Niemand mag De-Mail

Wundert das irgendjemanden? Gerade einmal 8 Prozent der Online in Deutschland haben sich ein De-Mail Konto zugelegt. Und 35% der Onliner haben sogar noch nie etwas von De-Mail gehört. Dabei gibt es sogar ein eigenes De-Mail Gesetz, denn die Deutschland Mail soll ja eigentlich die Vorzüge digitaler Kommunikation mit der Vertraulichkeit eines Briefes verbinden.

Aber genau dieser Mehrwert ist für viele, mich eingeschlossen, nicht wahrnehmbar. Ich sehe ihn einfach nicht. Und das ist nur einer der vielen Kritikpunkte an De-Mail.

Mangelnde Datensicherheit

Denn so sicher, wie De-Mail von den Verfechtern des Systems dargestellt wird, ist es nicht. Der Grund ist die fehlende Ende-zu-Ende Verschlüsselung. Das bedeutet, dass Provider, Geheimdienste, die Polizei oder Hacker Zugriff auf die Kommunikation erlangen können. Gerade bei sensiblen Daten in der Kommunikation mit Behörden, deren Verwaltungsvorschriften extra aufgeweicht wurden, werden diese Daten der Bürger einem hohen und unnötigem Risiko ausgesetzt. Laut Linus Neumann sei  De-Mail sogar “absichtlich unsicher gebaut” um deutschen Ermittlungsbehörden und Geheimdiensten den Zugriff zu erlauben. Zudem mache die geringe Anzahl an Servern, auf denen sensible Daten der Bürger lagern, diese zu einem attraktiven Ziel für Hacker. Ein Video des sehr interessanten und aufschlussreichen Vortrages von Linus Neumann zum Thema “DeMail, Schlandnet und Cloud – Bullshit made in Germany” findet sich hier.

Die herkömmliche Mail ist vollkommen ausreichend

Ein weiterer wichtiger Kritikpunkt ist, dass man mit De-Mail versucht hat ein vollkommen neues Kommunikationssystem einzuführen. Und das obwohl sich die normale Email längst etabliert hat und es hier effektive Verschlüsselungs- und Signierungsmöglichkeiten schon lange gibt. Erschwerend kommt hinzu, dass eine Kommunikation zwischen De-Mail und herkömmlicher Email nicht möglich ist.

Die Sache mit dem Datenschutz

Und ganz wichtig: In Hinblick auf den Datenschutz ist De-Mail ein wahrer Horror:

  • Vor der Einrichtung von De-Mail muss man sich identifizieren. Was noch nicht mal bei einem normalen Brief notwendig ist.
  • Alle Nutzerdaten und Kontakte fließen rückführbar an einer zentralen Stelle zusammen
  • Die hinterlegten Daten sind laut §113 TKG für eine vielzahl von Geheimdiensten und Ermittlungsbehörden abrufbar. Und zwar OHNE richterlichen Beschluss.
  • In einigen Fällen ist es sogar möglich, dass Private Zugriff auf die Daten erhalten dürfen
  • Nutzerkennung und Passwort zu einem De-Mail-Postfach sind auf Anforderung einer Strafverfolgungsbehörde, einer Polizeibehörde, des Bundesamts für Verfassungsschutz, des Bundesnachrichtendienstes oder des Militärischen Abschirmdienstes ohne richterliche Anordnung herauszugeben.
  • Die Vorratsdatenspeicherung des kompletten Mailverkehrs ist nicht ausgeschlossen

Zusammengefasst: De-Mail ist umständlich. De-Mail bietet keinerlei Vorteile gegenüber dem etablierten normalen Email! De-Mail hat enorme Sicherheitsrisiken. Und De Mail ist aus Datenschutzsicht ein Horror.

Die Frage warum niemand De Mail mag, lässt sich also doch sehr einfach beantworten.

 

 

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About Andreas Rabe

IT Spezialist, Blogger und Hesse. > Ich habe keine Lösung, aber ich bewundere das Problem. Wenn bereits der Ansatz falsch ist, so führt strenge Logik unweigerlich zum falschen Ergebnis. Nur Unlogik gibt Dir jetzt noch die Chance, wenigstens zufällig richtig zu liegen.

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