Ein Weihnachtsdorf aufzubauen klingt nach Dekoration. Ein paar Lemax-Häuser auf Kunstschnee, Figuren dazwischen, Stecker in die Dose. So fängt es auch an. In unserem Dorf stehen inzwischen eine Brauerei, ein Riesenrad und ein großes Karussell – und spätestens wenn die Landschaft drumherum nicht mehr aus Watte bestehen soll, sondern aus selbst gedruckten Hügeln, Treppen, Mauern und Bahndämmen, wird daraus ein kleines Ingenieursprojekt. Mit drei Problemen, die in keinem Aufbau-Video vorkommen.
Das erste ist der Maßstab, und zwar auf eine Weise, die ich nicht erwartet hatte. Das zweite ist Strom. Das dritte ist die Frage, wie man eine Landschaft druckt, die größer ist als jeder Bauraum. Dazu kommt am Ende der Schnee, der nämlich gerade nicht aus dem Drucker kommt. Der Reihe nach – und mit den Zahlen, die ich beim Nachlesen gefunden habe. Dass Drucker und Dezember gut zusammenpassen, ist hier nicht neu; schon unser Guide für individuellen Weihnachtsschmuck aus dem 3D-Drucker ging in diese Richtung. Ein ganzes Dorf ist aber eine andere Größenordnung – im Wortsinn.
Eines vorweg, damit die Erwartung stimmt: Das Dorf ist noch nicht fertig. Dieser Beitrag ist ein Zwischenstand aus dem laufenden Aufbau – die Häuser stehen, das Strombudget ist gerechnet, das Kachelraster ist gesetzt, und ein Teil der Landschaft liegt noch als Datei auf der Platte statt als Hügel auf dem Tisch. Ich schreibe die Erkenntnisse jetzt auf, weil sie beim Aufbau entstehen und nicht hinterher, wenn alles schon verspachtelt ist. Das fertige Dorf zeigen wir hier noch vor Weihnachten, mit eigenen Fotos.

Problem 1: Lemax hat keinen Maßstab. Offiziell.
Das ist keine Vermutung aus einem Forum, sondern steht in der Hilfeseite von Lemax selbst. Der Hersteller schreibt dort, die Produktlinie als Ganzes habe keinen Standardmaßstab im Sinne des Modellbahnbaus. Es gibt nur Schätzungen: Die Gebäude liegen überwiegend im Bereich 1:64 bis 1:48, einige wenige sind größer. Und die Figuren? Die seien „etwa 60-Millimeter-Maßstab“.
Diese beiden Angaben passen rechnerisch nicht zusammen, und genau das ist der Punkt, an dem ein Druckprojekt scheitert, wenn man es nicht merkt. Ein 1,80 Meter großer Mensch wäre im Maßstab 1:64 etwa 2,8 Zentimeter hoch, im Maßstab 1:48 etwa 3,75 Zentimeter. Sechzig Millimeter sind keines von beidem. Lemax empfiehlt deshalb selbst, nicht mit einem Verhältnis zu rechnen, sondern die Maßangabe in der jeweiligen Produktbeschreibung zu vergleichen – dort steht die ungefähre Größe in Höhe, Breite und Tiefe.
Für die Praxis heißt das: Du kannst im Slicer keinen Skalierungsfaktor eintragen und fertig. Du musst messen. Und zwar nicht die Häuser, sondern das, was neben deiner gedruckten Landschaft stehen soll.
Wie man sich trotzdem einen Maßstab baut

Der Trick, den auch Sammler verwenden, ist ein Referenzmaß statt eines Verhältnisses. Nimm die Tür des Hauses, das in deinem Dorf im Zentrum steht, und miss ihre Höhe. Eine echte Tür ist rund zwei Meter hoch – damit hast du deinen persönlichen Maßstab für genau dieses Dorf, und zwar einen, der tatsächlich stimmt. Die Maßstabs-Übersicht von Village Collector formuliert die Prüfregel schön knapp: Eine Figur sollte ungefähr durch eine Haustür passen.
