In meiner Garage lagen letzten Winter sechs Akkus: zwei für die Heckenschere, zwei für den Laubbläser, einer für den Akkuschrauber, einer für die Kettensäge. Vier davon hatten im März noch Kapazität, einer war auf etwa die Hälfte eingebrochen, und einer ließ sich überhaupt nicht mehr aufwecken – das Batteriemanagement hatte abgeschaltet und ging nicht wieder an. Verlust: rund achtzig Euro, komplett selbst verschuldet.

Der Fehler war nicht die Kälte allein. Der Fehler war die Kombination aus falschem Ladezustand, falschem Ort und einem Akku, der den ganzen Winter im Ladegerät gesteckt hat. Hier steht, wie es richtig geht – mit den Zahlen dahinter, nicht mit Hausregeln.

Herbst Laub im Garten für den Akku Laubbläser
Herbstlaub im Garten

Die eine Zahl, auf die es ankommt: Ladezustand

Lithium-Ionen-Zellen altern auch, wenn sie nichts tun. Wie schnell, hängt an zwei Größen: Temperatur und Ladezustand. Voll geladen und warm ist die schlechteste Kombination, leer und kalt die zweitschlechteste.

  • Zielwert für die Lagerung: 40 bis 60 Prozent. Bei Werkzeugakkus heißt das in der Praxis: zwei von drei oder zwei von vier LEDs auf der Anzeige. Battery University nennt für Lithium-Ionen rund 40 Prozent als Lagerzustand und erklärt, warum ein voller Akku bei Lagerung messbar schneller altert.
  • Nicht voll einlagern. Der Reflex „dann ist er im Frühjahr einsatzbereit“ ist der teuerste Gedanke in diesem Beitrag. Ein voll geladener Akku verliert über Monate dauerhaft Kapazität, nicht nur Ladung.
  • Nicht leer einlagern. Unter etwa 20 Prozent wird es kritisch, weil die Selbstentladung weiterläuft. Fällt die Zellspannung unter die Schutzschwelle, schaltet das Batteriemanagement endgültig ab – das war mein nicht mehr erweckbarer Akku.
  • Selbstentladung einplanen: grob zwei bis fünf Prozent pro Monat, bei Werkzeugakkus mit Elektronik oft mehr. Über fünf Wintermonate ist das ein Viertel der Ladung.

Die technischen Hintergründe dazu – Zellchemie, Alterungsmechanismen, Spannungsfenster – stehen im Wikipedia-Artikel zum Lithium-Ionen-Akkumulator. Für die Praxis reichen die vier Punkte oben.

Die Regel, die fast niemand kennt: nicht unter null Grad laden

Einhell Power X Change Staubsauger

Das ist der wichtigste Satz des Beitrags. Lithium-Ionen-Akkus dürfen bei Temperaturen unter dem Gefrierpunkt nicht geladen werden. Entladen funktioniert bei Kälte – mit weniger Leistung, aber ohne dauerhaften Schaden. Laden dagegen führt unterhalb von etwa null Grad dazu, dass sich metallisches Lithium an der Anode ablagert statt sich einzulagern. Dieser Effekt ist nicht reversibel: Die Kapazität sinkt bleibend, und im schlimmsten Fall entstehen innere Kurzschlüsse.

Praktisch bedeutet das drei Dinge:

  • Kalten Akku vor dem Laden akklimatisieren. Zwei bis drei Stunden bei Zimmertemperatur, bevor er ans Ladegerät kommt. Ein Akku, der eine Stunde im Frost auf der Terrasse lag, ist innen kälter, als er sich außen anfühlt.
  • Nicht in der unbeheizten Garage laden. Auch nicht „nur schnell“. Gute Ladegeräte verweigern den Dienst unter einer Mindesttemperatur, günstige laden einfach.
  • Nach dem Einsatz im Kalten nicht sofort anstecken. Der häufigste Fall im Winter: Heckenschere benutzt, Akku rein ins Ladegerät. Erst reinbringen, dann warten, dann laden.

Pro-Tipp: Der Umkehrschluss gilt auch. Ein heißer Akku direkt nach dem Dauerbetrieb gehört nicht ins Ladegerät, sondern erst zehn Minuten auf die Werkbank. Beide Extreme kosten Zyklen.

Der Lagerort: nicht die Garage, nicht der Keller

Das Ideal ist ein kühler, trockener Ort mit stabiler Temperatur – etwa 10 bis 20 Grad. Lagerung im Frost ist für Lithium-Ionen nicht unmittelbar schädlich, solange nicht geladen wird, bringt aber zwei praktische Probleme: Man kann die Akkus nicht benutzen, ohne sie vorher reinzuholen, und beim Reinholen kondensiert Luftfeuchtigkeit auf den kalten Kontakten.

