Jedes Jahr am Tag der Zeitumstellung, wenn es plötzlich um halb fünf dunkel ist, laufen die Kampagnen der Polizei zum Einbruchschutz an. Der Grund ist unromantisch: In der dunklen Jahreszeit ist früh am Abend zu erkennen, in welchen Wohnungen niemand ist. Und ich gebe zu, dass ich vor ein paar Jahren genau den Fehler gemacht habe, der in jeder Broschüre steht – eine einzelne Stehlampe im Wohnzimmer, an einer mechanischen Zeitschaltuhr, jeden Abend von 18 bis 22 Uhr, eine Woche lang. Wer das von der Straße aus zwei Tage beobachtet, weiß genau, dass niemand da ist.
Eine gute Anwesenheitssimulation ist deshalb kein Lichtschalter mit Timer, sondern eine Inszenierung. Und sie ist der Teil des Einbruchschutzes, den ein Smart Home wirklich gut kann – während es an anderer Stelle weniger bringt, als die Werbung verspricht.

Die unbequeme Vorbemerkung
Technik hält niemanden auf, der hinein will. Die weit überwiegende Zahl der Einbrüche in Wohnungen und Häuser läuft über Fenster und Terrassentüren, und zwar mit einem Schraubendreher, in wenigen Sekunden, durch Aufhebeln. Was dagegen wirkt, sind abschließbare Fenstergriffe, Pilzkopfverriegelungen und Nachrüstsicherungen am Rahmen – Mechanik, kein Funk. Ein smartes Türschloss macht eine schlecht gesicherte Tür nicht sicher, es macht sie nur bequemer; was die digitalen Schlösser leisten und wo ihre Grenzen liegen, steht im Beitrag zu smarten Türschlössern im Alltag.
Was Technik dagegen sehr gut kann: den Eindruck vermeiden, dass die Wohnung leer ist. Genau darum geht es in diesem Text. Ein erheblicher Teil der Einbruchsversuche wird abgebrochen – weil es zu laut wird, zu lange dauert oder weil jemand offensichtlich zu Hause ist. In diese Kategorie spielt die Simulation hinein, und das ist ein realistischer Anspruch.
Warum die meisten Simulationen auffallen
Bevor es ans Einrichten geht, lohnt ein Blick auf die typischen Muster, die verraten, dass hier eine Automatik läuft und kein Mensch:
- Immer die gleiche Minute. Menschen schalten um 18:07 und am nächsten Tag um 19:43. Ein Timer schaltet um 18:00, jeden Tag.
- Nur ein Raum. Ein Wohnzimmer, das zehn Tage lang leuchtet, während Küche, Flur und Bad dunkel bleiben, ist kein Leben.
- Alles gleichzeitig an, alles gleichzeitig aus. Das macht niemand. Menschen bewegen sich durch die Wohnung.
- Rollläden dauerhaft unten. Das klassische Urlaubszeichen. Tagsüber geschlossene Rollläden fallen mehr auf als offene.
- Die Umgebung verrät den Rest. Überfüllter Briefkasten, Werbeprospekte in der Tür, niemand holt die Mülltonne rein.
Der letzte Punkt ist der wichtigste, und er ist unbezahlbar günstig: Nachbarn. Keine Automatisierung ersetzt jemanden, der den Briefkasten leert, die Tonne rausstellt und am Wochenende mal im Flur das Licht anmacht. Ich sage das als jemand, der wirklich gern automatisiert.
Eine Simulation, die wie ein Abend aussieht
Das Ziel ist nicht „Licht an“, sondern eine plausible Bewegung durch die Wohnung. Die Bausteine dafür hat fast jedes System schon an Bord.
Zufall statt Uhrzeit. Jeder Schaltvorgang bekommt einen zufälligen Versatz von 10 bis 40 Minuten. In Home Assistant ist das ein Delay mit Zufallswert, in vielen Hersteller-Apps gibt es eine Option namens „Zufall“ oder „± Minuten“. Ohne diesen Versatz ist alles andere sinnlos.
