackberrys“ sprachen, weil sie regelrecht süchtig nach ihnen waren. Der BlackBerry Messenger war ein verschlüsselter Instant-Messaging-Dienst, lange bevor WhatsApp und Co. auf der Bildfläche erschienen.
Doch auch BlackBerry verschlief den Touchscreen-Trend. Als das iPhone und Android kamen, versuchte BlackBerry zwar, mit Geräten wie dem Storm oder dem Z10 gegenzusteuern, aber die App-Ökosysteme von Apple und Google waren bereits zu mächtig. 2013 wechselte BlackBerry zu Android als Basis für neue Geräte, doch der Schaden war angerichtet. Am 4. Januar 2022 stellte BlackBerry endgültig den Support für BlackBerry OS und BlackBerry 10 ein. Die klassischen BlackBerry-Geräte funktionieren seitdem nicht mehr zuverlässig.
Windows Phone: Microsofts verpasste Chance
Microsoft hatte mit Windows Mobile bereits Erfahrung im mobilen Bereich, doch 2010 startete das Unternehmen neu durch mit Windows Phone. Das System brachte die Metro UI mit, eine kachelbasierte Oberfläche mit Live Tiles, die Informationen in Echtzeit anzeigte. Windows Phone sah völlig anders aus als iOS und Android und bot eine echte Alternative. Die Integration mit Xbox Live, die persönliche Assistentin Cortana und die Office-Integration machten das System interessant.
Nokia ging 2011 eine Partnerschaft mit Microsoft ein und brachte die beliebte Lumia-Serie heraus. Die Hardware war großartig, die Software flüssig und elegant. Doch Windows Phone kam zu spät. Als es 2010 erschien, hatten iOS und Android bereits etablierte App-Ökosysteme. Entwickler wollten nicht für eine dritte Plattform mit geringem Marktanteil entwickeln, was zu einem Teufelskreis führte: Keine Apps bedeuteten wenige Nutzer, wenige Nutzer bedeuteten noch weniger Apps.

Ein weiteres Problem war die Geräteverfügbarkeit. Während Android auf hunderten verschiedenen Geräten lief, war Windows Phone auf wenige Hersteller beschränkt. Die Mobilfunkanbieter zeigten ebenfalls wenig Interesse daran, Windows Phone-Geräte zu promoten. Der Marktanteil fiel von 2,8 Prozent im vierten Quartal 2014 auf nur noch 0,4 Prozent im zweiten Quartal 2016. Microsoft stellte am 8. Oktober 2017 offiziell die Entwicklung neuer Features ein, und am 14. Januar 2020 endete der Support endgültig. Selbst CEO Satya Nadella bezeichnete die Einstellung als einen seiner schwierigsten und möglicherweise strategisch falschen Entscheidungen.
Der Aufstieg der Giganten: Android und iOS
Während all diese Systeme kämpften und letztlich scheiterten, stiegen zwei Betriebssysteme zu absoluter Dominanz auf. Apple stellte 2007 das iPhone mit iPhone OS vor, das später zu iOS umbenannt wurde. Das revolutionäre war nicht nur der Touchscreen, sondern die gesamte Benutzererfahrung. Steve Jobs zeigte der Welt, wie intuitiv ein Smartphone sein konnte. Der App Store, der 2008 startete, veränderte alles. Plötzlich konnten Entwickler Apps für Millionen von Nutzern erstellen und verkaufen.
Google antwortete 2008 mit Android, einem Open-Source-Betriebssystem, das auf dem Linux-Kernel basierte. Die Strategie war brillant: Während Apple iOS exklusiv für eigene Geräte reservierte, stellte Google Android allen Herstellern zur Verfügung. Samsung, HTC, Motorola und später hunderte weitere Hersteller konnten Android-Geräte bauen. Diese Offenheit führte zu einer unglaublichen Vielfalt an Geräten in allen Preisklassen.
Heute, im Januar 2026, ist das Bild klar: Android hält global etwa 72 Prozent Marktanteil, iOS kommt auf etwa 28 Prozent. Zusammen kontrollieren sie über 99 Prozent des Smartphone-Marktes. In den USA ist die Situation anders, dort hat iOS mit etwa 61 Prozent die Nase vorn. Android dominiert hingegen in Schwellenländern wie Indien mit über 95 Prozent Marktanteil, da es auf günstigen Geräten verfügbar ist.

Die Gegenwart: Nischen und neue Herausforderer
Doch die Geschichte ist nicht zu Ende. Während die großen Player dominieren, gibt es interessante Nischenspieler. HarmonyOS von Huawei ist der spannendste neue Akteur. Nachdem die USA Huawei den Zugang zu Google-Diensten verboten, entwickelte das Unternehmen ein eigenes System. HarmonyOS NEXT, das im Oktober 2024 offiziell startete, basiert nicht mehr auf Android-Code und ist vollständig eigenständig.
In China hat HarmonyOS bereits beeindruckende 19 Prozent Marktanteil erreicht und überholte damit iOS als zweitgrößtes mobiles Betriebssystem im Land. Global liegt HarmonyOS bei etwa 4 bis 5 Prozent. Das System ist für die nahtlose Integration zwischen Smartphones, Tablets, Wearables und sogar Autos konzipiert. Mit über 10 Millionen Entwicklern und mehr als 30.000 nativen Apps wächst das Ökosystem stetig. Huawei plant, HarmonyOS 2026 international zu expandieren und direkt mit Android und iOS zu konkurrieren.
