Sam Altman hat in einem Videointerview einen Satz gesagt, der in den letzten Tagen durch die Technikpresse gegangen ist: Es sei „eigentlich ziemlich schlimm, wenn jeder einen Teil des weltweit begrenzten DRAM-Angebots in seinem eigenen Computer hat“. Begründung: Dieser Speicher werde „nur fünf Prozent der Zeit genutzt“, im Rechenzentrum wäre er besser angelegt. PC-Welt hat das am 3. November unter der Überschrift zusammengefasst, der Arbeitsspeicher deines PCs solle ihm gehören.

verschiedene DDR5 RAM
Verschiedene RAM Riegel

Man kann sich darüber aufregen, und viele tun das gerade. Mich interessiert eine andere Frage, weil sie die einzige ist, die man selbst beantworten kann: Wie viel Arbeitsspeicher braucht dein Windows-PC eigentlich? Nicht gefühlt, sondern gemessen. Bei RAM-Preisen, die laut PC-Welt rund 500 Prozent über denen von Anfang 2025 liegen, ist das keine akademische Frage mehr. Ein Riegel, den du nicht brauchst, kostet dieses Jahr so viel wie früher drei.

Dieser Beitrag ist deshalb ein Messratgeber, kein Preisartikel. Wie sich die Preise entwickelt haben, hat Markus im April in Das Ende des billigen Speichers aufgeschrieben; die Tricks, mit dem vorhandenen Speicher schneller zu werden, stehen in seinem Beitrag PC ohne RAM-Upgrade beschleunigen. Hier geht es um den Schritt davor: die Entscheidung, ob du überhaupt kaufen musst.

Was Altman gesagt hat – und was davon belegt ist

Weil die Geschichte gerade in mehreren Varianten herumgeht, lohnt eine Trennung von belegt und unbelegt. Belegt ist: Die Aussage fiel in einem Videointerview auf dem YouTube-Kanal „Cheeky Pint“, Gesprächspartner war John Collison, Präsident von Stripe; die Stelle liegt bei etwa Minute 29. Hardwareluxx hat es am 1. November unabhängig berichtet und zitiert Altman mit „ziemlich furchtbar“; er halte den Markt nicht für fähig, Speicher selbst effizient zu verteilen.

Nicht belegt ist die Zahl, die in vielen Überschriften steht: dass OpenAI bis zu 40 Prozent der weltweiten DRAM-Produktion beanspruche und sogar DDR5-Lagerbestände im Einzelhandel aufkaufe. Notebookcheck schreibt diese Angabe ausdrücklich dem YouTube-Kanal „Moore’s Law is Dead“ zu, der sich auf nicht namentlich genannte Quellen beruft; eine Bestätigung von OpenAI, Samsung oder SK Hynix fehlt. Die dort genannten Preise – ein günstiges 32-GB-DDR5-Kit bei rund 220 Euro, etwa dreimal so viel wie drei Monate früher – sind überprüfbar. Dass OpenAI dafür verantwortlich ist, ist damit nicht belegt, sondern nur nebeneinandergestellt.

Ich nenne das so ausführlich, weil die 40 Prozent inzwischen als Tatsache zitiert werden. Für die Kaufentscheidung ist sie ohnehin unerheblich: Teuer ist der Speicher unabhängig davon, wer genau ihn wegkauft.

Die Prämisse hat einen Fehler: Windows lässt RAM nicht ungenutzt

Nahaufnahme einer Tastatur mit der Windows-Taste im Fokus – Windows Grundlagen für Anfänger

An Altmans Argument stört mich technisch ein Punkt, und der ist nachprüfbar. „Wird nur fünf Prozent der Zeit genutzt“ setzt voraus, dass ungenutzter Speicher leer herumliegt. Genau das tut ein modernes Windows nicht. Es füllt freien Arbeitsspeicher mit einem Standby-Cache: Daten, die wahrscheinlich bald wieder gebraucht werden, bleiben vorsorglich drin und werden sofort verworfen, wenn ein Programm den Platz anfordert. Danach kommt die Speicherkomprimierung, die ungenutzte Seiten direkt im RAM zusammenpackt, bevor überhaupt auf die Festplatte ausgelagert wird.

