Kennst du das? Freitagabend, Couch, Snacks bereit – und dann geht die große Suche los. „Läuft der Film jetzt bei Netflix? Oder bei Prime? Ach nee, der war doch bei Paramount+ … oder?“ Genau für diesen Moment habe ich JustWatch seit Jahren auf dem Handy. Die App ist für mich so etwas wie das Navi durch den Streaming-Dschungel: Ich tippe einen Titel ein und sehe sofort, wo ich ihn streamen, leihen oder kaufen kann.

Und jetzt passiert etwas, womit ich ehrlich gesagt nicht gerechnet hätte: Das Navi wird selbst zum Fahrzeug. Die JustWatch Group startet mit JustWatch TV ihren ersten eigenen Streamingdienst – und zwar schon im Oktober 2026, auch bei uns in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Ich habe mir die Ankündigung genauer angesehen und fasse dir zusammen, was bisher bekannt ist.
Kurzer Transparenzhinweis vorab: Alle Infos in diesem Beitrag beruhen auf der offiziellen Pressemitteilung der JustWatch Group vom 15. September 2026. Selbst ausprobieren konnte ich JustWatch TV noch nicht – sobald der Dienst live ist, schaue ich ihn mir natürlich im Praxistest an.
Was ist JustWatch TV?
JustWatch TV ist ein neuer Streamingdienst, der direkt in die bestehende JustWatch-App und die Website eingebaut wird. Es gibt also keine separate App, die du dir zusätzlich installieren musst. Vorgestellt wurde der Dienst auf TIFF: The Market, dem neuen Content-Marktplatz des Toronto International Film Festival.
Die Idee dahinter finde ich ziemlich clever: Bisher hat JustWatch dir gezeigt, wo etwas läuft – und dich dann zu Netflix, Disney+ & Co. weitergeschickt. Künftig kannst du viele Titel direkt nach der Suche an Ort und Stelle anschauen. Und wenn ein Film nicht bei JustWatch TV verfügbar ist, verweist die App dich wie gewohnt auf deine bevorzugten Streamingdienste. JustWatch versteht sich damit nicht als Konkurrenz zur gesamten Branche, sondern als zusätzliche Anlaufstelle.
Welche Nutzungsmodelle bietet JustWatch TV?
JustWatch TV setzt auf einen Mix aus drei Modellen. In der Pressemitteilung fallen dabei einige Branchenkürzel, die ich dir kurz übersetze:
- Kostenlos mit Werbung (AVOD): AVOD steht für „Advertising Video on Demand“. Du zahlst nichts, dafür laufen Werbeunterbrechungen – ähnlich wie beim klassischen Privatfernsehen, nur eben auf Abruf. JustWatch spricht von einer „hochwertigen, kostenlos verfügbaren AVOD-Bibliothek“.
- Leihen (TVOD/PVOD): TVOD bedeutet „Transactional Video on Demand“, also Bezahlen pro Titel. PVOD („Premium Video on Demand“) meint aktuelle Filme, die oft kurz nach dem Kinostart zum Leihen angeboten werden.
- Werbefreies Abo: Wer keine Werbung mag, bekommt eine Abo-Option mit einem wachsenden Katalog werbefreier Filme und Serien.
Ich mag diesen Baukasten-Ansatz. Statt dich direkt in das nächste Monatsabo zu drängen, kannst du dir aussuchen, wie viel du investieren möchtest: gar nichts, gelegentlich ein Leihfilm oder eben das Rundum-sorglos-Paket ohne Werbung.
Wann und wo startet JustWatch TV?
Der Start ist für Oktober 2026 angekündigt. Ein genaues Datum nennt die Pressemitteilung nicht. Zum Launch ist JustWatch TV in zwölf Märkten verfügbar:
- USA und Kanada
- Großbritannien und Irland
- Deutschland, Österreich und die Schweiz
- Frankreich, Italien und Spanien
- Australien und Neuseeland
Für uns im DACH-Raum ist das eine richtig gute Nachricht: Wir sind von Anfang an dabei und müssen nicht – wie so oft – neidisch in die USA schauen und Monate auf den Deutschland-Start warten. Ein kleiner Realitätscheck gehört aber dazu: Die „50 Millionen Nutzer:innen“ aus der Überschrift der Pressemitteilung beziehen sich auf die monatliche Reichweite des Streaming-Guides in insgesamt 140 Märkten. Zum Start kommen also zunächst die Nutzer:innen in den zwölf Launch-Ländern in den Genuss des neuen Dienstes.