Ein weiterer interessanter Nischenspieler ist KaiOS. Dieses System richtet sich nicht an Smartphone-Nutzer, sondern an den Markt der Feature Phones, also einfacher Handys mit Basisfunktionen. KaiOS bringt Smartphone-Funktionen wie 4G, GPS, mobile Zahlungen und Apps auf günstige Geräte. In Schwellenländern, wo nicht jeder sich ein teures Smartphone leisten kann oder will, ist KaiOS eine praktische Lösung. Das System läuft auf Millionen von Geräten weltweit und zeigt, dass es auch jenseits der High-End-Smartphones einen Markt gibt.
Für Datenschutz-Enthusiasten gibt es Alternativen wie GrapheneOS oder /e/OS, modifizierte Android-Versionen ohne Google-Dienste. Ubuntu Touch hält die Idee eines Linux-basierten Smartphone-Betriebssystems am Leben. Sailfish OS aus Finnland bietet eine europäische Alternative mit besonderem Fokus auf Sicherheit für Regierungen und Unternehmen. Diese Systeme werden nie Massenmarkt erreichen, aber sie zeigen, dass Vielfalt und alternative Ansätze möglich sind.
Warum scheiterten so viele Systeme?
Die Geschichte lehrt uns wichtige Lektionen. Der Hauptgrund für das Scheitern von Symbian, BlackBerry OS und Windows Phone war das App-Ökosystem. In der Smartphone-Ära zählen nicht nur Features des Betriebssystems, sondern die verfügbaren Apps. Entwickler konzentrieren sich auf Plattformen mit den meisten Nutzern. Windows Phone hatte im Dezember 2013 über 200.000 Apps, Android und iOS hatten Millionen. Die fehlenden beliebten Apps wie Instagram, Snapchat oder bestimmte Banking-Apps trieben Nutzer zur Konkurrenz.
Timing war ebenfalls entscheidend. Windows Phone kam 2010, als iOS und Android bereits etabliert waren. Symbian und BlackBerry reagierten zu langsam auf den Touchscreen-Trend. Die Entwicklungszyklen waren zu lang. Während Nokia 22 Monate für ein Symbian-Gerät brauchte, konnten Android-Hersteller in Wochen neue Modelle präsentieren.
Die Komplexität der Systeme spielte auch eine Rolle. Symbian war in C++ geschrieben und hatte eine unfreundliche Codestruktur. BlackBerry 10 kam zu spät und konnte trotz technischer Überlegenheit nicht überzeugen. Microsoft hatte zwar Erfahrung mit Software, aber nicht mit dem mobilen Ökosystem. Die Mobilfunkanbieter unterstützten Windows Phone nicht ausreichend, was den Verkauf zusätzlich erschwerte.
Ein Blick in die Zukunft
Was bringt die Zukunft? Android und iOS werden wohl dominant bleiben, aber HarmonyOS könnte tatsächlich als dritter Spieler etablieren, zumindest in China und möglicherweise in Teilen Asiens und Afrikas. Die zunehmende geopolitische Spannung zwischen den USA und China fördert die Entwicklung eigener Technologie-Ökosysteme.
Künstliche Intelligenz wird das nächste große Schlachtfeld sein. Beide Plattformen, iOS mit Apple Intelligence und Android mit Google Gemini, integrieren KI tief in ihre Systeme. Die Zukunft könnte von KI-Agenten geprägt sein, die Aufgaben für uns erledigen, ohne dass wir zahlreiche Apps öffnen müssen. Vielleicht wird das die App-Landschaft grundlegend verändern.
Es ist auch denkbar, dass Microsoft in Zukunft einen neuen Versuch im mobilen Bereich unternimmt, möglicherweise mit einem KI-fokussierten Ansatz. Die Technologiewelt verändert sich schnell, und was heute unmöglich scheint, kann morgen Realität sein.
Fazit: Die Smartphone-Revolution geht weiter
Die Geschichte der Smartphone-Betriebssysteme ist faszinierend und zeigt, wie schnell sich Technologie entwickelt. Systeme, die einst den Markt dominierten, sind heute vergessen. Symbian war mal das führende System, BlackBerry der Favorit von Millionen, und Windows Phone hatte das Potenzial, alles zu ändern. Sie alle scheiterten letztlich an einer Kombination aus schlechtem Timing, mangelnder App-Unterstützung und zu langsamer Innovation.
Heute leben wir in einer Duopol-Welt, in der Android und iOS fast den gesamten Markt kontrollieren. Doch die Konkurrenz schläft nicht. HarmonyOS zeigt, dass neue Spieler eine Chance haben können, besonders wenn sie von großen Unternehmen und Regierungen unterstützt werden. Nischensysteme wie KaiOS beweisen, dass es auch jenseits der High-End-Smartphones Raum für Innovationen gibt.
Für dich als Nutzer bedeutet das: Du hast heute mehr Auswahl denn je, auch wenn sich diese Auswahl auf den ersten Blick auf zwei Systeme zu beschränken scheint. Aber innerhalb dieser Systeme gibt es unzählige Anpassungsmöglichkeiten, und wer bereit ist, über den Tellerrand zu schauen, findet spannende Alternativen. Die nächsten Jahre werden zeigen, ob wir weiterhin in einer Zwei-Parteien-Welt leben oder ob neue Herausforderer das Duopol aufbrechen können.
Die Smartphone-Revolution ist noch lange nicht vorbei. Sie entwickelt sich jeden Tag weiter, und wir sind alle Teil dieser spannenden Reise.