Mit anderen Worten: Das Betriebssystem auf deinem Schreibtisch behandelt Arbeitsspeicher längst als zu wertvoll, um ihn brachliegen zu lassen. Der Satz „fünf Prozent der Zeit genutzt“ beschreibt nicht, wie Windows mit RAM umgeht, sondern wie oft du am Rechner sitzt. Das ist ein Unterschied – und er ist der Grund, warum man dem Task-Manager nicht ansieht, ob zu wenig Speicher verbaut ist.

Wie lange die Preise hoch bleiben

Kurz, damit die Dringlichkeit klar ist: Hardwareluxx fasst die Prognosen der drei Hersteller zusammen, die praktisch die gesamte DRAM-Produktion kontrollieren. SK hynix rechnet damit, dass die Nachfrage das Angebot bis mindestens 2030 übersteigen könnte. Samsung erwartet eine weitere Verschärfung 2027 und frühestens ab 2028 Besserung. Micron sieht DRAM und NAND auch 2027 und 2028 als unzureichend versorgt. Alle drei bauen neue Fertigung, die aber Jahre braucht. Das Fazit dort lautet: „Eine nachhaltige Entspannung der Speicherpreise ist daher vorerst nicht absehbar.“

Daraus folgt für die Praxis etwas Unangenehmes: Abwarten ist diesmal keine Strategie, die sich von selbst auszahlt. Umso wichtiger wird die Frage, ob du den Kauf überhaupt brauchst.

Die einzige Zahl, die deinen Bedarf verrät: „Zugesichert“

Im Task-Manager unter „Leistung → Arbeitsspeicher“ stehen vier Werte, und der meistgelesene ist der unwichtigste. Kurz der Reihe nach:

  • In Verwendung – der Speicher, der Apps, Windows und Treibern zugewiesen ist, komprimierte Daten eingeschlossen. Dieser Wert ist eine Mischung verschiedener Dinge und am schwersten freizugeben.
  • Verfügbar – was sofort vergeben werden kann, wenn ein Programm es anfordert. Darin steckt auch der Standby-Cache, den Windows bei Bedarf verwirft.
  • Zwischengespeichert – ein Sammelbegriff für den Working Set des Systems sowie die Standby- und Modified-Listen.
  • Zugesichert – der Speicher, den Windows den Programmen zugesagt hat, gedeckt durch RAM oder Auslagerungsdatei. Deshalb kann dieser Wert den physischen Speicher übersteigen.

„Zugesichert“ ist die interessante Zahl, und zwar in der Schreibweise mit zwei Werten: aktuell und Limit. Das Limit ist nach Microsofts eigener Dokumentation „die Summe des physischen Arbeitsspeichers (RAM) und aller Seitendateien kombiniert“. Ohne Auslagerungsdatei liegt es sogar „etwas kleiner als der physische Arbeitsspeicher“. Wenn der linke Wert dauerhaft nah an den rechten kriecht, hast du ein echtes Speicherproblem. Wenn „In Verwendung“ bei 90 Prozent steht, „Zugesichert“ aber weit unter dem Limit liegt, hast du keins – dann arbeitet nur der Cache.

Eine Woche messen statt zehn Minuten raten

Der Fehler, den ich jahrelang selbst gemacht habe: Task-Manager aufmachen, erschrecken, Riegel kaufen. Der Haken daran ist, dass ein Momentwert nichts über die Spitzenlast sagt. Interessant ist der höchste zugesicherte Wert über mehrere Arbeitstage hinweg – und für den gibt es in Windows ein Werkzeug, das kaum jemand benutzt.

Die Leistungsüberwachung (perfmon) kann mitschreiben. Zwei Indikatoren genügen: Arbeitsspeicher → Zugesicherte verwendete Bytes und Auslagerungsdatei → % Auslastung. Als Sammlungssatz mit einem Intervall von 15 oder 30 Sekunden läuft das eine Woche lang nebenbei und erzeugt eine Datei, deren Maximum die Frage beantwortet, die der Task-Manager nicht beantworten kann.