Sonnenstand statt fester Zeit. Zwischen Ende September und Ende Oktober verschiebt sich der Sonnenuntergang um über eine Stunde, dazu kommt die Zeitumstellung. Eine Simulation, die im Oktober noch auf „18:30″ steht, leuchtet irgendwann erst, wenn es längst dunkel ist – oder umgekehrt bei Tageslicht. Trigger auf Sonnenuntergang minus 20 Minuten löst das dauerhaft.
Eine Abfolge, kein Zustand. Mein Ablauf: Flur an für drei Minuten, Küche an für zwanzig, Wohnzimmer an, Flur aus. Später Bad für sieben Minuten, dann Schlafzimmer, dann alles aus. Drei bis vier Räume genügen, wenn die Reihenfolge Sinn ergibt. Wer nur zwei smarte Lampen hat, nimmt Flur und Wohnzimmer – das ist immer noch deutlich besser als eine.
Rollläden normal fahren. Morgens hoch, abends runter, mit Zufallsversatz. Wenn du keine smarten Rollläden hast: lieber offen lassen als eine Woche geschlossen.
Ton dazu. Hier kommt eine Technik zurück, die es schon lange gibt – schon im Jahr 2014 haben wir auf Addis Techblog über TV-Simulatoren für den Einbruchschutz geschrieben, kleine Geräte, die das flackernde Licht eines Fernsehers nachbilden. Das Prinzip funktioniert noch, nur macht es heute ein smarter Zwischenstecker mit einem Radio oder einem kleinen Lautsprecher, der abends zwanzig Minuten leise spielt. Licht plus Geräusch ist deutlich überzeugender als Licht allein.
Ein Detail, das gern übersehen wird: Lichtfarbe. Kaltweiße Deckenbeleuchtung um 22 Uhr sieht von außen nach Bürobeleuchtung aus. Warmweiß und gedimmt wirkt wie Wohnzimmer. Wenn deine Lampen das können, nutze es.
Was draußen passiert

Außenbeleuchtung mit Bewegungsmelder ist ein Klassiker, der funktioniert – allerdings nur, wenn sie richtig eingestellt ist. Ein Melder, der bei jeder Katze die halbe Straße flutet, wird nach zwei Wochen abgeschaltet, und dann ist er nutzlos. Sinnvoll sind ein engerer Erfassungsbereich, eine Empfindlichkeit, die Kleintiere ignoriert, und eine Nachlaufzeit von einer bis zwei Minuten. Eine dauerhaft brennende Funzel bringt übrigens weniger als Licht, das plötzlich angeht: Der Effekt liegt in der Veränderung.
Bei Kameras wird es rechtlich schnell heikel, weil der öffentliche Raum und das Nachbargrundstück nicht mitgefilmt werden dürfen. Was erlaubt ist, wo die Kamera hinschauen darf und worauf du bei der Montage achten musst, habe ich im Beitrag zur Überwachungskamera für außen zusammengestellt. Für die Abschreckung selbst ist die Kamera ohnehin das schwächere Werkzeug – sie dokumentiert vor allem, was passiert ist.
Sensoren: melden, nicht nur leuchten
Der zweite Baustein neben der Simulation ist eine einfache Meldekette. Dafür brauchst du keine Alarmanlage mit Wartungsvertrag, sondern Tür- und Fensterkontakte an den erreichbaren Öffnungen: Terrassentür, Kellerfenster, Fenster über dem Garagendach. Dazu ein Bewegungsmelder im Flur oder Treppenhaus – die Stelle, die jeder passieren muss.