Dieselbe Übersicht ordnet die Lemax-Serien unterschiedlich ein – Harvest Crossing eher bei 1:48 bis 1:56, Caddington und Vail Village bei etwa 1:64, Santa’s Wonderland gilt als bewusst stilisiert. Wer zwei Serien mischt, mischt also zwei Maßstäbe. Bei uns ist das konkret geworden, als ich nachgesehen habe, was da eigentlich auf der Platte steht: Unsere Brauerei ist die Fassade „Beersmith Row“ mit West End Brewery und Brickstone Ale Works, und die gehört zur Caddington-Reihe. Damit ist unser Arbeitsmaßstab rund 1:64 – und alles, was ich dazudrucke, richtet sich danach. Dafür gibt es einen Satz Regeln aus dem Modellbau, die bei gedruckter Landschaft noch besser funktionieren, weil man die Geometrie selbst in der Hand hat:
- Große Gebäude nach vorn, kleine nach hinten. Das ist dieselbe Perspektivtäuschung, mit der Bühnenbilder arbeiten.
- Die hintere Reihe anheben. Village Collector empfiehlt Schaumstoff, Bücher oder Podeste – und genau hier ist der gedruckte Hügel die elegantere Lösung, weil er die Erhöhung und die Landschaft in einem Teil erledigt.
- Bäume und Zubehör als Übergang. Sie verstecken Größenunterschiede zwischen Gebäuden – und Bäume sind das, was man am einfachsten selbst druckt und in beliebigen Höhen staffelt.
- Fahrzeuge sind die Verräter. Ein Auto, das nicht zum Haus passt, fällt sofort auf. Türen und Figuren verzeiht das Auge, Autos nicht.
- Fassaden gehören nach hinten. Unsere Brauerei ist genau so eine: 28 Zentimeter breit, aber nur 13 tief. Eine Fassade hat keine Rückseite, die man zeigen könnte – sie steht an der Wand und bildet die Stadtkante. Das ist keine Einschränkung, sondern eine Vorgabe, die die Landschaftsplanung erleichtert: Hinten die flache Häuserzeile, davor der Platz für Hügel, Wege und Figuren.
- Bewusst übertreiben ist erlaubt. Laut derselben Quelle vergrößern manche Gestalter ihr Hauptgebäude absichtlich um 20 bis 30 Prozent. Im Modellbau heißt diese gezielte Verzerrung selektive Verdichtung.
Problem 2: Das Strombudget, das niemand ausrechnet
Hier wird es für mich als Entwicklerin erst richtig interessant, weil es die einzige Stelle im Projekt ist, an der eine Zahl hart eine Grenze zieht. Lemax arbeitet mit 4,5 Volt; ältere Artikel einer Schwestermarke liefen mit 3 Volt. Die Beleuchtung steckt heute als LED-Einheit namens „Moonlander“ in einer Klemmfassung, die in die Beleuchtungsöffnung des Hauses geklemmt wird – die Öffnungen haben einen Durchmesser von 30 Millimetern.
Die Stromaufnahme steht in den Katalogangaben der Händler, und sie ist der Schlüssel zur Planung. Nach den Angaben bei Kleine Weihnachtswelt zieht ein einzelner LED-Moonlander etwa 62 Milliampere, drei davon in einer Dreier-Kombination zusammen 192 Milliampere. Dem gegenüber stehen vier Netzadapter:
| Adapter | Spannung | Maximale Last | Reicht theoretisch für |
|---|---|---|---|
| Vierfach-Adapter (LUVZ 610.302) | 4,5 V | 1.000 mA gesamt | rund 16 Moonlander |
| Einzelausgang (LZ 74.254) | 4,5 V | 500 mA (an anderer Stelle 550 mA genannt) | rund 8 Moonlander |
| Mitgelieferter Hausadapter ab 2024 | 4,5 V | 100 mA | genau ein Haus |
| Remote Control Box (Artikel 54521) | 4,5 V | 2.000 mA | rund 32 Moonlander |
Die dritte Zeile ist die, über die man stolpert. Seit 2024 entfällt bei vielen Häusern die Batteriebox, und stattdessen liegt ein kleiner Netzadapter mit nur 100 Milliampere bei. Der Händler schreibt ausdrücklich dazu, dass andere 4,5-Volt-Artikel mit höherer Stromaufnahme daran nicht betrieben werden dürfen. Wer also drei dieser Hausadapter übrig hat und denkt, damit lasse sich der halbe Hügel beleuchten, baut einen Kurzschluss in Zeitlupe.