  • Feuchter Keller: schlecht wegen Kondensation und Korrosion an den Kontakten. Wenn es der Keller sein muss, dann in einer verschlossenen Box mit Trockenmittel.
  • Unbeheizte Garage: geht, wenn die Akkus sauber auf Lagerzustand gebracht sind und du sie vor Gebrauch reinholst.
  • Heizungsraum oder Dachboden: die schlechteste Wahl. Wärme ist für die Alterung schlimmer als Kälte.
  • Beste Lösung bei mir: ein Regal im Hausflur, 15 bis 18 Grad, in einer flachen Metallkiste ohne Deckel. Kostet nichts und löst alle vier Punkte.

Wenn das Gartenhaus trotz allem der einzige Platz ist, lohnt der Blick auf eine Frostwächter-Steckdose: Sie schaltet eine kleine Heizung erst bei Unterschreiten einer Schwelle ein und hält den Raum knapp über null – was die Geräte kostet und was sie leisten, steht in meinem Beitrag zur Frostwächter-Steckdose für Gartenhaus und Gewächshaus.

Das Ladegerät ist kein Lagerplatz

Der Akku, der bei mir am stärksten eingebrochen war, hat den Winter im Ladegerät verbracht. Das ist verbreitet, weil es praktisch wirkt, und bei günstigen Geräten ist es ein Fehler: Sie halten den Akku dauerhaft an der Ladeschlussspannung oder laden alle paar Stunden nach. Beides ist genau der Zustand, den man vermeiden will – voll und unter Spannung, über Monate.

Gute Markengeräte schalten ab und gehen in eine Überwachung, aber man sieht das von außen nicht. Dazu kommt der Brandschutzaspekt: Lithium-Akkus sollte man nicht unbeaufsichtigt über Nacht oder über Monate am Netz lassen. Die Regeln, die bei mir gelten:

  • Laden auf nicht brennbarem Untergrund – Steinboden, Metallregal, Fliesen. Nicht auf der Werkbank zwischen Lappen und Kartons.
  • Nicht neben Brennbarem oder Brennstoffen. Benzinkanister, Farbreste und Kartonstapel sind die typische Garagennachbarschaft und die falsche.
  • Nicht im Schlafbereich und nicht im einzigen Fluchtweg laden.
  • Nach dem Laden abziehen. Eine simple Zeitschaltuhr oder eine schaltbare Steckdose macht daraus eine Automatik – dieselbe Hardware, die bei mir auch den Standby-Verbrauch im Griff hält, siehe Standby-Fresser finden.
  • Rauchwarnmelder in der Garage oder im Werkstattraum. Der kostet zehn Euro und ist dort, wo Akkus lagern, keine Übertreibung.

Die Geräte selbst: zwanzig Minuten, die über den Frühling entscheiden

RoboUp T1200 Pro beim Mähen im Smarten Garten
Mähroboter bei der Arbeit im Garten / Addis Techblog

Der Akku ist die eine Hälfte, das Gerät die andere. Was bei mir pro Gerät anfällt, bevor es ins Regal geht:

  • Akku abnehmen. Immer. Ein eingesteckter Akku entlädt sich über die Geräteelektronik schneller, und ein versehentlicher Anlauf im Regal ist keine theoretische Gefahr.
  • Pflanzensaft und Gras entfernen. Bei Heckenscheren und Mähern trocknet der Saft zu einer Schicht, die Korrosion unter sich fördert. Trockene Bürste, dann ein Lappen mit Harzlöser.
  • Schneidwerkzeug ölen. Ein dünner Film Pflegeöl auf Messer und Schwert. Keine Kriechöl-Dauerdusche, die läuft nur in die Lager.
  • Filter und Luftwege reinigen. Bei Laubbläsern und Saugern sitzt der Staub genau dort, wo er die Kühlung behindert. Welche Datenblattwerte bei diesen Geräten überhaupt etwas aussagen, habe ich in der Kaufberatung zu Akku-Laubbläsern auseinandergenommen.
  • Kontakte trocken und sauber. Kein Kontaktspray auf Steckkontakte von Werkzeugakkus – es zieht Staub an. Trocken abwischen reicht.

Beim Mähroboter ist die Reihenfolge besonders wichtig, weil dort Ladestation, Begrenzung und Software dazukommen – die vollständige Abfolge steht in meiner Herbst-Checkliste zum Einwintern. Und falls die Bewässerung noch läuft: Die muss vor dem ersten Frost leer sein, siehe Gartenbewässerung winterfest machen.

Nicht jede Zellchemie verhält sich gleich

Ein Hinweis, weil die Regeln oben für Lithium-Ionen gelten und im Haushalt inzwischen mehrere Chemien unterwegs sind.