Welche Filme und Serien gibt es zum Start?
Eine konkrete Titelliste gibt es noch nicht, aber die Namen der ersten Content-Partner können sich sehen lassen:
- Paramount – eines der großen Hollywood-Studios
- New Regency – Produktionsfirma hinter zahlreichen bekannten Kinofilmen
- Fremantle – einer der weltweit größten TV-Produzenten
- Bleecker Street – US-Verleih mit Fokus auf Independent-Filme
- Vortex Media
Laut JustWatch sollen zahlreiche weitere Partner noch angekündigt werden. Spannend finde ich vor allem den Anspruch, neben bekannten Hits auch schwer auffindbare Geheimtipps und bisher nicht verfügbare Titel ins Programm zu holen. Wer schon mal verzweifelt nach einem Film aus den Neunzigern gesucht hat, der gefühlt auf keiner Plattform läuft, weiß, wie wertvoll so etwas sein kann. Ich habe da mindestens drei Kandidaten auf meiner persönlichen „Wo zum Kuckuck läuft das?“-Liste.
Was macht JustWatch TV anders als Netflix und Co.?

Der größte Trumpf von JustWatch ist ein Datenschatz, den kaum ein anderer Anbieter hat: über ein Jahrzehnt an Daten dazu, wonach Menschen tatsächlich suchen. Wenn Millionen Leute jeden Tag in eine Suchleiste tippen, welche Filme und Serien sie sehen wollen, entsteht ein ziemlich genaues Bild der echten Nachfrage – inklusive der Titel, die gesucht, aber nirgends gefunden werden.
Genau diese Nachfragedaten und Consumer Insights will JustWatch nutzen, um den Katalog von JustWatch TV aufzubauen. Stell dir das vor wie einen Buchhändler, der seit zehn Jahren jede Kundenfrage aufschreibt und dann endlich genau die Bücher ins Regal stellt, nach denen am häufigsten gefragt wurde. Klingt simpel, ist aber ein echter strategischer Vorteil.
Gründer und CEO David Croyé beschreibt die Mission so:
„Seit mehr als einem Jahrzehnt ist es unsere Mission, Fans mit ihren Lieblingsfilmen und -serien zu verbinden, insbesondere mit schwer auffindbaren und bisher nicht verfügbaren Titeln. Mit dem Launch von JustWatch TV wollen wir das Entdecken, den Zugang zu Inhalten und die Interaktion damit noch einfacher machen.“David Croyé, Gründer und CEO der JustWatch Group
Quentin Carbonell, SVP of Global Content Acquisitions and Strategy bei JustWatch, ordnet den Dienst ausdrücklich als Antwort auf die Fragmentierung des Streamingmarkts ein. JustWatch TV soll die gesamte Branche unterstützen – von Filmemacher:innen über Verleihe bis hin zu Streamingplattformen. Das passt zum Modell: Wer auf JustWatch TV einen Film entdeckt, kann ihn kostenlos schauen, leihen oder eben bei seinem Lieblingsdienst wiederfinden.
Brauche ich ein neues Konto für JustWatch TV?
Nein – und das ist für mich einer der sympathischsten Punkte. Weil JustWatch TV direkt in die bestehende App und Website integriert wird, kannst du verfügbare Titel ohne Plattformwechsel und ohne neues Konto ansehen. Der Dienst soll ab Oktober automatisch für alle bestehenden JustWatch-Nutzer:innen in den Launch-Märkten verfügbar sein.