Und dann kommen die animierten Teile, und damit kippt die Rechnung. Für das Riesenrad gibt Vision-Town eine Leistungsaufnahme von 380 Milliampere an – das Sechsfache eines beleuchteten Hauses. Mitgeliefert wird ein 4,5-Volt-Adapter mit 550 mA, und damit bleiben nach dem Riesenrad noch 170 mA übrig, also Platz für zwei Häuser. Am 1.000-mA-Adapter geht das Riesenrad plus rund zehn Häuser – rechnerisch, ohne jede Reserve. Der Händler schreibt dazu nüchtern: „Die Gesamtleistung des Adapters darf nicht überschritten werden!“
Unser Karussell, das Santa Carousel aus der Carnival-Reihe, liegt in derselben Größenordnung: 360 Milliampere, ebenfalls mit einem 550-mA-Adapter im Karton. Zwei Fahrgeschäfte ziehen damit zusammen 740 Milliampere – mehr, als ein 1.000-mA-Adapter mit Reserve verkraftet. Rechnerisch blieben 260 mA übrig, also vier Hausbeleuchtungen, und das ohne jeden Puffer. Die sinnvolle Aufteilung ist deshalb die, die der Hersteller ohnehin mitliefert: jedes Fahrgeschäft an seinem eigenen Adapter, und was dort übrig bleibt – 170 beziehungsweise 190 mA – nimmt zwei bis drei Häuser mit.
So sieht das Budget für unser Dorf aus:
| Verbraucher | Stromaufnahme | Quelle der Angabe |
|---|---|---|
| The Giant Wheel (Riesenrad) | 380 mA | Händlerangabe |
| Santa Carousel | 360 mA | Händlerangabe |
| Beersmith Row (Brauerei-Fassade) | keine Angabe – 4,5 V über drei AA-Zellen oder Adapter | Händlerangabe, ohne mA |
| Hausbeleuchtung je Moonlander | 62 mA | Händlerangabe |
Für den Ausbau nennt der Händler übrigens eine eigene Faustregel, die man sich merken kann: Ein 1.000-mA-Adapter versorgt bis zu drei Verbrauchsstellen, mit Verteilerkabeln werden daraus bis zu neun. Die Remote Control Box mit 2.000 mA schaltet bis zu sechs Geräte und mit Verteilern bis zu achtzehn. Das sind Anschlusszahlen, keine Leistungsangaben – wer zwei Fahrgeschäfte an drei Verbrauchsstellen hängt, hat die Anschlussregel eingehalten und das Strombudget trotzdem gerissen. Dazu steht der Satz, der alles andere relativiert: „Die Gesamtleistung des Adapters darf nicht überschritten werden!“
Und damit zur verbleibenden Lücke, die ich nicht schließen konnte: Für die Brauerei nennt kein Händler eine Stromaufnahme, nur „4,5 V über drei AA-Zellen oder Lemax-Netzadapter“. Beleuchtete Fassaden dürften nah an der Hausbeleuchtung liegen, aber das ist eine Vermutung und keine Zahl. Meine Arbeitsannahme bleibt deshalb: Jedes animierte Teil mit Motor und Sound belegt gedanklich einen eigenen Adapter, und alles ohne veröffentlichten Wert wird nachgemessen. Ein einfaches Strommessgerät in der Zuleitung beantwortet die Frage in zwei Minuten – und der gemessene Wert kommt in den Folgebeitrag.