  • Lithium-Ionen (die meisten Werkzeugakkus): alles wie oben – 40 bis 60 Prozent, kühl, nicht unter null laden.
  • Lithium-Eisenphosphat, zu finden in Powerstations und Balkonkraftwerk-Speichern: deutlich mehr Zyklen, gelassener bei der Lagerung, aber beim Ladeverbot unter null Grad noch empfindlicher als klassische Lithium-Ionen-Zellen.
  • Alte Nickel-Metallhydrid-Akkus aus Geräten vor etwa 2012: Die mögen Lagerung im geladenen Zustand und verlieren deutlich mehr pro Monat. Hier gilt praktisch das Gegenteil, und Ladegeräte aus dieser Zeit laden ohne Abschaltautomatik.
  • Bleigel in Rasentraktoren und kleinen USV-Geräten: gehört voll geladen in den Winter und braucht eine Erhaltungsladung, sonst sulfatiert es. Genau umgekehrt zur Lithium-Regel – ein Grund, Akkus nicht pauschal zu behandeln.

Wenn du nicht weißt, was in deinem Gerät steckt: Auf dem Akku steht es fast immer drauf, meist neben der Spannung und der Kapazität in Wattstunden. Diese Wattstundenangabe ist übrigens auch die Zahl, die man braucht, wenn man abschätzen will, was ein Akku tatsächlich leisten kann – Volt und Amperestunden allein sagen wenig.

Defekte Akkus: erkennen und richtig abgeben

Ein Akku, der sich aufgebläht hat, heiß wird, riecht oder ein verformtes Gehäuse hat, ist nicht reparaturbedürftig, sondern erledigt. Er gehört nicht in die Werkstatt zurück, sondern aus dem Haus – bis zur Abgabe in eine Metallkiste oder einen nicht brennbaren Behälter, an einem Ort ohne Brandlast, mit abgeklebten Kontakten.

Die Abgabe ist kostenlos: Händler, die solche Batterien verkaufen, müssen sie zurücknehmen, dazu kommen die kommunalen Sammelstellen. In den Hausmüll darf so ein Akku unter keinen Umständen – ein großer Teil der Brände in Müllfahrzeugen und Sortieranlagen geht genau darauf zurück. Dass man einen Akku nicht öffnet, löst oder „nachlötet“, um ihn zu retten, sollte sich von selbst verstehen, wird im Netz aber munter empfohlen.

Die Einwinter-Checkliste

  • Alle Akkus zusammensuchen – auch den im Gerät und den im Keller
  • Jeden auf 40 bis 60 Prozent bringen, nicht voll, nicht leer
  • Aus allen Ladegeräten entnehmen, Ladegeräte vom Netz trennen
  • Kontakte trocken abwischen, Geräte reinigen und ölen
  • Lagerort wählen: kühl, trocken, frostfrei, nicht brennbar
  • Aufgeblähte oder beschädigte Akkus aussortieren und abgeben
  • Kaufdatum und Zyklenzahl notieren – damit du im Frühjahr weißt, welcher der Älteste ist
  • Einen Termin für Mitte Februar setzen: Ladezustand prüfen, bei Bedarf nachladen

Die letzten beiden Punkte sind die, die den Unterschied machen. Der Februartermin kostet zehn Minuten und verhindert genau den Fall, der mich achtzig Euro gekostet hat. Und die Notiz mit Kaufdatum ist derselbe Gedanke, den ich auch bei Netzwerkgeräten verfolge: Ich schreibe solche Daten in dieselbe Datei wie meine Gerätedokumentation, weil ich mich sonst in zwei Jahren nicht erinnere, welcher von vier identisch aussehenden Akkus der von 2022 ist.

Die gleichen Regeln gelten übrigens für jeden anderen Lithium-Akku im Haushalt – Powerbank, Modellbau, Fotoausrüstung, Pedelec. Für das E-Bike habe ich die Details in E-Bike winterfest machen aufgeschrieben, und die allgemeinen Pflegegrundsätze stehen seit Jahren unverändert in Tipps für ein langes Akkuleben – die Physik dahinter hat sich nicht geändert. Wer heute außerdem noch am Auto arbeitet, nimmt die Scheibenseite gleich mit: Scheiben, Wischer und Standheizung.

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Markus

Markus ist der Spezialist für Infrastruktur und Code bei Addis Techblog. Er übernimmt dort, wo Plug-and-Play aufhört. Mit seinem fundierten Hintergrund in der Netzwerktechnik dekonstruiert er komplexe Routing-Probleme, entwickelt effiziente Docker-Umgebungen (wie Nextcloud oder Pi-hole) und schreibt smarte Skripte für nahtlose Smart-Home-Integrationen. Seine Tutorials zeichnen sich dadurch aus, dass sie selbst anspruchsvollste Netzwerk-Protokolle strukturiert, sicher und praxisnah für den Homelab-Betrieb übersetzen.