Pro-Tipp: Starte die Messung an einem typischen Arbeitstag, nicht am Wochenende, und mach während der Woche einmal bewusst alles gleichzeitig auf, was du realistisch gleichzeitig brauchst – Browser mit allen Tabs, Office, Bildbearbeitung, die Slicer- oder CAD-Software, dazu eine Videokonferenz. Dieser eine Moment ist der Wert, für den du kaufst. Und lass den Rechner in dieser Woche nicht jede Nacht neu starten; ein Neustart setzt die Kurve zurück und schluckt genau die Spitze, die du suchen wolltest.

Microsofts eigene drei Bedingungen als Entscheidungsregel

Das Schöne daran: Man muss sich die Entscheidungsregel nicht ausdenken, Microsoft hat sie aufgeschrieben. In der Anleitung zur Bestimmung der Auslagerungsdateigröße steht, dass eine Vergrößerung oder eine zusätzliche Auslagerungsdatei nur dann sinnvoll ist, wenn alle drei Bedingungen zutreffen: Es wird mehr verfügbarer Arbeitsspeicher benötigt, die Liste der geänderten Seiten ist groß, und die Auslagerungsdateien sind ziemlich voll – also der Indikator \Paging File(*)% Usage liegt über 90 Prozent.

Dieselben drei Punkte funktionieren als RAM-Kaufregel, nur mit anderem Ergebnis: Treffen sie alle zu, hilft kein Einstellungstrick mehr, sondern nur mehr physischer Speicher. Trifft einer davon nicht zu, ist das Problem woanders – und dann lohnt der Blick in Markus‘ Trickkiste oder in den Beitrag über unbekannte Ursachen für lahmende Windows-Systeme, bevor Geld fließt.

Die vier Alltagssymptome, die zählen

Wer nicht eine Woche messen will, kann sich an vier Beobachtungen halten. How-To Geek nennt sie als echte Warnzeichen, und sie deckten sich mit allem, was ich selbst an fremden Rechnern gesehen habe:

  • Der zugesicherte Speicher liegt nah am Limit.
  • Beim Wechseln zwischen offenen Programmen ruckelt es.
  • Programme brauchen auffällig lange zum Starten, obwohl sie eben noch offen waren.
  • Viele harte Seitenfehler pro Sekunde zusammen mit hoher Datenträgeraktivität.

Umgekehrt gilt der Satz, den ich mir am Monitor festkleben würde: Hoher Standby-Speicher und viel komprimierter Speicher sind keine Probleme, solange das System flüssig reagiert. Der dritte Punkt ist dabei der aussagekräftigste im Alltag – wenn ein Programm, das vor zwei Minuten noch lief, beim Zurückwechseln neu von der SSD geladen wird, ist der Arbeitsspeicher wirklich knapp.

Die Auslagerungsdatei: was Microsoft wirklich schreibt

Weil zu diesem Thema die meisten Halbwahrheiten unterwegs sind, hier die Zahlen aus der Microsoft-Dokumentation statt aus Foren. Die systemverwaltete Auslagerungsdatei wächst, wenn der System-Commit 90 Prozent des Limits überschreitet, bis sie „dreimal die Größe des physischen Speichers oder 4 GB erreicht, je nachdem, welcher Wert größer ist“; nach oben begrenzt ist sie auf ein Achtel der Volumengröße. Die Mindestgröße richtet sich nach Nutzungsverlauf, RAM geteilt durch acht (maximal 32 GB) und den Einstellungen für Absturzabbilder.