Pro-Tipp: Rechne mit höchstens 70 Prozent der Nennlast und schreib das Budget auf, bevor du druckst. Ein Dorf wächst – und zwar immer dann, wenn der nächste Hügel schon verklebt und verkabelt ist. Bei mir steht die Liste inzwischen als Tabelle daneben: Haus, Stromaufnahme, Adapter, freie Reserve. Das klingt übertrieben für Weihnachtsdeko, hat mir aber das Auseinandernehmen erspart.
Was das für die gedruckte Landschaft bedeutet

Jetzt wird das Strombudget zur Konstruktionsvorgabe, und das ist der eigentliche Grund, warum gedruckte Landschaft besser ist als Styropor: Du kannst die Infrastruktur von Anfang an mitmodellieren.
- Kabelkanäle statt Kabelsalat. Jeder Hügel bekommt an der Unterseite einen durchgehenden Kanal, mindestens doppelt so breit wie der dickste Stecker, der durchmuss. Lemax-Stecker sind kleine DC- bzw. Klinkenstecker, aber die Zugentlastung am Kabel ist dicker als das Kabel selbst.
- Hohl drucken, nicht massiv. Ein Hügel als Hohlkörper mit 2 bis 3 Millimeter Wandstärke spart Material, Zeit und Gewicht – und hat innen genau den Platz, den die Verteilerkabel brauchen.
- Wartungsöffnung einplanen. Eine Klappe oder ein abnehmbares Bodenteil, groß genug für zwei Finger und einen Stecker. Ohne die ist der erste Wackelkontakt das Ende des Hügels.
- Den Adapter nicht einbauen. Netzteile gehören nicht in ein geschlossenes Kunststoffgehäuse. PLA wird bei etwa 55 bis 60 Grad weich – das haben wir beim Lebkuchenkirchen-Druck schon zum Thema Teelicht geschrieben, und für ein Steckernetzteil unter einer Abdeckung gilt es genauso. Die LEDs selbst sind unkritisch, die werden kaum warm; das Netzteil ist das Teil, das Luft braucht.
- Die 30 Millimeter merken. Wer ein eigenes Haus oder einen Felsen mit Innenbeleuchtung druckt, baut die Öffnung passend zur Klemmfassung – dann steckt dieselbe Lemax-Beleuchtung auch im Eigenbau, und du brauchst keine zweite Stromversorgung.
Problem 3: Die Landschaft in Kacheln denken

Keine Landschaft, die diesen Namen verdient, passt in einen Bauraum. Die Lösung ist dieselbe wie in jedem größeren Druckprojekt: ein Raster aus Kacheln, die zusammengesteckt werden. Was dabei zählt, sind die Toleranzen – und die muss man nicht erraten. In unserem Beitrag zu den Designregeln für den 3D-Druck stehen die Startwerte für Passungen: 0,15 Millimeter für einen strammen Sitz, 0,25 Millimeter für leichtgängig, 0,4 Millimeter für beweglich. Für Landschaftskacheln, die man jedes Jahr wieder auseinandernimmt, ist 0,25 die richtige Wahl.
Zwei Dinge, die ich beim ersten Anlauf falsch gemacht habe und die vielleicht jemandem den Nachmittag retten: Erstens habe ich die Kacheln quadratisch geplant. Das sieht im CAD ordentlich aus und erzeugt im Dorf ein Schachbrett, weil die Fugen zwei durchgehende Linien bilden. Versetzte Kanten oder ein unregelmäßiger Verlauf sind aufwendiger zu konstruieren und danach unsichtbar. Zweitens habe ich die Steckverbindungen an den Kachelrändern platziert – also genau dort, wo das Material am dünnsten ist. Nach innen versetzte Zapfen halten deutlich besser.
