Crowd Sensing: Smartphones leiten Menschenmassen

Ich finde den Ansatz interessant, denn bei Crowd Sensing wird versucht Menschenmassen anonym mittels ihrer Smartphones zu leiten. Zum Beispiel kann man mit Crowd Sensing davor warnen eine bereits überfüllte U-Bahnstation zu betreten. Aber nicht nur für die Warnhinweise dient das Smartphone. Es wird auch genutzt um überhaupt an die entsprechenden Daten zu kommen.

Crowd Sensing Menschenmassen (Quelle: Klicker / pixelio.de)

Menschenmassen (Quelle: Klicker / pixelio.de)

An sich finde ich die Idee ja gar nicht mal so schlecht, allerdings sehe ich hierbei schon den ein oder anderen Datenschütze im Quadrat springen. Zwar werden die benötigten Daten anonym erhoben, dennoch wird und muss auf eine ganze Reihe Sensordaten des Smartphones zurück gegriffen werden. Erstmals eingesetzt wurde Crowd Sensing übrigens im Laufe der Olympischen Spiele 2012 in London. Entwicklet wurde das System Deutschen Forschungszentrum für künstliche Intelligenz. Anlass für die Entwicklung war die Katastrophe während der Love Parade in Duisburg 2010.

Crowd Sensing im Detail

Wie funktioniert das Ganze nun? Ganz einfach eigentlich. Über die Sensoren, welches fast jedes aktuelle Smartphone enthält, werde Daten über die Bewegung der Besitzer und somit der Besuchermassen erfasst. Das Ziel dabei dürfte auf der Hand liegen. Anhand dieser Daten sollen die Bewegungen der Massen und Besucherströme erfasst werden.

[sam id=”11″ codes=”true”]Natürlich kann niemand einfach auf die Sensoren eines Smartphones zugreifen. Aus diesem Grund müssen Besucher zunächst eine Crowd Sensing App (wie sollte es auch anders sein) installieren. Ab diesem Zeitpunkt werden Daten erfasst. So wird beispielsweise das Smartphone GPS genutzt, um Position und Geschwindigkeit des Nutzers zu erfassen. Der eingebaute Kompass erfasst Richtungsdaten. Beschleunigungsmesser des Smartphones werden ebenfalls genutzt. Wichtig dabei ist z.B. auch Bluetooth. Hiermit kann erfasst werden, welche weiteren Smartphones sich in der Nähe befinden und somit der “Füllstand” eines Ortes ermittelt werden.

Aufgrund all dieser Daten kann also erfasst werden, wo sich ein Mensch gerade befindet, ob er sich bewegt und in welche Richtung. Diese Daten werden dann an einen Cloud-Server übertragen und können somit mit den Daten von anderen Crowd Sensing Smartphone Nutzern beispielsweise auf einer Heatmap dargestellt werden. Diese Heatmap kann dann Auskunft darüber geben, wie voll ein Ort zum aktuellen Zeitpunkt ist. Und das nahezu in Echtzeit.

Paniken feststellen

Aufgrund all dieser Daten lassen sich sogar Paniken innerhalb einer Menschenmenge feststellen. Und zwar in dem Moment wo sich viele Menschen anders Bewegen als die eigentliche Menschenmasse. In diesem Fall kann das ein Indiz für eine Turbolenz oder Panik innerhalb der Menschenmasse sein.

Crowd Sensing bietet Vorteile für Smartphone Besitzer

Der Vorteil bei Crowd Sensing liegt nicht nur darin, dass Veranstalter genau über den Füllstand eines Ortes bescheid wissen. Auch Nutzer der Smartphone App können über diese gezielt angesprochen werden und so geleitet werden. So wäre es z.B. möglich Besuchermassen von einer überfüllten U-Bahn Station weg, hin zu einer weniger stark freqentierten Station zu leiten. Auch liesse sich anhand der Daten erkennen, ob es sich Beispielsweise um einen Rollstuhlfahrer handelt. Diese könnte dann gezielt auf einen barrierefreien Weg geleitet werden.

Datensicherheit

Natürlich ist Datensicherheit in Zusamenhang mit Crowd Sensing ein großes Thema. Schliesslich leitet das Smartphone bei der Nutzung von Crowd Sensing eine ganze Menge Daten weiter. Das System vergibt aus diesem Grund lediglich dynamische IP Adressen, welche es nicht ermöglichen Rückschlüsse auf den Inhaber zu erhalten. Sobald ein Nutzer den Veranstaltungsbereich verlässt verfällt die IP Adresse. Für die Benachrichtignung an die Nutzer wird ein eigenes System genutzt. Nachrichten kommen also nicht über SMS.

Auf dem Hessentag 2012 hätte ich mir die Technik gewünscht

An sich ist Crowd Sensing also eine durchaus durchdachte Technik. Die Frage ist also, ob ein solches System Katastrophen, wie bei der Love Parade, verhindern kann. Ich denke schon, sofern genügend Nutzer vorhanden sind. Dazu müssen Nutzer natürlich dazu gebracht werden entsprechende Apps zu installiern und auch zu nutzen. Während der olympischen Spiele in London war das System in die offizielle Olympia App eingebettet. Dies ist sicherlich ein Ansatz, da es anlässlich diverser Großveranstalltungen neuerdings immer eine passende App zu Veranstalltung gibt.

Selbst anlässlich des Hessentages 2012 hier in Wetzlar gab es eine passende App. Allerdings ohne Crowd Sensing Funktionalität. Und genau das hätte ich mir manchmal wirklich gewünscht. Denn während des Hessentags gab es desöfteren Probleme mit überfüllten Plätzen oder Fussgängerbrücken. Teilweise mussten diese Brücken sogar gesperrt werden, weil zuviele Menschen hinüber wollten. Hier hätte Crowd Sensing vielleicht sogar geholfen.

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About Andreas Rabe

IT Spezialist, Blogger und Hesse. > Ich habe keine Lösung, aber ich bewundere das Problem. Wenn bereits der Ansatz falsch ist, so führt strenge Logik unweigerlich zum falschen Ergebnis. Nur Unlogik gibt Dir jetzt noch die Chance, wenigstens zufällig richtig zu liegen.

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