INDECT – Bürger unter Generalverdacht

Das was INDECT kann, wäre in Deutschland illegal. Aber ich kann mir gut vorstellen, dass unsere mittlerweile überwachungsgeile Regierung, hierzu gern das ein oder andere Gesetz ändern würde. Aber was ist INDECT eigentlich und warum sorgt es dafür, dass fast jeder Bürger ganz schnell unter Generallverdacht stehen könnte? Hier auf Addis Techblog eine kurze Einführung in INDECT.

INDECT ist im Moment noch ein Forschungsprojekt der europäischen Union. Der Name INDECT ist ein Akronym für Intelligent information system supporting observation, searching and detection for security of citizens in urban environment (auf deutsch: Intelligentes Informationssystem zur Unterstützung von Überwachung, Suche und Erfassung für die Sicherheit von Bürgern in städtischer Umgebung).

Wenn man sich die Spezifikationen dieses Projektes allerdings ansieht, bekommt man allerdings Gänsehaut. In meinen Augen ist INDECT in etwa eine Mischung aus Big Brother und Minority Report. Denn INDECT dient nicht etwa nur der Aufklärung von Verbrechen, wie es normale Überwachungskameras tun, sondern soll auch das Verhalten von Personen beobachten und bei Auffälligkeiten Alarm schlagen. Und das noch bevor irgendetwas illegales passiert.

Damit dies möglich wird sollen automatisiert Bilder von Überwachungskameras und Flugdrohnen mit Daten aus dem Internet Verknüpft und analysiert werden. Das betrifft dann wohl in erster Linie Informationen aus Social Media Diensten, wie Facebook oder Twitter. Durch entsprechende Algorithmen sollen die gewonnenen Daten so verarbeitet werden, dass daraus Schlüsse auf eine eventuelle zukünftige Straftat gezogen werden können. Das ganze nennt sich dann präventive Polizeiarbeit.

Nehmen wir als Beispiel den Mann der länger vor einem Auto steht und dabei von einer Überwachungsdrohne beobachtet wird. Das System versucht nun daraus zu schließen, ob eine Straftat bevor steht. Der Mann könnte ja das Auto aufbrechen wollen. Das System schlägt nun Alarm und sammelt Daten aus dem Internet über diese Person (Gesichtserkennung). Diese Daten werden mit den Überwachungsbildern verknüpf und nach Auffälligkeiten untersucht. Natürlich kann es auch sein, dass der Mann einfach seinen Autoschlüssel sucht. Trotzdem ist er gerade in das Visier der Polizei geraten und defakto wird gegen ihn ermittelt. Wenn auch automatisiert. Und genau hier liegt die Gefahr von INDECT, dass im Grunde jeder Bürger generell Verdächtig ist und jedes noch so irrelevante Verhalten eine automatische Analyse und Ermittlung auslösen kann.

Also ich möchte nicht, dass jedes mal, wenn ich meinen Autoschlüssel suche, die Polizei sämtliche Daten über mich aus dem Web zieht und diese analysiert.

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About Andreas Rabe

IT Spezialist, Blogger und Hesse. > Ich habe keine Lösung, aber ich bewundere das Problem. Wenn bereits der Ansatz falsch ist, so führt strenge Logik unweigerlich zum falschen Ergebnis. Nur Unlogik gibt Dir jetzt noch die Chance, wenigstens zufällig richtig zu liegen.

2 Responses to INDECT – Bürger unter Generalverdacht

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