Die Fugen selbst verschwinden am Ende sowieso: unter Schnee, unter einer Mauer, unter einem Baum. Und wo sie bleiben, hilft eine bewusst gesetzte Kante – ein Weg, ein Zaun, ein Bachlauf – mehr als der Versuch, sie wegzuschleifen.
Stein und Struktur aus dem Slicer: Fuzzy Skin
Das ist die Slicer-Funktion, die bei diesem Projekt den größten Unterschied macht, und sie ist erstaunlich wenig bekannt. Fuzzy Skin erzeugt eine raue Oberfläche, indem der Außenumfang mit zufälliger Schrittweite neu abgetastet und jeder Punkt um einen Zufallsbetrag nach innen oder außen verschoben wird. Prusa beschreibt das als „rough fiber-like texture on the sides of your models“ und nennt als Anwendung unter anderem, „to hide imprecision on prints“.
Zwei Parameter steuern das Ergebnis: die Fuzzy skin thickness – der maximale Betrag, um den ein Punkt senkrecht zur Wand verschoben wird – und die Fuzzy skin point distance. Die Prusa-Dokumentation zeigt Beispiele mit 0,1 und 0,3 Millimeter Dicke sowie 0,5 und 1,0 Millimeter Punktabstand; das OrcaSlicer-Wiki empfiehlt, die Dicke „below or near your outer wall line width“ zu halten. Für Fels und Geröll sind die Noise-Typen interessant, die Orca mitbringt: „Ridged Multifractal“ wird dort ausdrücklich als „useful for stone- or marble-like textures“ beschrieben, „Billow“ als „often used for natural textures“.
Und jetzt die Nebenwirkungen, die man kennen sollte, bevor man einen Hügel über Nacht druckt. Das Orca-Wiki ist da ungewöhnlich offen:
- Fuzzy Skin „increases print time and affects dimensional accuracy“ – bei zusammensteckbaren Kacheln also nichts für die Passflächen.
- Der klassische Displacement-Modus „reduces the strength of the whole shell and opens pores inside the walls“ und belastet die Mechanik stärker.
- Der Extrusion-Modus belastet die Mechanik nicht und erzeugt keine Poren, liefert aber eine Struktur, die „about half as pronounced“ ist.
- „All Walls“ gibt den stärksten Effekt, erhöht aber Slicing- und Druckzeit „considerably“.
- Die Funktion auf der ersten Schicht „can impact bed adhesion and surface contact“ – bei großflächigen Landschaftsteilen genau das, was man nicht will.
Mein Vorgehen daraus: Textur nur auf die Außenkontur, Passflächen glatt lassen, erste Schicht glatt lassen. Prusa bietet dafür ein Paint-on-Werkzeug, mit dem man die texturierten Bereiche direkt aufs Modell malt – und das ist bei einer Landschaft, die oben Schnee und unten Fels sein soll, genau das richtige Werkzeug.
Schnee kommt nicht aus dem Drucker

Das ist die Erkenntnis, die mich am Anfang am meisten gewurmt hat, weil ich sie gerne anders gehabt hätte: Gedruckter Schnee sieht nicht aus wie Schnee. Er sieht aus wie weißes Plastik mit Struktur. Fuzzy Skin liefert die Form – Verwehungen, Buckel, aufgetürmte Kanten –, aber die Oberfläche selbst muss von außen kommen. Deshalb arbeiten wir mit den Techniken, die im Dioramenbau seit Jahrzehnten funktionieren, und der Drucker liefert nur den Unterbau.
Bei uns sind das zwei Verfahren. Das erste ist selbst angesetzte Schneepaste, die mit dem Spachtel aufgetragen und von Hand zu Verwehungen modelliert wird. Das zweite ist Schneepulver, das in verdünnten Holzleim gestreut wird: Leim aufpinseln, Pulver darüber, trocknen lassen, loses Material abklopfen. Das Mischungsverhältnis bei der selbst angesetzten Paste ist bei uns Erfahrungssache und keine Rezeptur – wer eine reproduzierbare Mischung braucht, ist mit gekaufter Paste besser bedient.
