Früher gab es mehr Knöpfe

Der Leitstand eines Kernkraftwerkes hätte wohl kaum komplizierter aussehen können. Zumindest hatte und hat man diesen Eindruck, wenn man in ein etwas älteres Auto einsteigt. Überall finden sich Knöpfe und analoge Instrumente. Damals galt wohl je mehr desto besser. Und je mehr die Anzahl der Knöpfe und Schalter der Anzahl Bedienelemente im Cockpit eines Flugzeugs glich, desto mehr kam sich der Fahrer tatsächlich wie ein echter Pilot der Autobahn vor. Mittlerweile erinnern Autocockpits nicht mehr an Flugzeuge. Vom Look and Feel her kommen sie heute eher dem Komandostand eines Raumschiffes gleich. Das gefällt nicht jedem. Und obwohl es schick aussieht, hat es auch entscheidende Nachteile. Puristen, die auf ursprüngliches Auto- und Rennfeeling stehen greifen deshalb zu den Gebrauchtwagen von mobile.de, anderen Gebrauchtwagenprotalen oder gleich beim Händler.

Innenraum des Audi h-tron quattro concept (Bild: AUDI AG)

Innenraum des Audi h-tron quattro concept (Bild: AUDI AG)

Der virtuelle “Streichelzoo” im Cockpit

Knöpfe, Schalter und analoge Instrumente sind in neuen, modernen Fahrzeugen längst großformatigen Displays mit und ohne Touchfunktion gewichen. Das knopflose Auto ist quasi zum ultimativen mobilen Endgerät geworden.

Wohin die Reise geht zeigt Audi mit der A8 Studie H-tron quattro concept. Mit dem Virtual Cockpit macht Audi hier, im wahrsten Sinne des Wortes, ganz großes Kino. Hier befindet sich ein 14 Zoll breites geschwungenes (curved) Display im Blickfeld des Fahrers. Dank AMOLED Display ist dies dann auch noch so kontrastreich und hochauflösend, wie es wohl noch nie in einem Fahrzeug zu sehen gewesen ist.

Aber damit nicht genug, auch in der Mittelkonsole finden sich noch zwei große Displays. Der obere Bildschirm ist hierbei für Navigation und Medien, also klassische Infotainment Elemente, zuständig und das untere Display dient zur Eingabe von Text mittels Handschrift und steuert ebenfalls die Klimaanlage. Das Interessante an dieser Display Inszenierung ist allerdings die freie Verschiebbarkeit von Inhalten. So lässt sich die Darstellung von Informationen situationsgerecht und nach den Wünschen des Fahrers anpassen. Als Beispiel kann hier die Kombination von Autopilot und Videotelefonie dienen. Während der Computer das Auto, also quasi sich selbst, steuert, kann der zum reinen Passagier “degradierte” Mensch auf dem Fahrersitz Videotelefonate führen – mit dem bewegten Bild des Gesprächspartners im Cockpit.

Und nicht nur bei Audi ändert sich das Cockpit. Auch BMW und Mercedes treiben ähnliches. So hat BMW in ein i8 Cabrio Panoramadisplay, 3D-Anzeigen und einer weiterentwickelten Gestensteuerung verbaut. Mercedes hingegen baut zwei 12,3 Zoll Display in die Modelle der neuen E-Klasse ein. Dieser verlaufen allerdings auf der Beifahrerseite unterhalb der Windschutzscheibe. Der Vorteil ist, dass das Lenkrad hier die Sicht auf das Display nicht versperrt. Wohingegen der Nachteil allerdings ist, dass der Fahrer seinen Blick von der Fahrtrichtung weg zur Seite richten muss.

Vorsicht Reizüberflutung

Nun haben diese Display- und Multimediaorgien, wie sie in Studien und mittlerweile auch in der Serie zu finden sind, nicht nur funktionelle und asthätische Vorteile. Sie haben auch einen entscheidenden, vielleicht sogar gefährlichen Nachteil. Denn wer glaubt, die vielen Knöpfe in Cockpits älterer Fahrzeuge könnten den Fahrer überfordern, der sollte die mögliche Reizüberflutung in den aktuellen “Raumschiff”-Cockpits nicht unterschätzen. Bei den oft in der Kritik stehenden Modellen von Tesla ist es wohl schon so, dass die Tesla-Fahrer Gefahr laufen, den Abbildungen auf dem großen Display mehr Aufmerksamkeit zu schenken als dem Geschehen auf der Straße.

Hochautomatisiertes Fahren soll legal werden

Dies ist auch der Grund, warum z.B. BMW den ganz großen Sprung in Bezug auf das Cockpit noch nicht gemacht hat. Der soll erst kommen, wenn das Fahrzeug zumindest zeitweise die Verantwortung für das Fahren übernehmen kann. Für dieses hochautomatisierte Fahren fehlt es allerdings noch an den rechtlichen Vorrausetzungen. Allerdings werden hier die Vorschriften der Wiener Konvention überarbeitet: Demnach soll automatisiertes Fahren legal werden, solange der Fahrer jederzeit eingreifen kann.

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About Andreas Rabe

IT Spezialist, Blogger und Hesse. > Ich habe keine Lösung, aber ich bewundere das Problem. Wenn bereits der Ansatz falsch ist, so führt strenge Logik unweigerlich zum falschen Ergebnis. Nur Unlogik gibt Dir jetzt noch die Chance, wenigstens zufällig richtig zu liegen.

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