Drei Konsequenzen daraus, die in Foren regelmäßig falsch wiedergegeben werden:

  • Die Faustformel „1,5-mal RAM“ steht dort nicht. Microsoft schreibt im Gegenteil, die Größenanpassung sei „für jedes System eindeutig“ und könne „nicht generalisiert werden“. Systemverwaltet ist für die große Mehrheit die richtige Einstellung.
  • 100 Prozent Auslastung der Auslagerungsdatei ist kein Problem – solange das Commit-Limit nicht erreicht wird und nicht erheblicher Speicher darauf wartet, geschrieben zu werden. Die Zahl allein ist also kein Alarmsignal.
  • Abschalten verkleinert dein Commit-Limit. Ohne Auslagerungsdatei entspricht es nur noch dem physischen RAM, minus einem kleinen Abzug – gerade bei knappem Speicher also das Gegenteil von hilfreich. Und ohne ausreichend große Auslagerungsdatei entsteht bei einem Absturz kein Speicherabbild; wer sie trotzdem loswerden will, soll laut Microsoft eine dedizierte Abbilddatei einrichten.

Wenn die Messung sagt: ja, kaufen

Dann gilt in diesem Jahr mehr denn je, dass man genau einmal kaufen sollte. Vier Dinge, die ich vorher prüfe:

  • Was das Board maximal unterstützt – und zwar nicht nur die Gesamtkapazität, sondern die Bestückung. Vier belegte Bänke laufen oft langsamer als zwei; warum das an der Signalführung liegt, steht im Guide zur Daisy-Chain-Topologie.
  • Kit statt Einzelriegel. Zwei Module aus einem geprüften Kit sind die sichere Variante; einen vorhandenen Riegel mit einem neuen zu paaren, funktioniert manchmal und kostet im schlechten Fall einen Nachmittag.
  • Beim Notebook vorher nachsehen, ob überhaupt etwas steckbar ist. Viele aktuelle Geräte haben verlötete Module. Dann ist die Frage nicht „welcher Riegel“, sondern „aufrüsten oder neu kaufen“ – dazu gibt es einen eigenen Beitrag.
  • Für CAD, Slicer und Bildbearbeitung die Spitzenlast rechnen, nicht den Durchschnitt. Genau diese Programme reißen die Messkurve nach oben; welche Anforderungen dabei zusammenkommen, hat der Blog in der Übersicht zu Workstations für 3D-Druck und CAD unter Windows aufgeschlüsselt.

Was ich daraus mitnehme

Altmans Satz ist als Beschreibung nicht falsch: DRAM ist knapp, und die Preise zeigen das sehr deutlich. Als Schlussfolgerung finde ich ihn trotzdem schief, und zwar nicht aus Prinzip, sondern aus zwei technischen Gründen. Erstens liegt der Speicher im Heim-PC nicht brach, Windows nutzt ihn als Cache und komprimiert, bevor es auslagert. Zweitens verschwindet der Bedarf nicht dadurch, dass die Berechnung in ein Rechenzentrum wandert – er wird nur verlagert, zusammen mit der Abhängigkeit von einer Internetverbindung und einem Abo.

Was mir die Recherche praktisch gebracht hat, ist etwas anderes: Ich habe jahrelang „Zugesichert“ für eine Nebenangabe gehalten und auf „In Verwendung“ geschaut – also auf genau den Wert, der bei einem gut arbeitenden Windows immer hoch ist. Wer eine Woche mitschreibt, weiß danach, ob er 16, 32 oder 64 Gigabyte braucht, statt es zu schätzen. Bei den aktuellen Preisen ist diese Woche die lohnendste Investition im ganzen Vorgang.

Die Preis- und Marktangaben in diesem Beitrag stammen aus den verlinkten Berichten vom 1. bis 3. November 2026 und ändern sich in dieser Marktlage schnell; die technischen Angaben zu Auslagerungsdatei und Commit-Limit aus der Microsoft-Dokumentation. Prüf konkrete Preise und die Aufrüstbarkeit deines Geräts vor dem Kauf selbst nach.

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Johanna

Johanna ist die treibende Kraft für technologische Innovationen und Software-Lösungen bei Addis Techblog. Sie filtert den Hype aus neuen Releases und testet Software auf ihren tatsächlichen Nutzwert. Ihr Fokus liegt auf der Integration lokaler AI-Modelle, der Optimierung von Content-Creation-Workflows und der Analyse neuer Software-Tools. Johanna sorgt dafür, dass smarte Lösungen und Slicer-Updates nicht nur theoretisch funktionieren, sondern den digitalen Alltag der Leser messbar effizienter machen.