Die gekaufte Variante ist nämlich erstaunlich gut dokumentiert, und zwar in einem Punkt, der für gedruckte Teile entscheidend ist. Noch führt eine ganze Reihe an Winter-Material – Pulverschnee, Schneeflocken, Schnee-Paste, Eiskristall-Paste, Eiszapfen – und beschreibt in den eigenen Basteltipps, dass die Schnee-Paste mit Spachtel oder Pinsel aufgetragen wird, sich von Hand zu Schneehaufen und Verwehungen modellieren lässt und nach zwei bis drei Stunden trocken ist. Mit Wasser verdünnt geht sie auch auf Bäume und Büsche. Und – das ist der entscheidende Satz – bei Hausdächern oder sehr glatten Untergründen soll man zuerst eine Schicht Schnee-Kleber auftragen und die Paste erst danach.
Genau da schließt sich der Kreis zum Slicer: Ein glatter Untergrund ist das Problem, und eine raue Oberfläche ist die Lösung. Die Textur, die man sich für die Optik in den Hügel rechnet, ist gleichzeitig der Haftgrund für Paste und Leim. Auf einer glatt gedruckten Fläche sitzt die Paste auf; in einer rauen Oberfläche verzahnt sie sich. Das ist der Grund, warum ich Fuzzy Skin inzwischen auch auf Flächen aufmale, die später unter Schnee verschwinden und von denen man nie etwas sieht.
Pro-Tipp: Trag den Schnee erst auf, wenn die Verkabelung steht und einmal durchgelaufen ist. Eine Kachel, die man nach dem Spachteln noch einmal öffnen muss, lässt sich nicht unsichtbar reparieren – und eine Schicht Schneepaste über einer Wartungsöffnung klebt diese Öffnung zuverlässig zu. Bei uns ist die Reihenfolge inzwischen fest: drucken, verkabeln, einmal einschalten, dann Schnee. Genau an dieser Stelle stehen wir aktuell – das Raster ist gesetzt, ein Teil der Kacheln ist gedruckt, der Spachtel wartet noch.
Drei Dinge, die ich bei diesem Schritt im Auge behalten würde. Erstens: Holzleim und wasserhaltige Pasten ziehen beim Trocknen zusammen. Auf einem dünnwandigen, hohl gedruckten Hügel kann das sichtbare Spannungen erzeugen – 2 bis 3 Millimeter Wandstärke sind auch deshalb sinnvoll. Zweitens: Lass Stecker und Fassungen frei. Eine zugespachtelte 30-Millimeter-Öffnung bekommt man nicht mehr sauber auf. Drittens, und das sage ich ausdrücklich als offene Frage: Ob weißleimbasierte Mischungen über viele Jahre vergilben, konnte ich nicht belastbar klären – das wäre ein Argument für gekaufte, farbstabil beworbene Materialien an den gut sichtbaren Stellen. Wir werden es in ein paar Jahren wissen und berichten.
Material: warum ich bei PLA bleibe
Bei einem Objekt, das elf Monate im Keller steht und vier Wochen im Wohnzimmer, sind die üblichen Materialargumente fast alle irrelevant. Keine Sonne, keine Last, keine Hitze – die LED-Beleuchtung erzeugt praktisch keine. Damit fällt die Begründung weg, für die man sonst zu PETG oder ASA greift; die Eigenschaften im Vergleich stehen in unserem Beitrag über die Geheimnisse deiner 3D-Druck-Filamente.
Was bei PLA zählt, ist die Optik – und zwar weniger, als man denkt, sobald Schnee darüberkommt. Für alles, was sichtbar bleibt, also Fels, Mauern, Treppen und Wege, ist mattes Filament die bessere Wahl, weil glänzende Oberflächen nach Plastik aussehen. Für Teile in der Nähe des Netzteils, also Halterungen und Kabelführungen, nehme ich trotzdem PETG, einfach weil dort die einzige Wärmequelle im ganzen Aufbau sitzt.
