Fünf Jahre. So lange habe ich mich damit abgefunden, dass meine Taskleiste in Windows 11 unten klebt wie ein Aufkleber, den man nicht mehr abbekommt. Auf meinem 34-Zoll-Ultrawide ist das nicht bloß Geschmackssache – da verschenke ich 48 Pixel Höhe über die volle Breite, während links und rechts gähnende Leere herrscht. Ich habe ehrlich aufgehört zu hoffen.

Jetzt ist es plötzlich da. Und ich bin hin- und hergerissen zwischen „endlich!“ und „warum hat das fünf Jahre gedauert?“.

Auf der IFA 2026 hat Microsoft angekündigt, Nutzern wieder mehr Kontrolle über die Windows-11-Oberfläche zu geben. Windows 11 Taskleiste verschieben – nach oben, links, rechts – ist zurück. Die Startmenü-Größe lässt sich anpassen. Ich habe beides ausprobiert und sortiere hier für dich, was wirklich funktioniert, was noch hakt und was Marketing-Nebel ist.


Ultrawide-Monitor mit Tastatur auf einem Schreibtisch – Windows 11 Taskleiste verschieben
Auf einem Ultrawide lohnt sich die Taskleiste links oder oben am meisten – und genau das erlaubt Windows 11 endlich wieder.

Was Microsoft auf der IFA 2026 angekündigt hat

Die Kurzfassung: Mark Linton, bei Microsoft für Windows & Devices zuständig, hat auf der IFA in Berlin bestätigt, dass die verschiebbare Taskleiste zurückkommt. Sein Zitat, das seitdem durch alle Tech-Medien geistert:

„We’re listening to our customers‘ feedback, continuously improving Windows, and you’ll see that Windows gets better with every update.“

Klingt nach Presseabteilung, ist es auch. Interessanter ist, was dahinter steckt: Diese Ankündigungen sind Teil von Windows K2, Microsofts intern so genannter Qualitätsoffensive für Windows 11. Weniger Feature-Feuerwerk, mehr Performance, weniger aufgedrängte KI, mehr Kontrolle. Als erster K2-Baustein gilt das Mai-Update KB5089573 mit seinem Performance-Schub – die Personalisierungs-Rückkehr ist jetzt der nächste.

Konkret bestätigt sind drei Dinge:

  • Taskleistenposition: oben, unten, links, rechts – frei wählbar
  • Startmenü-Größe: drei feste Presets statt Einheitsbrei
  • Kontextmenü: anpassbar, mit Rückkehr zu einer klassischeren Anordnung

Alles andere – „Copilot behutsamer integrieren“, „Performance optimieren“ – ist bislang Absichtserklärung ohne Feature-Namen. Das trenne ich hier bewusst: Position eins bis drei kannst du nachvollziehen, den Rest musst du glauben.

Windows 11 Taskleiste verschieben: So funktioniert es

Die Funktion ist zuerst im Experimental Channel aufgetaucht, in Build 26300.8493 vom 15. Mai 2026. Inzwischen ist sie im Beta-Kanal angekommen (Build 26220.9022 auf Basis von 25H2) und soll regulär mit Windows 11 26H2 im Herbst 2026 kommen.

Der Klickpfad

Einstellungen → Personalisierung → Taskleiste → Taskleistenverhalten

Dort gibt es jetzt ein neues Dropdown für die Position mit vier Optionen: Unten (Standard), Oben, Links, Rechts.

Das war’s. Kein Registry-Gefummel, kein Drittanbieter-Tool wie früher StartAllBack oder ExplorerPatcher. Ein Dropdown. Fünf Jahre für ein Dropdown.

Was schon gut läuft

Ich hatte ehrlich mit Grafikmüll gerechnet – bei einer Funktion, die Microsoft jahrelang mit „zu komplex“ begründet hat. Stattdessen: Tooltips, Flyouts und Animationen klappen aus der richtigen Richtung auf, auch links und rechts. Und die meisten Anpassungen greifen an allen Positionen weiter, etwa „Kleine Taskleiste“ oder „Taskleistensymbole nie gruppieren“.

Meine persönliche Empfehlung nach zwei Wochen: Auf einem Ultrawide ist links die Offenbarung. Du gewinnst vertikalen Platz, und der Weg zum Startbutton ist auf einem 34-Zöller deutlich kürzer als quer über die ganze Breite. Auf einem klassischen 16:9-Monitor finde ich oben angenehmer – das Auge sucht Menüs eher am oberen Rand, das ist ein über Jahrzehnte antrainierter Reflex.