Die Logik ist dann trivial und wirksam: Wenn das System auf „abwesend“ steht und ein Kontakt öffnet, geht eine Nachricht auf dein Handy und gleichzeitig alles Licht an, was im Haus verfügbar ist. Wer eine Sirene ergänzen will, sollte sie innen montieren – Lärm im Innenraum ist unangenehm und treibt raus, Lärm draußen ist nur Lärm. Wie Bewegungs-, Tür- und Helligkeitssensoren dabei zusammenspielen, ist im Beitrag zu Sensoren im Smarthome im Detail beschrieben.
Wichtiger als jede zusätzliche Komponente ist die Zuverlässigkeit dieser Kette. Deshalb gehört sie lokal ausgeführt und nicht über einen Cloud-Dienst, der ausfallen oder eingestellt werden kann – der Vorteil eines lokal betriebenen Smart Homes ist genau an dieser Stelle am größten. Und sie braucht Strom: Fällt die Sicherung, ist die schönste Automatisierung tot. Eine kleine Absicherung für Router und Zentrale löst das, und wer ohnehin ein NAS oder einen Mini-Server betreibt, hat den halben Aufbau schon.
Die Fehler, die ich selbst gemacht habe
Zwei Dinge, die ich mühsam gelernt habe und die in keiner Anleitung stehen.
Erstens: Geofencing ist ein Verräter. Ich hatte eine Automatisierung, die beim Verlassen der Wohnung alles ausschaltete – Licht, Musik, alles. Aus Sicht von außen sah das so aus: Um 8:15 geht in der ganzen Wohnung gleichzeitig das Licht aus, und dann ist bis zum nächsten Morgen nichts. Das ist keine Anwesenheitssimulation, das ist eine Abwesenheitsansage. Heute läuft bei längerer Abwesenheit automatisch die Simulation an, statt dass einfach alles verstummt.
Zweitens: Ich habe die Simulation nie getestet. Als ich das erste Mal abends selbst auf der Straße stand und mein eigenes Wohnzimmer beobachtet habe, war der Effekt ernüchternd – die Lampe leuchtete gegen einen geschlossenen Rollladen, von außen war nichts zu sehen außer einem dünnen Lichtspalt. Seitdem ist der Praxistest Teil der Einrichtung: einmal rausgehen, drei Minuten hinsehen, und zwar nicht aus zwei Metern, sondern von der Stelle, von der man das Haus auch sonst betrachtet.
Dazu kommen die analogen Dinge, die keine Technik löst: keine Urlaubsfotos in Echtzeit posten, den Schlüssel nicht unter die Matte, die Leiter im Garten wegschließen, das Gartentor abschließen. Und auch das gehört zur Ehrlichkeit: Wer im Oktober eine Woche wegfährt und nur eine smarte Lampe hat, ist mit einer guten Nachbarschaft besser aufgestellt als mit dem größten Automatisierungssystem.
Die Kontrollrunde für die dunkle Jahreszeit
Was ich jedes Jahr Ende September durchgehe, bevor die Abende wirklich dunkel werden:
- Sonnenstand-Trigger prüfen, feste Uhrzeiten aus dem Sommer ersetzen.
- Zufallsversatz aktiv? Drei Tage die Schaltzeiten im Protokoll vergleichen.
- Mindestens drei Räume in der Abfolge, mit plausibler Reihenfolge.
- Batterien der Sensoren kontrollieren – Kälte an Außenfenstern drückt die Spannung.
- Benachrichtigungen testen, indem du ein Fenster öffnest, während „abwesend“ aktiv ist.
- Außenlicht neu ausrichten, Laub und Sträucher haben den Erfassungsbereich verändert.
- Von der Straße aus hinsehen. Der einzige Test, der wirklich zählt.
Der Aufwand dafür liegt bei einer Stunde, verteilt auf zwei Abende. Und das Angenehme daran: Die gleiche Automatisierung, die im Urlaub Anwesenheit vortäuscht, macht die dunkle Jahreszeit auch dann komfortabler, wenn du tatsächlich zu Hause bist – ein Flur, der beim Heimkommen schon warm beleuchtet ist, war für mich am Ende der überzeugendere Effekt.