Druckzeit realistisch planen
Landschaft ist das Gegenteil von Miniaturen: große Flächen, weiche Formen, keine feinen Details. Das ist der Fall, in dem eine größere Düse objektiv richtig ist. Unser Beitrag zu Düsendurchmesser und Düsenmaterial nennt 0,6 Millimeter als Favoriten für Halterungen und Gehäuse – für Hügel und Dämme gilt dasselbe, und zusammen mit dickeren Schichten halbiert das die Druckzeit, ohne dass man es sieht. Erst recht nicht, wenn ohnehin Schnee darüberkommt. Dass dünnere Schichten nicht automatisch besser sind, ist übrigens einer der Punkte in unserer Sammlung der verbreitetsten 3D-Druck-Mythen.
Zwei Dinge erhöhen die Zeit dagegen wieder: Fuzzy Skin und Stützmaterial. Beim zweiten lohnt es sich, die Geometrie zu ändern statt die Einstellungen – ein Hügel, der von unten hohl ist, braucht gar keine Stützen, und Überhänge bis etwa 45 Grad kommen ohnehin ohne aus. Wie man den Rest wegkonstruiert, steht im Beitrag über Stützstrukturen im 3D-Druck.
Und ein organisatorischer Hinweis, der mehr bringt als jede Einstellung: Druck eine Kachel, bau sie ein, spachtel sie fertig, und erst dann die nächsten acht. Bei einem Raster, das nicht passt, ist der Unterschied zwischen einer verlorenen Kachel und einer verlorenen Woche genau diese Reihenfolge.
Wenn du fertige Modelle nimmst
Für Bäume, Laternen, Zäune und Felsen muss niemand selbst konstruieren – davon gibt es auf den Modellportalen mehr als man drucken kann. Zwei Dinge würde ich dabei trotzdem prüfen. Erstens, ob das Modell in der Größe funktioniert, die dein Referenzmaß vorgibt; viele Landschaftsmodelle sind für Tabletop-Maßstäbe gemacht, und das ist ein anderer Bereich als 1:48 bis 1:64. Zweitens die Lizenz, falls aus dem Dorf irgendwann ein Verkaufsobjekt werden soll – worauf es dabei ankommt, steht in unserem Beitrag zu STL-Dateien, Portalen und der Lizenzfrage.
Was ich daraus mitnehme
Der Satz, der mich bei dieser Recherche am meisten überrascht hat, steht in der Hilfeseite des Herstellers selbst: Es gibt keinen Maßstab. Was zunächst nach Schlamperei klingt, ist in der Praxis eine Befreiung – wenn kein Maßstab gilt, gibt es auch keinen falschen. Es gilt nur die Tür, durch die eine Figur passen muss, und das Auge des Betrachters, das große Dinge vorn und kleine hinten erwartet.
Technisch bleiben zwei Zahlen hängen, und die sind unverhandelbar: 4,5 Volt, und was nach dem Adapter übrig ist. Ein Dorf, das jedes Jahr um zwei Häuser wächst, scheitert nicht an der Optik, sondern an der Milliampere-Bilanz. Und handwerklich bleibt die Einsicht, dass der Drucker hier nicht das ganze Werkzeug ist, sondern das halbe: Er macht die Form, der Spachtel macht den Winter.
Wie gesagt: Das alles ist Zwischenstand. Die nächsten Wochen gehen für Kacheln, Kabel und Schnee drauf, und ich rechne fest damit, dass dabei noch mindestens eine Erkenntnis entsteht, die diesem Beitrag widerspricht – das ist bei Bauprojekten der Normalfall. Das fertige Dorf mit allen Hügeln, der kompletten Verkabelung und den eigenen Fotos erscheint hier noch vor Weihnachten, und dann auch mit den Zahlen, die heute noch fehlen: der gemessenen Stromaufnahme der Brauerei-Fassade und der Gesamtdruckzeit der Landschaft.