Was noch nicht funktioniert

Und jetzt der ehrliche Teil, weil ich mich darüber tatsächlich geärgert habe. In den alternativen Positionen gilt laut Microsofts eigenen Release Notes:

  • Suchfeld und „Ask Copilot“ funktionieren noch nicht vollständig
  • Touch-Gesten werden nicht unterstützt
  • Automatisch ausblenden ist deaktiviert
  • Touch-optimierte Taskleiste fehlt
  • Der kompakte Modus greift nur oben und unten

Das „Automatisch ausblenden“ ist für mich der schmerzhafteste Punkt. Genau die Leute, die die Taskleiste an den Rand schieben, sind meistens die, die sie auch ausblenden wollen. Das ist wie ein Schiebedach, das sich nur bei Regen öffnen lässt.

Und eine Sache kommt gar nicht zurück: das freie Ziehen der Taskleistenhöhe per Maus, wie es Windows 10 konnte. Du bekommst Positionen, keine stufenlose Größe.

Startmenü-Größe ändern: drei Presets statt Freihand

Laptop mit geöffnetem Startmenü – Startmenü-Größe in Windows 11 ändern
Drei Presets statt freier Größe – das Startmenü lässt sich in Windows 11 jetzt auf Klein, Groß oder Automatisch stellen

Die zweite Neuerung ist schon weiter draußen als die Taskleiste – die kannst du unter Umständen heute schon nutzen.

Einstellungen → Personalisierung → Start

Dort findest du eine neue Größenoption mit drei Werten:

OptionVerhalten
AutomatischPasst sich an Bildschirmgröße und Auflösung an (bisheriges Verhalten)
KleinKompaktes Menü, spürbar weniger Fläche
GroßMaximale Anzahl angepinnter Apps

Ausgeliefert wurde das mit dem optionalen August-Update KB5120998, das Systeme auf Build 26200.9278 (Version 25H2) beziehungsweise 26100.9278 (Version 24H2) hebt. Wenn du monatlich sauber aktualisierst – so wie ich es auch im Artikel zum August-Update 2026 beschrieben habe – bist du wahrscheinlich schon auf dem richtigen Build.

Warum die Option bei dir trotzdem fehlt

Hier kommt der Klassiker, an dem ich jedes Mal hängenbleibe: Controlled Feature Rollout. Microsoft schaltet das Feature nicht mit dem Update frei, sondern staffelt es serverseitig über Wochen. Du hast den Code auf der Platte, aber das Schloss ist zu.

Zwei Wege raus:

  1. Warten. Der September-Patchday sollte die Option breiter ausrollen. Ob sie damit wirklich bei allen ankommt, ist noch nicht offiziell bestätigt – ich würde mich da auf keine Zusage verlassen.
  2. Selbst freischalten. Mit ViVeTool lässt sich das Feature-Flag von Hand setzen. Wie das sauber läuft und welche Alternativen es gibt, habe ich in meinem Guide zu Windows-11-Feature-Flags und ViVeTool Schritt für Schritt aufgeschrieben.

Kleiner Realitätscheck von mir: Ich habe mein Hauptsystem inzwischen aufgehört, mit Feature-Flags zu bearbeiten. Auf der Test-VM: gerne. Auf der Kiste, mit der ich Geld verdiene: lieber warten. Ich habe mir mit einem übermütig gesetzten Flag mal den Explorer zerschossen, und das Debugging hat länger gedauert als das Feature Spaß gemacht hat.

Meine ehrliche Einordnung: reicht das?

Nein. Und da bin ich nicht allein – PCWorld hat die englische Version dieser Nachricht direkt mit „but it’s not enough“ überschrieben, und die Kritik trifft.

Was zurückkommt, sind zwei Personalisierungsoptionen, die Windows 10 bereits hatte – und beide in beschnittener Form. Das ist keine Kehrtwende, das ist eine Rückbuchung. Wenn ich mir anschaue, worüber sich in meinen Kommentaren und in den Foren tatsächlich aufgeregt wird, dann steht die Taskleistenposition da nicht mal in den Top drei:

Anders gesagt: Microsoft gibt dir die Kontrolle über die Optik zurück, nicht über das System. Das ist, als würde dein Vermieter dir nach jahrelangem Streit über die Heizkosten erlauben, die Wände neu zu streichen.