Wenn du wie ich schon eine gefühlte Handvoll Streaming-Logins, Passwörter und Profile verwaltest, weißt du diesen Punkt zu schätzen. Suchen, finden, abspielen – ohne dass sich zwischendurch noch eine Registrierungsmaske in den Weg stellt. Genau so sollte es eigentlich sein.
Was kostet JustWatch TV?
Der werbefinanzierte Teil ist kostenlos – so viel steht fest. Konkrete Preise für Leihfilme und für das werbefreie Abo nennt die Pressemitteilung allerdings noch nicht. Ebenso offen ist bislang, welche Geräte zum Start unterstützt werden, also etwa Smart-TV-Apps, Streaming-Sticks oder Konsolen. Klar ist nur: Über die JustWatch-App und die Website soll es losgehen. Sobald es offizielle Angaben zu Preisen und Plattformen gibt, reiche ich sie hier nach.
Wer steckt hinter JustWatch?
Was viele nicht wissen: JustWatch ist ein Unternehmen aus Deutschland. Die JustWatch Group wurde 2014 gegründet und hat ihren Hauptsitz in Berlin. Weitere Büros gibt es unter anderem in Los Angeles, London, Paris, Rom, Madrid, München, Dubai und Sydney. Weltweit arbeiten mehr als 200 Menschen für die Gruppe. Die Zahlen hinter dem Streaming-Guide sind beeindruckend:
- mehr als 50 Millionen monatliche Nutzer:innen in 140 Märkten
- Streamingoptionen für über 500.000 Filme und Serien
- mehr als 1.500 erfasste Streamingdienste weltweit
- Where-to-Watch-Daten und Streaming-Charts für über 1.400 Partner-Websites und -Apps
Die Gruppe besteht künftig aus drei Geschäftsbereichen: dem Streaming-Guide JustWatch, JustWatch Media – einer Einheit, die auf Basis der eigenen Zielgruppendaten digitale Kampagnen für Studios, Streamingdienste und Media-Agenturen auf Plattformen wie YouTube, Meta und TikTok umsetzt – und jetzt eben JustWatch TV. Dass ein Berliner Tech-Unternehmen mit einem eigenen Streamingangebot international gleichzeitig in zwölf Märkten an den Start geht, finde ich als Tech-Bloggerin aus Deutschland schon ziemlich cool.
Für wen lohnt sich JustWatch TV?
Nach allem, was bisher bekannt ist, dürfte JustWatch TV vor allem für drei Gruppen interessant werden:
- Sparfüchse: Wer keine Lust auf das fünfte Monatsabo hat, bekommt mit dem kostenlosen, werbefinanzierten Angebot eine zusätzliche Film- und Serienquelle.
- Filmnerds und Schatzsucher: Wenn JustWatch sein Versprechen hält, schwer auffindbare Titel zugänglich zu machen, wird der Dienst zur Fundgrube für alle, die abseits des Mainstreams stöbern.
- Bestehende JustWatch-Nutzer:innen: Für dich ändert sich eigentlich nur eines – du kannst künftig öfter direkt dort weiterschauen, wo du ohnehin gesucht hast.
Mein Fazit: Vom Wegweiser zum Ziel
Ich finde den Schritt von JustWatch logisch und ziemlich spannend. Das Unternehmen weiß wie kaum ein anderes, was Menschen sehen wollen – und nutzt dieses Wissen jetzt, um selbst ein Angebot aufzubauen. Die Kombination aus kostenlosem Streaming mit Werbung, Leihfilmen und einem werbefreien Abo ist flexibel, der Verzicht auf ein neues Konto nimmt jede Einstiegshürde, und mit Paramount, New Regency, Fremantle und Bleecker Street sind zum Start bereits bekannte Namen an Bord.
Ein paar Fragen bleiben bis zum Launch natürlich offen – allen voran die Preise und die konkrete Titelauswahl für Deutschland. Aber die Richtung stimmt: weniger Suchen, mehr Schauen. Ich bin gespannt, wie sich JustWatch TV im Alltag schlägt, und werde es mir nach dem Start im Oktober ausführlich anschauen. Wenn du Fragen hast, die ich dabei unbedingt klären soll, schreib sie mir gern in die Kommentare!