Trotzdem – und das meine ich ohne Sarkasmus – finde ich die Richtung richtig. Windows K2 ist die erste Windows-Initiative seit langem, die nicht mit einem neuen Feature anfängt, sondern mit dem Aufräumen von Altlasten. Dass Microsoft nach fünf Jahren „geht technisch nicht“ plötzlich doch liefert, zeigt vor allem eins: Der Druck wirkt. Auch der aus Europa, wo Behörden zunehmend Richtung Linux und digitale Souveränität schielen.

Was du jetzt konkret tun kannst

  1. Build prüfen: Win + Rwinver eingeben. Bist du auf 26100.9278 oder 26200.9278 aufwärts, hast du die Startmenü-Option technisch an Bord.
  2. Nachschauen: Einstellungen → Personalisierung → Start. Ist die Größenoption da? Glückwunsch, du warst im Rollout-Fenster.
  3. Nicht sofort ins Insider-Programm wechseln. Die Taskleistenposition steckt aktuell im Beta-Kanal. Ein Wechsel dorthin ist einfach – der Rückweg ohne Neuinstallation nicht. Warte auf 26H2, wenn dein Rechner produktiv läuft.
  4. Vorher aufräumen. Wenn du sowieso gerade an der Oberfläche schraubst: Meine Sammlung an Windows-11-Tipps für mehr Produktivität und der Guide zu virtuellen Desktops bringen dir im Alltag ehrlich gesagt mehr als die Taskleistenposition.
  5. Wenn dein System eh träge ist: Erst Performance, dann Kosmetik. Dafür habe ich den ultimativen Guide zum Beschleunigen von Windows 11 geschrieben.

Häufige Fragen zur Windows-11-Taskleiste

Kann ich die Taskleiste in Windows 11 jetzt schon verschieben?

Im Beta- und Experimental-Kanal des Windows-Insider-Programms ja, ab Build 26300.8493 beziehungsweise 26220.9022. In der finalen Version ist die Funktion für Windows 11 26H2 im Herbst 2026 vorgesehen.

Geht die Taskleiste auch links, wenn ich Copilot nutze?

Eingeschränkt. Das Suchfeld und „Ask Copilot“ funktionieren in den alternativen Positionen laut Microsoft noch nicht vollständig. Wer Copilot intensiv per Taskleiste nutzt, sollte vorerst bei „Unten“ bleiben.

Kann ich die Taskleistenhöhe wieder frei ziehen wie in Windows 10?

Nein. Zurück kommen nur die vier Positionen sowie ein kompakter Modus für oben und unten. Das stufenlose Ziehen der Taskleistenränder ist nicht Teil der Ankündigung.

Brauche ich noch ExplorerPatcher oder StartAllBack?

Für die reine Taskleistenposition ab 26H2 nicht mehr. Für Dinge wie ein vollständig klassisches Kontextmenü, freie Höhenverstellung oder ein Windows-10-Startmenü bleiben Drittanbieter-Tools weiterhin die einzige Option.

Warum sehe ich die Startmenü-Größe nicht, obwohl ich das Update habe?

Weil Microsoft das Feature über einen Controlled Feature Rollout serverseitig staffelt. Entweder du wartest auf die breitere Freigabe, oder du schaltest es per ViVeTool selbst frei.

Fazit

Windows 11 Taskleiste verschieben und Startmenü-Größe ändern – zwei Funktionen, über die ich mich 2021 nicht mal gewundert hätte, weil sie selbstverständlich waren. 2026 sind sie eine Schlagzeile. Das sagt mehr über die letzten fünf Jahre als über das Update.

Nutzen werde ich es trotzdem. Meine Taskleiste ist seit zwei Wochen links, und ich merke bei jedem Wechsel auf einen anderen Rechner, wie sehr mir das jetzt fehlt. Aber ich verwechsle das nicht mit einem Kurswechsel. Ein Kurswechsel wäre, wenn ich die Werbung aus dem Startmenü ohne Registry-Hack loswerde.

Wie handhabst du das – bleibst du bei „unten“, oder wanderst du auch an den Rand? Schreib’s mir in die Kommentare, ich bin neugierig, ob ich mit dem Ultrawide-Argument allein dastehe.

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Johanna

Johanna ist die treibende Kraft für technologische Innovationen und Software-Lösungen bei Addis Techblog. Sie filtert den Hype aus neuen Releases und testet Software auf ihren tatsächlichen Nutzwert. Ihr Fokus liegt auf der Integration lokaler AI-Modelle, der Optimierung von Content-Creation-Workflows und der Analyse neuer Software-Tools. Johanna sorgt dafür, dass smarte Lösungen und Slicer-Updates nicht nur theoretisch funktionieren, sondern den digitalen Alltag der Leser messbar effizienter machen.